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Stadthalle Weilheim bleibt bis 2024 gesperrt - Millionenkosten bereiten Kopfzerbrechen

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Von: Magnus Reitinger

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Die Weilheimer Stadthalle ist seit September 2021 geschlossen – wegen Mängeln in der Dachkonstruktion.
Die Weilheimer Stadthalle ist seit September 2021 geschlossen – wegen Mängeln in der Dachkonstruktion. © Ruder

Hiobsbotschaft für die Stadt Weilheim: Die Stadthalle kann wohl erst 2024 wieder geöffnet werden, die nötigen Sanierungsarbeiten sind weit umfangreicher als gedacht – und kosten rund vier Millionen Euro. Ob und wie das zu finanzieren ist, darüber muss sich der Stadtrat jetzt den Kopf zerbrechen.

Weilheim – Fast ein Dreivierteljahr ist Weilheims Stadthalle mittlerweile gesperrt, seit im Sommer 2021 statische Mängel an den Dachbindern festgestellt wurden. Wie es weitergeht, das muss der Stadtrat erst noch entscheiden. In der jüngsten Sitzung am Donnerstagabend kamen zunächst nur die Fakten auf den Tisch – und die sind ernüchternd: Die umfassenden Untersuchungen der vergangenen Monate bestätigen die ersten Befürchtungen und bescheinigen eine „maßgebliche Einschränkung der Standsicherheit im Bereich der Holzträger“. Die nötigen Sanierungsmaßnahmen summieren sich auf geschätzte Kosten von mindestens 3,8 Millionen Euro netto. Auch muss ein neuer Bauantrag gestellt werden, dessen Genehmigung sechs bis acht Monate dauern wird. Die eigentlichen Arbeiten könnten – wenn sie denn in Auftrag gegeben werden – Anfang 2023 beginnen und Ende 2023 abgeschlossen sein. So lange muss die Halle in jedem Fall gesperrt bleiben.

Das Hauptproblem sind heftige Risse in den Längsträgern der Decke.
Das Hauptproblem sind heftige Risse in den Längsträgern der Decke. © Stadt Weilheim

Die Untersuchungsergebnisse, die Matthias Schamper vom Schongauer Architekturbüro „Plan3“ nun dem Stadtrat präsentierte, trieben so manchem Mitglied Sorgenfalten in die Stirn. Demnach sind die tiefen, statisch relevanten Risse in den beiden Hauptbindern, die längs das Hallendach tragen (wir berichteten), das grundlegende, aber nicht das einzige Problem. Sieben Sanierungsvarianten haben die Fachleute für diese beiden Holzträger – die jeweils 45 Zentimeter stark, 2,20 Meter hoch und fast 25 Meter lang sind – untersucht. Dabei stellte sich die scheinbar einfachste Variante, nämlich eine Unterstützung der Hauptbinder mit zwei Pfeilern im Raum, als „äußerst schwierig umsetzbar und hochpreisig“ heraus. Zu teuer wäre es laut Schamper auch, die Binder auszuwechseln. Dafür müsste der komplette Dachstuhl ausgetauscht, ein Schutzdach vorgehalten und die Porenbetondecke gänzlich ausgebaut werden.

Erhebliche Nachbesserungen beim Brandschutz nötig

Die insgesamt wirtschaftlichste Lösung sei es, die beiden Hauptbinder beidseitig mit Stahlträgern zu verstärken, die dann die gesamte Statik tragen. Auch dafür muss freilich das Dach geöffnet werden. Und die neue Statik verlangt ein neues Baugenehmigungsverfahren – das wiederum erhebliche Nachbesserungen beim Brandschutz erforderlich macht. Wichtigste Punkte dafür: Es brauche eine Entrauchung im Saal, eine großflächige Brandüberwachung samt Sicherheitsbeleuchtung, zusätzliche Rettungswege aus den Foyers und dem Keller, und Türen sowie die Decke müssten auf eine höhere Feuerwiderstandsdauer ertüchtigt werden.

„Nebenbei“ zu einer besseren Akustik und Optik?

Weil für die Maßnahmen an den Holzträgern „die komplette Deckenakustik runter muss“, schlägt der Planer vor, in diesem Zuge auch die Akustik zu verbessern. Denn Messungen hätten bestätigt, was Musiker öfter beklagten: Dass die Akustik vor allem im hinteren Drittel der Halle schlecht sei. Dies könnte im Rahmen der Sanierung „zum nahezu gleichen Preis“ verbessert werden, sagte Schamper. Auch kleine optische Verbesserungen für mehr Helligkeit und einen „moderneren Raumeindruck“ der 1987 eröffneten Halle böten sich in diesem Zusammenhang an. Zudem gehörten die WCs erneuert, und die Solaranlage auf dem Dach – für die die bisherigen Verträge inzwischen ausliefen – gelte es zur Eigennutzung samt bedarfsgerechtem Stromspeicher umzubauen. Schließlich steht die Erneuerung der Dachdeckung und schadhafter Vordächer auf der Agenda; Letzteres könnte aber auch noch aufgeschoben werden, wie es hieß.

Die geschätzten Kosten von gut 3,8 Millionen Euro netto verteilen sich laut Schamper so: 39 Prozent statische Sanierung, 27 % Brandschutz, 20 % Aufdachdämmung (der einzige Posten, für den es Zuschuss gäbe), 7 % Unterhalt sowie 6 % Akustik und Modernisierung.

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Zwar ging es im Stadtrat am Donnerstag nur um Kenntnisnahme der Untersuchungsergebnisse. Das weitere Vorgehen soll zunächst in den Fraktionen beraten werden. Doch entspann sich neben sachlichen Nachfragen bereits eine rege Diskussion. Bei aller Bestürzung über die Kosten war der Tenor dabei eindeutig: Die Sanierung der Halle sei „unvermeidlich“. Gefordert wurde, auf einer eigenen Stadtrats-Klausur noch vor der Sommerpause die Priorisierung anstehender Großprojekte zu diskutieren – und bald über die Sanierung zu entscheiden.

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