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Stadtförster in Weilheim - viel mehr als nur ein Job im Wald

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Von: Paul Hopp

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Christian Schuller, Stadtförster der Kreisstadt Weilheim, in einem Waldstück.
Der Wald ist für ihn mehr als „nur“ ein Arbeitsplatz: Christian Schuller ist seit Juli als Stadtförster tätig. Zuvor kümmerte er sich (noch beim AELF angestellt) schon mehrere Jahre um den Stadtwald. © EMANUEL GRONAU

Seit Kurzem hat Weilheim einen eigenen Stadtförster: Christian Schuller. Er war davor schon, an anderer Stelle, für den rund 500 Hektar großen Stadtwald zuständig. Sein Aufgabengebiet ist umfangreich – und seine Arbeit beinhaltet gleich mehrere Jobs.

Weilheim – Für seine Arbeit hat Christian Schuller genau die richtige private Vorliebe: „Ich gehe wirklich gerne in den Wald.“ Das Gebiet, für das Schuller als Stadtförster zuständig ist, lässt auch weitschweifige Wanderungen zu. Denn der auf 14 Distrikte aufgeteilte Stadtwald umfasst insgesamt rund 500 Hektar und ist damit das größte derartige Areal im Landkreis Weilheim-Schongau.

Seit 2012 ist Schuller schon für den Stadtwald zuständig, allerdings war er damals noch beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) im Dienst – und hatte da eine Sonderfunktion, die Beratung der Waldbesitzervereinigungen und Erstellen von behördlichen Stellungnahmen zu Bauprojekten beinhaltete. Da das AELF sich zunehmend aus der Betriebsleitung kommunaler Waldflächen zurückzieht, hat die Stadt nun im Juli einen eigenen, bei ihr angestellten Förster installiert. Die Liste an Bewerbern war lang, berichtet Schuller. Für einen Kommunalwald zuständig zu sein, „ist für einen Förster eine der schönsten Stellen, die man haben kann“. Schließlich erhielt der Vater dreier Kinder den Zuschlag.

Stadtförster Schuller: Seit Juli bei der Stadt Weilheim angestellt

Das Interesse für den Wald weckte wohl der Großvater. Der war Holzfäller, mit ihm war Schuller – aufgewachsen südlich von Augsburg – viel im Wald. Das „hat ein Stück weit geprägt“. Beruflich ging der heute 46-Jährige zunächst aber einen anderen Weg, arbeitete als Schilder- und Lichtreklamehersteller. Im Nachgang von Orkan „Lothar“ (Dezember 1999) bot sich die Möglichkeit, in den stark betroffenen Vogesen sogenannten Sturmwurf zu beseitigen. Eineinhalb Jahre machte Schuller die Arbeit, die zum Teil arg gefährlich war. Bei der Rückkehr war der Wunsch zum Weitermachen auf dem Gebiet erwacht – Schuller absolvierte in Freising ein Studium der Forstwirtschaft. Danach absolvierte er in Lohr am Main noch die Staatsprüfung. „Eine sehr, sehr stressige Zeit“, sagt der.

Historie zum Stadtwald

Seit 1328 bestand der „Heilig-Geist-Spitalwald Weilheim“ als Stiftung für Arme und Kranke. Mit den Erträgen aus der Bewirtschaftung erfolgte die Finanzierung des Spitals. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Stiftung der Stadt übertragen. 1943 wurde das Heilig-Geist-Spital und dessen Waldbesitz ins alleinige Stadteigentum überführt. Durch weitere Ankäufe und durch Eingemeindungen vergrößerte sich die Stadtwaldfläche auf 503 Hektar. Der Stadtwald liegt verteilt in den Gemeinden Eberfing, Polling und Weilheim. Von 1984 bis 2020 war mit der Bayerischen Forstverwaltung die Leitung und der Betrieb gegen Entgelt geregelt. Seit Juli 2020 hat die Stadt einen eigenen Förster. Quelle: weilheim.de

Die Aussichten auf einen Arbeitsplatz im Forstbereich waren seinerzeit gar nicht gut, doch Schuller bekam eine Stelle als Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf, die 2000 Mitglieder betreut. Vor acht Jahren kam er dann ans AELF in Weilheim.

Als Weilheimer Stadtförster hat ein großes Aufgabengebiet und vereint zugleich mehrere Jobs. So ist er als Sachbearbeiter, Revierleiter und Betriebsleiter tätig. Falls es sein muss, packt er auch kurzerhand bei Waldarbeiten zu. Mit der Motorsäge ist Schuller aber eher selten in Aktion. Da seien diejenigen, die ständig damit hantieren, doch schneller, sagt er. Die Waldarbeiten übernehmen spezielle Firmen, die zum Teil schon lange für die Stadt tätig sind. „Ich brauche Leute, die sich gut auskennen“, sagt Schuller.

