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Schon jetzt: Lange Warteschlangen vor Teststationen - Was Betreiber ab Mittwoch befürchten

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Die Schlangen an der Teststation auf dem Weilheimer Volksfestplatz werden immer länger.
Die Schlangen an der Teststation auf dem Weilheimer Volksfestplatz werden immer länger. © Ruder/Archiv

Wenn ab Mittwoch 3G am Arbeitsplatz gilt, könnte das die aktuellen Test-Stationen im Landkreis an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Schon jetzt müssen Interessierte zum Teil lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Landkreis – Bereits zwei Tage, bevor am Arbeitsplatz die tägliche 3G-Regel gilt: Stundenlanges Warten an der Corona-Teststation des Landkreises auf dem Weilheimer Volksfestplatz. Wo soll das also hinführen, wenn Beschäftigte ab Mittwoch vor Betreten ihrer Arbeitsstätte nachweisen müssen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind?

Der Grund für die Autoschlangen auf dem Volksfestplatz in Weilheim: Hier stehen Bürger mit Termin neben welchen ohne Termin. Die Schnelltests sind dabei aber nicht das Problem. „Beim PCR-Test müssen wir erst mal fragen, ob der Getestete alle Bedingungen für einen kostenlosen Test mitbringt“, erklärt Dr. Wilhelm Fischer, der das Testzentrum hier koordiniert.

Diese Frage wiederum kann nur in der engen Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt geklärt werden – der Amtsmitarbeiter sitzt im Container und muss alle Daten der PCR-Test-Person klären. Ein Quarantäne-Freitester? Ein positiv Schnell-Getesteter, der eine PCR-Bestätigung braucht? Oder eine Kontaktperson, die vielleicht noch gar nicht beim Amt gemeldet ist?

Vor allem die Anzahl der Schnelltests dürfte ab Mittwoch deutlich steigen

Bis alle Fragen geklärt sind, kann das dauern. Geduld ist gefragt, vor allem bei den Wartenden. Wenn erst ab Mittwoch 3G kommt, „dann wird das alles gar nicht so leicht“, sagt Fischer mit Blick auf die Zahlen vom gestrigen Montag. 180 Tests wurden alleine in Weilheim bis mittags durchgeführt. Davon 120 PCR-Test und 60 Schnell-Tests. Vor allem die Anzahl letzterer dürfte am ab Mittwoch deutlich steigen. Fischer: „Ich befürchte Schlimmes, wir werden rudern, aber auch das irgendwie in den Griff bekommen.“

Warteschlangen gibt es auch beim Test-Zentrum in Oderding, einer von nur zwei Anlaufstellen im gesamten Landkreis, wo auch an den Wochenenden getestet wird. Bereits jetzt ist das Testaufkommen deutlich erhöht, räumt Nina Hasenbalg-Glas ein. Die Apothekerin betreibt das Test-Zentrum zusammen mit einem Kompagnon. Ein Glücksfall für den Landkreis – laut neuer Testverordnung wäre die Einrichtung eines solchen Zentrums nicht mehr möglich.

Beschaffungs-Problematik: Tests inzwischen teurer und schwieriger zu bekommen

Schon jetzt ist Oderding eine wichtige Anlaufstelle. Hier kommt vieles zusammen: Freitestungen, Pflegeheim-Besucher – und ab Mittwoch noch 3G am Arbeitsplatz. „Das wird gar nicht so leicht“, räumt Hasenbalg-Glas ein. Die Personaldecke ist dünn. Hinzu kommt: Die Tests sind inzwischen nicht mehr so leicht zu beschaffen und längst teurer geworden.

Die Beschaffungs-Problematik bestätigt auch Dr. Philipp Kircher, