Stadtwerke wollen Stadtbus betreiben

Bald freie Fahrt im Elektrobus?

Die Stadtwerke haben im Verkehrsausschuss ein Konzept vorgestellt, wie sie sich in Zukunft die Betrieb des Stadtbusses in Weilheim vorstellen. Bereits 2020 könnte es soweit sein.

Weilheim – Der Tagesordnungspunkt las sich ganz nüchtern: „Verbesserung des Stadtbusnetzes in Weilheim“. Gleich vier Anträge waren gestellt worden, um das Angebot zu erweitern. Die ernüchternde Stellungnahme der Verwaltung hierzu: Lediglich die Gögerllinie, die derzeit nur montags, mittwochs und freitags verkehrt, biete noch Kapazitäten, was so auch RVO und Firma Oppenrieder bestätigt wird.

So wäre denkbar, in der verbleibenden Zeit dienstags, donnerstags und samstags eine Linie für das Au-Gebiet, Prälatenweg und Zugspitzstraße zu testen, bei der auch das Wohngebiet Geistbühel-/Schwaigerstraße eingebunden werden könnte. Ein entsprechender Testlauf über sechs Monate würde Kosten in Höhe von 25 000 Euro vor Abzug der Fahrpreiseinnahmen verursachen.

Für Anbindungen des Gewerbegebiets Trifthof, die Lichtenau und Tankenrain sieht die Verwaltung wegen der geringen Nachfrage keine Notwendigkeit, für Marnbach/Deutenhausen müssten neue Busse eingesetzt werden. Wielenbach hat bereits abgewunken, Polling wäre interessiert, will vor einer entsprechenden Beschlussfassung aber erst einen Kostenrahmen kennen.

Am Ende votierte der Verkehrsausschuss dafür, dass besagte Erweiterungen im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden sollen. Ganz anders könnte sich das alles aber ab 2020 darstellen. Denn die Stadtwerke Weilheim beabsichtigen, den Busverkehr ab dann zu übernehmen. Damit einher ginge die Modernisierung der Busflotte durch batteriebetriebene Niederflur-Midibusse und eine Optimierung der Linienführung, die SWE-Geschäftsführer Peter Müller dem Verkehrsausschuss präsentierte. In der Planung ist ferner eine Verdichtung des Fahrplans auf Halbstundentakt werktags und Stundentakt sonntags, eine Optimierung der Haltestellen und ein sogenannter „Rendevousplatz“.

Auch in puncto Finanzierung sind die Stadtwerke bereits sehr aktiv. So wurden verschiedene Zuschussmittel beantragt. Während ein entsprechender Antrag nach der Förderrichtlinie Elektromobilität vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt wurde, hofft man auf positiven Bescheid vom Bundesumweltministerium.

Hier wurden Fördermittel zur Anschaffung von Elektrobussen im ÖPNV beantragt, und da hierzu einer Anschaffung von mindestens sechs Fahrzeugen vorausgesetzt wurde, Weilheim aber nur fünf Busse benötigt, hat man sich mit den Stadtwerken Baden-Baden zur Kooperation entschlossen, da diese nur ein Fahrzeug brauchen.

Bis Ende Juni hofft Peter Müller auf Nachricht; dann könnte mit einem einmaligen Zuschuss von 2,5 Millionen Euro gerechnet werden. Auch vom Freistaat könnten einmalig 300 000 Euro für den Kauf von ÖPNV-Fahrzeugen abgerufen werden. Das Land würde zudem 50 000 Euro jährlich für die Stadtbus-Linie zuschießen. Die Stadt müsste die jährliche Zuzahlung von 270 000 auf 350 000 Euro erhöhen. Dann sei, wenn man die Fahrpreis- und Werbeeinnahmen von zusammen 115 000 Euro jährlich einrechnet, der „Stadtbus 2020“ finanzieren.

Abzuwarten ist allerdings noch die Gerichtsentscheidung über die Querverbundgewinne aus dem Betrieb des Strom- und Gasnetzes. Sollte dieses komplexe Finanzierungsmodell funktionieren, könnte die Stadt bereits 2019 den Stadtbusverkehr an die Stadtwerke vergeben und nach Erteilung der Linienkonzession zum 1. Januar 2020 der Stadtbus in der neuen Form mit gut doppelt so viel Personenkilometern wie bislang von den Stadtwerken angeboten werden.

„Und das dann zum Beispiel mit einer vierwöchigen kostenlosen Einführungsphase“, so Peter Müller zum Abschluss seiner Präsentation. Von Bianca Heigl

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