Stadtförster Schuller: Arbeit im Stadtwald umfasst viele Aufgaben

Das Aufgabenfeld des Stadtförsters ist groß. Es geht bei einem Kommunalwald zwar nicht ausschließlich um Erträge, „aber die Absicht, Gewinn zu erzielen, ist schon da“, sagt Schuller. Die finanziellen Erträge durch Holzverkauf lagen in den vergangenen Jahren bei rund 150.000 Euro, steht auf der Homepage der Stadt. Die Aufwendungen für den Wald müssen ja bezahlt werden.

Die Prämisse der Stadt ist, dass der Wald nicht zuletzt für die Bevölkerung da sein soll. Rund 100 Hektar sind Schuller zufolge „Erholungswald“. Und dort spielt die „Verkehrssicherheit“ eine große Rolle. Rückt ein Trupp an und entfernt Bäume und Äste, die für Spaziergänger gefährlich werden könnten, dann hört der Stadtförster oft den Vorwurf: „Ihr wollt’s mit dem Wald ja nur Geld machen.“ Er hält dagegen: In den von Erholungssuchenden stark frequentierten Gebieten wie etwa der Weilheimer Au „machen wir keinen Holzeinschlag“. Arbeiten dort „dienen nur der Sicherheit“.

Ein Schwerpunkt Schullers liegt in der Betreuung des Wald-Ökokontos der Stadt, das 2017 konzipiert wurde. Auf rund 70 Hektar werden entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Da gibt es Zonen, in denen keine Bewirtschaftung mehr stattfindet oder auch solche, in den Tümpel für Amphibien entstehen.

Informationen zum Stadtwald

Der Stadtwald wird laut Stadt-Homepage „durchaus mit Gewinnerzielungsabsicht, aber unter Beachtung der Grundsätze einer naturnahen Forstwirtschaft bewirtschaftet“. „Erholung“, „Naturschutz“, „Landschaftspflege“ und „Wasserwirtschaft“ werden speziell berücksichtigt. Der Holzverkauf läuft über die Waldbauernvereinigung Weilheim. 1990 sind durch den Sturm „Wiebke“ und folgenden Borkenkäferbefall rund 90 Hektar älterer Wälder zerstört worden. Danach wurde viel Laubwald aufgeforstet. 2017 wurde ein Wald-Ökokonto auf 70 Hektar erstellt – in dieser Größenordnung war Weilheim der erste kommunale Waldbesitzer in Südbayern. Die Baumarten (Stand 2017): Fichte (52%), Tanne (2%), Kiefer/Lärche (2%), Buche (23%), Edellaubholz wie Esche, Ahorn, Kirsche etc. (9%), Eiche (2%), sonstige Laubhölzer (10%). Pro Jahr werden ca. 3000 Festmeter Holz entnommen, wobei das Ziel ist, den Holzvorrat größer werden zu lassen.

Zu Schullers Aufgaben zählt auch der Umbau des Waldes. „Wir wollen immer mehr in Richtung Mischwald und gestuftem Wald“, sagt er. Um Wald zu verjüngen, müssen die Rehwildbestände „in einem waldfreundlichen Maß gehalten werden“, sagt der Förster. Auf 140 Hektar des Stadtwaldes (am Gögerl und am Feichtl südlich von Weilheim) übt er die Jagd selbst aus. Schuller betont: „Keiner will das Rehwild ausrotten.“ Jedoch fressen Rehe gerne Tannen, und die Tanne ist eine Art, welche die Fichte gut ersetzen kann. Klar ist auch: „Die eine Baumart der Zukunft gibt es in dem Sinne nicht.“

Stadtförster Schuller: Schwerpunkt ist Betreuung des Ökokontos

Schuller pflanzt unter anderem Buche, Tanne, Eiche, Erle, Ahorn, Elsbeere und Linde. Was das Wetter angeht, ist ein Trend zu erkennen: „Wir haben sehr viele Extreme am Start.“ Der Borkenkäfer ist derzeit im Stadtwald nicht das ganz große Problem, wirklich schlimm war es dem Förster zufolge 2016/2017. Er versuche, den Wald schön zu gestalten, sagt Schuller. Das widerspricht auch gar nicht dem Ziel, Erträge zu erzielen. Ein schöner Wald „ist oft auch wirtschaftlich interessant“.

Brennholz selbst machen: Die Stadt Weilheim bietet Bürgern an, selbst ihr Brennholz zu schneiden. Sie müssen eine fachliche Qualifikation (Motorsägenschein) vorweisen. Die zu fällenden Bäume werden vom Stadtförster ausgezeichnet. Es gibt einen Stamm an Teilnehmern, weitere Interessenten können sich bei der Stadt melden. Infos unter www.weilheim.de.

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