+
Lässiges Outfit, erstklassiger Jazz: Pianist Reiner Böhm und Saxofonist Johannes Enders spielten im Stadttheater Weilheim für das „Netz gegen sexuelle Gewalt“. 

Stadttheater Weilheim

In der Musik gefangen

Das Publikum feiert Saxofonist Enders und Pianist Böhm bei ihrem Konzert zugunsten des „Netzes gegen sexuelle Gewalt“.

Weilheim – Es ist das Konzert der leisen Töne großartigen, entspannten Jazz’. Es sind Stücke zu hören, die unter die Haut gehen, viele davon selbst komponiert von Pianist Reiner Böhm. Neben diesem steht Johannes Enders, Meister des Saxofons, am Samstagabend gechillt im lässigen Outfit auf der Bühne des Stadttheaters. Die beiden spielen für sich, das Publikum und insbesondere zugunsten des Vereins „Netz gegen sexuelle Gewalt“.

Die rund 70 Zuhörer sind meist älter. Aber auch ein Junge, vielleicht acht Jahre alt, sitzt ganz auf der Kante seines roten Sessels und lauscht gespannt den Klängen aus dem Bühnenraum. Während Böhm dem edlen „Steinway“ nicht minder edle Töne, Variationen, Rhythmen und klangliche Gedankengänge entlockt, entführt Enders mit smoothen Tönen in andere Sphären. Die Stücke halten die Zuschauer gefangen und geben gleichermaßen das Gefühl von Freiheit. Manche blicken gebannt auf die Bühne, andere haben die Augen geschlossen, ein anderer ist per Mobiltelefon in den sozialen Medien unterwegs, und wieder ein anderer bekommt nicht genug davon, einige Stücke auf Video aufzunehmen.

Ein Gefühl wie bei einem Sonnenuntergangs-Cocktail

Böhms Kompositionen habe meist keinen Titel, doch lässt sich eine Grundstimmung einfangen. So fühlt man sich bei einem Stück an einen Sonnenuntergang erinnert, bei dem man einen Sundowner-Cocktail in der Hand hält, während Böhm am Klavier in Tempi und Rhythmus zu versinken scheint und eins wird mit dem Flügel. Zwischendurch gibt es „zur Erholung etwas Schnelleres“, wie Enders feixt, und er entlässt mit brillantem Standard-Jazz die Zuhörer in die Pause.

In königsblauem Licht erwarten „Steinway“-Flügel und Technik die Besucher zurück. Doch nicht die Musiker betreten die Bühne, es ist Schauspieler Claus-Peter Damitz, der sich an die Zuhörer wendet und seine Bewunderung für das „Netz gegen sexuelle Gewalt“ ausspricht. „Unfassbar nötig“ nennt er die Arbeit zum Thema „Sexuelle Gewalt“ und macht auf eine Theaterproduktion aufmerksam, die bald in München zu sehen ist und auch in Weilheim am 2. und 3. Juni aufgeführt wird. „Gottes Last“ heißt das Stück, das beschreibt, wie in der Kirche mit der Thematik umgegangen wird.

Großartige Soli zweier großartiger Musiker

Das Stück konfrontiere die Zuschauer auf künstlerische Weise mit dem Thema, da nicht Täter und Opfer zusammentreffen, sondern der Gesprächsbedarf im Mittelpunkt steht. Und zum Gespräch seien auch die Schauspieler im Anschluss an die Aufführungen bereit.

Weiter geht es im Jazzkonzert mit großartigen Soli der beiden Musiker Enders und Böhm. Der etwa achtjährige Junge hängt inzwischen entspannt auf der Lehne des leeren Sitzes vor ihm, lauscht wie die anderen den sensitiven Tönen aus Enders’ Saxofon, um sich kurz darauf weiterhin fasziniert in seinen eigenen Sitz hineinfallen zu lassen.

Das Publikum feiert wenig später erneut ein langes Solo von Böhm bei einem Standard-Jazzstück, applaudiert begeistert Enders’ Kunst und lässt die Musiker erst nach einer weiteren Zugabe von der Bühne. 

Von Myrjam C. Trunk

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Penzberg wird zur Open-Air-Bücherei -  „Stadtlesen“ ist gestartet
Das Penzberger „StadtLesen“ läuft. Auf dem Startplatz war Eröffnung. 
Penzberg wird zur Open-Air-Bücherei -  „Stadtlesen“ ist gestartet
Am Herd mit Martin Zeil (FDP): Kochen, Klavier und Koalitionen
Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis …
Am Herd mit Martin Zeil (FDP): Kochen, Klavier und Koalitionen
Trauer um Richard Huber
Im Sommer wurde er bei der 70-Jahrfeier des SV Wessobrunn als Gründungsmitglied geehrt. Nun starb Richard Huber im Alter von 89 Jahren.
Trauer um Richard Huber
Die Hälfte des Himmels
Bis zum 10. Oktober ist an den Wänden im Erdgeschoss des Rathauses eine Ausstellung zu sehen, die sich mit dem schwierigen Thema „Gewalt gegen Frauen“ beschäftigt.
Die Hälfte des Himmels

Kommentare