Das Stadtmuseum Weilheim auf dem Marienplatz
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Ein marodes Schmuckstück, mitten in der Stadt: Das Stadtmuseum, dessen Sanierung vorerst auf Eis liegt.

Kritik von Künstlern

Stadtmuseum: „Eine Blamage für Weilheim“

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Die dringend nötige und seit Jahren geplante Sanierung des Weilheimer Stadtmuseums auf unbestimmte Zeit verschoben? Das wollen hiesige Kulturfreunde nicht länger hinnehmen. Für „Kunstforum“-Gründer Wolf Schindler ist die derzeitige Lage „eine Blamage für den Standort Weilheim“.

Weilheim – Seit gut zehn Jahren arbeiten Stadtverwaltung, Museumsleitung und „Förderverein Stadtmuseum“ intensiv an einer Neugestaltung und Renovierung des maroden Stadtmuseums im denkmalgeschützen Alten Rathaus auf dem Marienplatz. Ende 2019 präsentierte man bereits vielversprechende Entwürfe eines Architektenwettbewerbes. Doch bei der Haushaltssitzung im Mai 2020 wurde das stets als dringend beschworene Projekt auf „bessere Zeiten“ verschoben: Angesichts sinkender Einnahmen sieht der Stadtrat vorerst keinen Spielraum für diese Millionen-Investition. Diskutiert wurde in der öffentlichen Sitzung nicht darüber.

Nun scheint jedoch eine Debatte in Gang zu kommen. Wolf Schindler – der vor über 20 Jahren das „Kunstforum Weilheim“ initiierte, als Maler oft im Stadtmuseum ausgestellt hat und dem Beirat des Fördervereins angehört – nennt die Lage in einem offenen Brief ein „Desaster“. Überschrift seines Schreibens an Weilheims Bürgermeister und den Stadtrat: „Das Stadtmuseum Weilheim – Die Geschichte von fehlender Wertschätzung und Verfall“.

Wolf Schindler, Künstler und Beirat im „Förderverein Stadtmuseum Weilheim“: „Die derzeitige Lage, in die sich die Stadt manövriert hat, ist eine Blamage für den Standort Weilheim, den auch noch so viele Werbebroschüren nicht gutmachen können. Jedes Jahr Verzögerung macht alles noch teurer. Man fragt sich, wie das weitergehen soll.“

„Der Zerfall ist offenkundig“, moniert der 78-Jährige: „Jahrzehnte der Vernachlässigung sind seit Jahren sichtbar. Marode Fenster, keine angemessene Klimaanlage für die Werte aus mehreren hundert Jahren. Mit Styropor in den Fenstern als Dämm-Material. Besucher aus der Ferne können sich nur wundern.“ Schindler fordert den Stadtrat auf, Verantwortung für das historische Gebäude zu übernehmen und dem Museum mit seinem „überregional sehr beachteten Sammlungsbestand aus der Zeit einer blühenden Kunst in und um Weilheim“ den ihm gebührenden Wert beizumessen. Eine Stadt bestehe „nicht nur aus Gewerbe, Wirtschaftsbetrieben, Cafés, Verkehr und Wohnungen“, sondern brauche auch „einen geistigen Mittelpunkt“.

Die Vorsitzende des Kunstforums, Susanne Kohler, unterstützt Schindler in einem eigenen offenen Brief: „Dass Kunst und Kultur unverzichtbare geistige Grundnahrungsmittel sind und keine Sahnehäubchen, scheint man in Krisenzeiten schnell zu vergessen.“ Dabei brauche man gerade in so unsicheren Zeiten „eine klare Haltung und Vision, die uns eine Richtung aufzeigt, in die wir mehrheitlich gehen wollen“. Die Stadt könnte und sollte sich seiner Ressource „Kultur“ mehr bedienen, schreibt Kohler und regt einen „Runden Tisch zur Lage der Kultur in Weilheim“ an.

Susanne Kohler, 1. Vorsitzende des „Kunstforums Weilheim“: „Es ist offensichtlich, dass Kultur in dieser Stadt nicht wirklich ernst genommen wird, sie hat eine zu kleine Lobby und wird weitestgehend von ehrenamtlich agierenden Vereinen und privatem Engagement getragen, was sehr ehrenwert für die Engagierten ist, doch nicht für die Verantwortlichen in dieser Stadt.“ 

„Große Sorge“ äußert auch der „Förderverein Stadtmuseum“ in einem Brief an den Stadtrat. Das Gremium dürfe „die dringend nötige Neugestaltung des Stadtmuseums nicht aus den Augen verlieren“, denn seit vielen Jahren sei dieses „in einem für das Ansehen der Stadt unwürdigen und peinlichen Zustand“ – und nun drohe das „an prominentester Stelle“ gelegene Haus, eines der ältesten Baudenkmäler Weilheims, „weiter zu zerfallen“. Dabei sei ein modernes Museum „ein unverzichtbarer Bildungsort“. Auch kommerziell würde die Attraktivität der Innenstadt dadurch gesteigert.

Als 1. Vorsitzende des Fördervereins hat BfW-Stadträtin Ragnhild Thieler das Schreiben mitunterzeichnet, die Kulturreferentin der Stadt. Sie habe den Brief in der Juli-Sitzung (im nicht-öffentlichen Teil) den Ratskollegen vorgelegt und ihnen die „Notwendigkeit einer Sanierung nahegelegt“, so Thieler gegenüber unserer Zeitung. Man könne es „nicht hinnehmen, dass die Gelder gestrichen sind“. Die Position des Fördervereins will Thieler kommenden Mittwoch in einem Pressegespräch darlegen. Derweil habe der Bürgermeister für Oktober bereits ein Gespräch anberaumt, zu dem auch Kohler und Schindler eingeladen sind.

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