Erste Mess-Einrichtungen für das Projekt KARE haben Mitarbeiter eines begleitenden Ingenieurbüros auf einer Wiese in der Lichtenau aufgebaut.
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Erste Mess-Einrichtungen für das Projekt KARE haben Mitarbeiter eines begleitenden Ingenieurbüros auf einer Wiese in der Lichtenau aufgebaut.

Modellprojekt in Sachen Klimawandel

Starkregen-Forschung: Weilheim ist jetzt Pilotkommune

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Weilheim ist ab sofort Pilotkommune in Sachen „Klimawandel“: Das Bundesforschungsministerium lässt in der Kreisstadt modellhaft erarbeiten, wie Gemeinden mit den zunehmenden Starkniederschläge umgehen sollen und deren negative Folgen abmildern können.

  • Kommunen im Voralpenland sind im Zuge des Klimawandels besonders von Starkniederschlägen betroffen
  • Wie damit umzugehen ist, soll jetzt in einem bundesweiten Pilotprojekt erarbeitet werden
  • Die Stadt Weilheim ist dafür eine von zwei Pilotkommunen

Weilheim – Dass ausgerechnet im Oberland an diesem Thema geforscht wird, ist kein Zufall. „Gerade Kommunen im Voralpenland“, schreibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in einer Pressemitteilung, „sind auf Grund ihrer geografischen Lage besonders von Starkniederschlägen betroffen, die im Sommerhalbjahr Sturzfluten und im Winter extreme Schneelasten mit hohem Schadenspotenzial bewirken können“. Zugleich seien die hiesigen Städte mit einem enormen Wachstumsdruck konfrontiert, der mit zunehmender Versiegelung einhergeht. Daraus ergebe sich „für die Kommunen in dieser Region ein ansteigendes Risiko im Zusammenhang mit Starkniederschlägen und ein erheblicher Anpassungsbedarf“.

Für die Kommunen in dieser Region ergibt sich ein ansteigendes Risiko im Zusammenhang mit Starkniederschlägen.

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Deshalb wurden nun zwei Orte im Oberland als Pilotkommunen für das bundesweite Projekt KARE („Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene“) ausgewählt: Das am Fuße der Zugspitze gelegene Garmisch-Partenkirchen als „international bekannte Tourismusdestination“ sowie Weilheim als Stadt im Alpenvorland, die laut Ministerium „stärker von einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur geprägt ist“. Hier sollen „planungsrelevante Instrumente für das kommunale Risikomanagement und die Klimawandelanpassung“ entwickelt werden, die dann auch anderen Kommunen zur Verfügung stehen.

Spaziergänger werden um Vorsicht gebeten

Bürgermeister Markus Loth freut sich, dass Weilheim an diesem Projekt mitwirken darf und so „einen Beitrag zum Schutz der eigenen Bürger vor künftigen Starkregenereignissen leisten“ könne. Und er ist „stolz darauf, als Pilotkommune mit den gewonnenen Erkenntnissen anderen Gemeinden helfen zu können“. Im August wurde bereits eine erste Messstelle für Niederschläge aufgebaut – auf einem Grundstück in der Lichtenau, das die Eigentümer kostenlos zur Verfügung stellen. Weitere Messstellen folgen demnächst. Die Stadt bittet „alle Spaziergänger, die jeweiligen Grundstücke nicht zu betreten und nicht in die Nähe der Messeinrichtungen zu kommen“. Denn diese seien kalibriert, die Ergebnisse könnten sonst verfälscht werden.

Ziel ist ein „Sturzflutrisikomanagement 2.0“

Geleitet wird das auf drei Jahre angelegte Projekt – das die Stadt nichts kostet – von der Ludwig-Maximilians-Universität München, dabei ist auch die Energiewende Oberland. Die Forscher sollen neue Methoden für den Umgang mit Starkniederschlägen sowie daraus folgenden Hochwasser- oder Schneelastereignissen entwickeln und erproben, heißt es in einer Mitteilung des Forschungsministeriums. Aus „integrierten Risikoszenarien“ würden dann mit den Betroffenen in der Region mögliche Maßnahmenpakete zur Risikominderung untersucht. Dazu könnten zum Beispiel Anpassungen des Kanalsystems oder auch „oberirdische bauliche Schutz-, Leit- und Rückhalteanlagen“ zählen. Konkret soll das Projekt KARE einen Leitfaden „Sturzflutrisikomanagement für Kommunen 2.0“ sowie „praxisorientierte Medien- und Bildungsformate“ entwickeln, die Kommunen bei der Etablierung eines „Starkniederschlagsrisikomanagements“ unterstützen.

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