Ein 44-Jähriger steht wegen sexuellen Missbrauchs in München vor Gericht.
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Ein 44-Jähriger steht wegen sexuellen Missbrauchs in München vor Gericht.

Verhandlung am Landgericht München II

Stieftochter (12) sexuell missbraucht

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Kann sich ein 44-jähriger Mann in ein 12-jähriges Mädchen verlieben und ein sexuelles Verhältnis mit ihm haben? So soll es von Februar bis Oktober 2020 in einem Dorf nahe Weilheim passiert sein. Jetzt steht der Mann vor dem Landgericht München II.

Weilheim – Für den Mann war es erfüllte Liebe, für das Mädchen eine Vergewaltigung – sie wünschte ihm zehn Jahre Knast an den Hals. Der Mann befindet sich seit neun Monaten in Untersuchungshaft.

Was er beschrieb, klang wie eine wunderbare Romanze. Demnach hatte sich das Mädchen besonders an ihn geschmiegt, als er in die Familie ihrer Mutter kam. Es suchte seine Nähe, umarmte ihn und schmuste mit ihm. Der Angeklagte genoss die Zärtlichkeiten.

Im März kam es zum ersten Geschlechtsverkehr. Mal lag er mit der mittlerweile 13-Jährigen auf der Couch, mal fand der Akt am oder im Auto statt. In den Pfingstferien erwischte die Mutter die beiden. Danach machten sie erst einmal Pause. Der 44-Jährige erbat sich Nacktbilder von seiner Stieftochter, die er auch bekam.

Nach einer Schamfrist gingen die Übergriffe weiter. Denn die Liebesbeziehung hatte wohl nur er sich eingebildet. Angeblich konnte er den Ansprüchen seiner Frau nicht genügen. Schon in seiner ersten Ehe hatte Sex eine untergeordnete Rolle gespielt. Irgendwann hielt die Jugendliche sein Handeln nicht mehr aus. Die Taten kamen ans Tageslicht. Der Stiefvater ging zur Polizei und zeigte sich selber an.

Dass sein Opfer sich voller Hass gegen ihn aussprach, vermochte er nicht zu verstehen. „Da gibt es eine Diskrepanz der Wahrnehmung“, reagierte der Staatsanwalt. Demnach glaube der 44-Jährige, auf eine verführerische Lolita getroffen und derjenige gewesen zu sein, der mitgemacht hätte, führte der Staatsanwalt weiter aus. Doch tatsächlich sei er nicht das Opfer eines 12-jährigen Püppchens geworden.

„Ich war der Meinung, ich hätte das Mädchen geliebt und es mich auch“, erwiderte der Angeklagte: „Doch was ich getan habe, war moralisch verwerflich.“ Die Vorsitzende Richterin Regina Holstein sprach ihm intensiv ins Gewissen. Ob es möglicherweise mit seiner ein Jahr jüngeren Tochter auch etwas gegeben hätte? Der 44-Jährige verneinte vehement diesen Verdacht. Allerdings hatte die Tochter die Richterin angeschrieben und gebeten, nicht als Zeugin aussagen zu müssen, weil sie Angst habe, vor Gericht ihren Vater sehen zu müssen. Die Videovernehmung des Opfers soll beim nächsten Prozesstag vorgespielt werden.

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