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„Das wird zu teuer“: Stadtwerke nehmen derzeit keine Gas-Neukunden mehr an

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Das Thermostat herunterzudrehen, wird für die meisten Haushalte in der Region wohl in diesem Winter die einzige Möglichkeit sein, die Kostenexplosion bei den Gaspreisen zumindest etwas abzufedern. Gas-Umlage nur für die Importeure
Das Thermostat herunterzudrehen, wird für die meisten Haushalte in der Region wohl in diesem Winter die einzige Möglichkeit sein, die Kostenexplosion bei den Gaspreisen zumindest etwas abzufedern. Gas-Umlage nur für die Importeure © Markus BRandt/DPA

Erdgas wird teurer in diesem Herbst und Winter. Wie viel teurer, lässt sich auch Ende August nur schwer abschätzen. Die Stadtwerke Weilheim bieten deshalb derzeit keine neuen Gaslieferverträge mehr an. Geschäftsführer Peter Müller erklärt, warum.

Landkreis – Schaut man auf die Homepage der Stadtwerke Weilheim und klickt sich zum Themenbereich „Gas“, dann findet man nicht wie sonst mehrere Tarife zur Auswahl. Ganz im Gegenteil: „Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen aufgrund der historisch einzigartigen Marktsituation derzeit keine Gas-Produkte anbieten können“, steht dort geschrieben.

Die Stadtwerke schließen also derzeit keine neuen Verträge mit Gaskunden ab. Ein historisch sicher einmaliger Schritt. Und doch kein Einzelfall, wie Stadtwerke-Geschäftsführers Peter Müller betont. „Das betrifft derzeit viele andere Stadtwerke- und Versorgerkollegen auch“, meint Müller.

Gaspreis steigt seit Monaten unaufhörlich

Die Gründe liegen auf der Hand. Seit einem halben Jahr tobt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Seitdem wurden scharfe Sanktionen gegen Russland verhängt. Im Gegenzug drosselte Russland massiv die Gaslieferungen nach Deutschland. Die Folge: Der Gaspreis ging und geht durch die Decke.

Das ist auch ein Problem für die Stadtwerke Weilheim: „Wenn wir jetzt Verträge mit Neukunden abschließen würden, die noch 2022 beliefert werden wollen, müssten wir dafür Gas zu den aktuellen Marktpreisen nachkaufen – das wäre zu teuer.“

Neue Preise werden Mitte November bekanntgegeben

Das betrifft natürlich nicht die Bestandskunden der Stadtwerke. „Die Zahl der bestehenden Gaslieferverträge liegt im unteren vierstelligen Bereich“, erklärt Müller. Haushaltskunden haben eine Preisbindung von maximal einem Jahr, Gewerbe- und Industriekunden zwischen einem und drei Jahren. „Zur jeweiligen Menge der Verträge möchten wir aus Wettbewerbsgründen keine weiteren Angaben machen“, so der Geschäftsführer weiter. Die Stadtwerke kaufen und verkaufen dabei wie ein gewissenhafter Kaufmann, erklärt er.

Die Kosten der beschafften Mengen seien von den Erlösen der verkauften Mengen abgedeckt, insoweit sei keine Lücke vorhanden. Daher warte man jetzt auch ab, bis alle Preisbestandteile festliegen, bevor man „etwa Mitte November“ die Preise für 2023 bekannt gebe. „Dann nehmen wir ab dem 1. Januar 2023 auch wieder Neukunden auf“, verspricht Müller.

Gaspreis für 2023 liegt momentan bei 23 Cent pro Kilowattstunde - ohne Steuern und Abgaben

Gleichwohl: Billig wird das Vergnügen ganz sicher nicht. „Am Inlandsmarkt ist der Gaspreis für 2023 auf Stand heute rund 25 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Hinzu kommen noch alle Umlagen, Steuern, Abgaben, die Kosten für die Netznutzung und so weiter“, so Müller. Er beruhigt aber seine Kunden: „Wir haben uns schon vor Zeiten günstiger für 2023 und die folgenden Jahre eingedeckt.“ Von der Gasumlage, die derzeit heftig diskutiert wird und die zum 1. Oktober eingeführt werden soll, haben die Stadtwerke übrigens gar nichts: „Die Umlage erhalten die Gasimporteure. Wir reichen sie nur 1:1 an unsere Kunden durch, erhalten aber nichts aus diesem Topf“, so Müller weiter.

Wer also jetzt einen neuen Gasvertrag braucht, der muss sich gedulden und sicherheitshalber Geld beiseite legen. Allein die Gasumlage macht für ein durchschnittliches Einfamilienhaus leicht 600 Euro Zusatzkosten pro Jahr aus.

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