Helmut Hornung spricht im Interview über Sternschnuppen

"Alle zwei, drei Minuten eine Schnuppe"

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Weilheim/Landkreis – In der Nacht auf Freitag, 12. August sollen besonders viele Sternschnuppen zu sehen sein. Ein Gespräch mit Helmut Hornung, Autor mit dem Spezialgebiet Astronomie: 

Das Sternschnuppenschauen übt nicht nur auf romantische Menschen einen besonderen Zauber aus. Was sie dabei sehen, beeinflusst vor allem ihre Gefühle. Astronomen dagegen sehen das Himmelschauspiel mit dem strengen Blick des Wissenschaftlers. Der Weilheimer Helmut Hornung, Buchautor und Chefredakteur des Magazins „MaxPlanckForschung“, erklärt, was es mit den Perseiden auf sich hat und wie sie am besten zu beobachten sind.

Helmut Hornungerklärt das Leuchten am Nachthimmel.  

Wann ist die beste Beobachtungszeit?

Das Maximum der Perseiden erwarten wir für die Nacht von Donnerstag auf Freitag, 12. August. Leider erhellt der Mond in den ersten Stunden den Himmel. Daher liegt die beste Beobachtungszeit bei uns zwischen Mitternacht und der Morgendämmerung. Wenn es das Wetter zulässt, sollte man auch noch in der folgenden Nacht zum Himmel schauen, da kann es ähnlich viele Sternschnuppen geben. Allerdings geht der Mond dann ungefähr eine Stunde später unter, also erst gegen 1.15 Uhr.

Wie viele Sternschnuppen werden sich zeigen?

Die Voraussage ist schwierig. Alle Experten gehen aber davon aus, dass es heuer mehr sind als sonst. Das liegt am Planeten Jupiter. Dessen Schwerkraft hat die vom Kometen Swift-Tuttle freigesetzten Staubbrösel vor einiger Zeit in Richtung Erdbahn bugsiert. Pro Stunde könnten an die 160 Meteore aufleuchten.

Kann man die alle sehen?

Nein, die Zahl bezieht sich auf die Fallrate am gesamten Firmament. Ein einzelner Beobachter hat aber keinen Fisheye-Blick und nimmt nur einen begrenzten Himmelsausschnitt wahr. Ich würde schätzen, dass man bei optimalen Bedingungen alle zwei, drei Minuten eine Schnuppe beobachten wird.

Wie sehen diese optimalen Bedingungen aus?

Wichtig ist natürlich ein klarer, wolkenfreier Himmel. Allerdings fällt die Vorhersage für unsere Gegend nicht allzu günstig aus. Außerdem sollte man einen möglichst dunklen Platz ohne Streulicht aufsuchen. Also raus aus Weilheim. Warme Kleidung und eine Liege erhöhen den Komfort beim Beobachten.

Nutzt ein Fernglas?

Nein, ein optisches Gerät zeigt einen viel zu kleinen Ausschnitt. Das beste Instrument für die Beobachtung der Perseiden ist das bloße Auge. Das sollte man jedoch zunächst etwa eine halbe Stunde an die Dunkelheit gewöhnen.

Was sehen wir eigentlich, wenn eine Sternschnuppe aufleuchtet?

Hinter den Perseiden verbergen sich Staubteilchen, meist von der Größe eines Stecknadelkopfes. Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200.000 Kilometern pro Stunde rasen sie in die Erdatmosphäre. Dort treffen sie in einer Höhe zwischen 100 und 80 Kilometern auf Luftmoleküle. Durch die Reibung und die hohen Temperaturen bildet sich hinter dem Staubpartikel ein so genannter Plasmakanal. In ihm haben die Atome der Luft einige Elektronen aus ihrer Hülle verloren. Die Elektronen bleiben aber nicht lange allein, sie vereinigen sich nach kurzer Zeit wieder mit den Atomkernen. Bei dieser Rekombination wird Licht freigesetzt – eine Sternschnuppe leuchtet auf.  

Rubriklistenbild: © dpa

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