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Stadthalle Weilheim bleibt noch viel länger gesperrt als gedacht

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Von: Magnus Reitinger

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Der Blick in die Weilheimer Stadthalle zeigt die langen Holzträger der Dachkonstruktion, in denen „Risse und Delaminierungen im nicht zulässigen Bereich“ festgestellt wurden. 
Der Blick in die Weilheimer Stadthalle zeigt die langen Holzträger der Dachkonstruktion, in denen „Risse und Delaminierungen im nicht zulässigen Bereich“ festgestellt wurden.  © Stadt Weilheim

Die Weilheimer Stadthalle kann das komplette Jahr 2022 nicht genutzt werden. Schlechter Holzkleber, Risse in den Dachträgern und Mängel im Brandschutz machen eine aufwändige Sanierung notwendig. Was das Ganze kostet, ist noch nicht absehbar.

Weilheim – Es ist ein niederschmetternder Befund, den Matthias Schamper vom Schongauer Architekturbüro „Plan 3“ am gestrigen Mittwoch im Hauptausschuss des Weilheimer Stadtrates präsentierte: Bei den eingehenden Untersuchungen in den vergangenen Wochen wurden massive Schäden und Mängel in der Dachkonstruktion der Stadthalle festgestellt. Die bereits seit September gesperrte Halle müsse aus Sicherheitsgründen weiter geschlossen bleiben, nun beginne „ein aufwändiger und langwieriger Planungs- und Umsetzungsprozess“.

Müssen die Träger komplett ausgetauscht werden?

Ob die bestehenden Holzträger saniert werden können oder gar komplett ausgetauscht werden müssen, wird derzeit näher untersucht. Welche Kosten auf die Stadt zukommen, sei erst im Frühjahr 2022 abschätzbar. Und: Wegen der Änderungen in der Statik brauche es dann in jedem Fall eine Baugenehmigung. All das bedeutet: „Vor Ende nächsten Jahres ist die Stadthalle mit Sicherheit nicht nutzbar.“ So formuliert es Marco Schwentzek, Leiter des Sachgebiets „Liegenschaftsmanagement“ im Weilheimer Rathaus.

Nachdem im Sommer Risse in den Dachträgern der Stadthalle aufgefallen waren (wir berichteten), haben Sachverständige die Schäden nun genau kartiert. In den beiden Holzträgerpaaren – die jeweils zweimal 24 Zentimeter stark, 2,20 Meter hoch und fast 25 Meter lang sind – wurden „Risse und Delaminierungen im nicht zulässigen Bereich festgestellt“, wie Schwentzek am Dienstag bei einem ersten kurzen Bericht im Bauausschuss sagte. Risse bis zu vier Zentimetern wären tolerabel, tatsächlich gehen sie aber bis zu 15 Zentimeter tief, und auf zwei Metern Länge zeigten sich mitunter bis zu zehn Risse. Es bestehe die Gefahr, dass durchgehende Risse entstehen, was die Tragfähigkeit erheblich mindern würde. Dabei lasten auf jedem Trägerpaar rund 200 Tonnen.

Der verwendete Klebstoff wurde vor Jahren vom Markt genommen

Zudem ließen die Experten nach einer Bohrkernentnahme den verwendeten „Holzleim“ in einem Universitätslabor untersuchen. Ergebnis: Es handelt sich um Harnstoff-Formaldehyd-Klebstoff, der bei Temperaturschwankungen und Feuchte – wie sie etwa durch viele Besucher entsteht – problematisch ist. Dieser Klebstoff war zur Stadthallen-Bauzeit Mitte der 1980er Jahre durchaus üblich. Nach dem Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall wurde er laut Schamper jedoch um das Jahr 2007 vom Markt genommen.

Einbau von Stützen wäre keine Lösung

Neben diesen statisch-konstruktiven Problemen haben die Experten bei Begutachtung der Dachkonstruktion auch noch Mängel im Brandschutz festgestellt. So müssen obendrein einige dafür relevante Anschlüsse erneuert werden. Fest steht somit: Der Einbau von Stützen wäre für die Stadthalle keine Lösung. In den nächsten Wochen sollen weitere Untersuchungen klären, ob eine Erneuerung der bestehenden Holzträger (eine so genannte Insitu-Sanierung) möglich und ausreichend ist – oder ob die Träger und damit das gesamte Dach komplett ausgetauscht werden müssen. Parallel zu den laufenden Untersuchungen werde man in den kommenden Monaten „das Raumklima überwachen“, so Schamper.

Auch bei Schneelast keine Einsturzgefahr

Besteht derzeit gar Einsturzgefahr für Weilheims Stadthalle? Diese Frage verneint der Architekt. Auch Schnee auf dem Dach sei unkritisch, weil dessen Last angesichts des hohen Eigengewichts der Konstruktion „nahezu vernachlässigbar“ sei. Für Veranstaltungen könne die Halle im aktuellen Zustand jedoch keinesfalls freigegeben werden, das wäre zu riskant. Denn die damit verbundene Feuchte und Temperaturschwankungen könnten „zu plötzlichem Versagen“ der Träger führen, auf denen alle Last ruht.

Die Frage nach der Verantwortlichkeit

„Schlechte Nachrichten“ also, so fasste Bürgermeister Markus Loth (BfW) im Bauausschuss die Befunde zusammen. Gut sei allenfalls die Nachricht, „dass es wohl reparabel ist“. Ob für die Schäden eventuell „irgendwelche Verantwortlichkeiten“ bestünden, wollte Alfred Honisch (Grüne) mit Blick auf die Bau-Ausführung wissen. Laut den vorhandenen Unterlagen war die „damalige Statik“ wohl richtig, antwortete Schwentzek. Und auch Schamper sieht auf Nachfrage der Heimatzeitung bei keinem der damals Verantwortlichen Schuld – „zumal der Klebstoff ja zulässig war“.

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