1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Wer hat die richtigen Zahlen zur Verkehrsentlastung?

Erstellt:

Von: Magnus Reitinger

Kommentare

null
Die Weilheimer Ortsdurchfahrt der B2 – bei der Rathaus-Ampel. © Ruder

Wie hoch ist der Anteil des Durchgangsverkehrs in Weilheim? Und wie hoch wäre eine Entlastung durch eine Umfahrung?Teils ist von zwölf Prozent Durchgangsverkehr die Rede, das Staatliche Bauamt spricht hingegen von 34 Prozent. Doch was steht wirklich im Verkehrsgutachten, auf das sich alle beziehen?

Weilheim – So unterschiedlich die Zahlen sind: Beide finden sich in der „Verkehrsuntersuchung Entlastung Weilheim“, die der Münchner Verkehrsplaner Professor Harald Kurzak 2017 im Auftrag des Staatlichen Bauamts Weilheim erstellt hat. Und beide beziehen sich tatsächlich auf den Durchgangsverkehr.

Die Belastung

12 Prozent ist der Anteil des Durchgangsverkehrs an sämtlichen Autofahrten in Weilheim. Kurzak ermittelte für den bebauten Bereich der Stadt Weilheim im Jahr 2017 eine Verkehrsbelastung von insgesamt 105 000 Kfz-Fahrten pro Tag: 39 000 davon (37 Prozent) sind Binnenverkehr, also Autofahrten von Weilheimern innerhalb Weilheims. 53 200 davon (51 Prozent) sind so genannter Quell- und Zielverkehr, also Fahrten von Weilheimern nach auswärts und wieder zurück sowie Fahrten von Nicht-Weilheimern nach Weilheim, etwa zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Behörden. Und 12 800 davon (12 Prozent) sind Durchgangsverkehr – der sich laut Gutachter „auf wenige Straßen konzentriert“.
 34 Prozent  ist der Anteil des Durchgangsverkehrs am so genannten „Außenkordon“ von Weilheim. Diese Zahl wurde an den Ein- und Ausfallsstraßen am Stadtrand ermittelt – wo kein Binnenverkehr zu Buche schlägt. Dafür gab es folgende fünf Zählstellen: an der Bahnunterführung der B2 beim Dietlhofer See (Anteil des Durchgangsverkehrs: 40 Prozent); an der Deutenhausener Straße/Stadtrand (33 Prozent); an der B2 nördlich der Südspange (34 Prozent); an der Staatsstraße von/nach Peißenberg, nördlich der Südspange (27 Prozent); und an der Staatsstraße von/nach Tankenrain (37 Prozent). Die oft zitierten 34 Prozent sind der Durchschnitt dieser Werte am Stadtrand. Für den innerörtlichen Bereich der Ein- und Ausfallstraßen ergeben sich jedoch niedrigere Durchgangsverkehrsquoten – denn dort herrscht ja auch erheblicher Binnenverkehr.

Die Entlastung

Deutlich zu unterscheiden von den Zahlen zur Verkehrsbelastung sind die Zahlen einer möglichen Entlastung. Bezüglich der Entlastung hat der Gutachter eine Prognose für das Jahr 2035 erstellt. Dafür wurde eine Zunahme des Autoverkehrs gemäß der Entwicklung der vergangenen Jahre angenommen. Auch eine Zunahme der Weilheimer Bevölkerung um knapp 2000 Einwohner ist einkalkuliert, berücksichtigt sind zudem neue Gewerbegebiete (etwa „Achalaich“) und Schulen. Gegenüber den derzeit insgesamt 105 000 Kfz-Fahrten pro Tag in Weilheim geht das Gutachten für das Jahr 2035 von 118 600 Fahrten aus.

Laut Kurzaks Berechnungen für das Jahr 2035 ergäbe sich auf den Hauptverkehrsstraßen und wichtigsten Verbindungsstraßen in Weilheim durch eine Umgehungsstraße insgesamt folgende Entlastungswirkung: 15 Prozent durch einen langen Tunnel, 20 Prozent durch eine Westumfahrung, 21 Prozent durch eine Ostumfahrung. Direkt auf den Hauptdurchgangsstraßen gäbe es laut Gutachter teilweise etwas höhere Entlastungen: auf der B2 zwischen 26 und 29 Prozent, auf dem Straßenzug Münchener Straße-Pollinger Straße zwischen 12 und 25 Prozent. Allerdings flossen in diese Zahlen auch die hohen, fürs Zentrum nicht relevanten Werte von den Stadträndern ein.

Welche Umfahrungsvariante auf welcher Straße welche Entlastung verspricht, das lässt sich aus den Hochrechnungen exakt herauslesen (wobei eine übersichtliche Gegenüberstellung im Gutachten selbst jedoch fehlt). Am höchsten wäre die Entlastung demnach auf der B2 südlich der Waisenhausstraße: Gegenüber einer „Nulllösung“ gäbe es durch eine Westumfahrung hier 36 Prozent Entlastung, durch eine Ostumfahrung 42 Prozent, durch einen Tunnel 39 Prozent – so die Prognose. Doch an der B2 auf Höhe Rathausplatz läge die Entlastung nur zwischen 16 und 20 Prozent: Das heißt, von 24 800 Autos täglich, die dort für das Jahr 2035 prognostiziert sind (heutiger Wert: 22 600 Autos) wären auch mit einer Umfahrung oder einem langen Tunnel immer noch zwischen 20 000 und 21 000 da.

Für die Pollinger Straße (im Abschnitt südlich der Waisenhausstraße) liegen die Entlastungsquoten laut Prognose des Gutachtens zwischen 3 und 18 Prozent, für die Münchener Straße (Höhe Bahnhof) um die 17 Prozent. In der Oberen Stadt brächte eine Ostumfahrung laut Kurzak-Prognose ebenfalls rund 17 Prozent Entlastung; mit einer Westumfahrung oder einem langen Tunnel gäbe es dort sogar zusätzlichen Verkehr.

Wichtig ist: Diese Entlastungsquoten beziehen sich nicht auf die heutige Verkehrsmenge. Vergleichsbasis ist die angenommene, höhere Verkehrsmenge im Jahr 2035 – und zwar für den Fall einer „Nulllösung“ (also ohne zusätzliche Straße). Im Vergleich zur heutigen Verkehrsbelastung würde eine Umfahrung im Jahr 2035 – wenn der Verkehr so anwächst wie prognostiziert – wohl nur Entlastungen im einstelligen Prozentbereich bedeuten.

Die Sondersitzung

des Stadtrates, bei der das Staatliche Bauamt „Zahlen, Daten und Fakten der fünf Varianten für eine mögliche Entlastungsstraße Weilheim“ vorstellt, beginnt am Dienstag, 9. April, um 19 Uhr in der Stadthalle. Die Sitzung ist öffentlich.

Auch interessant

Kommentare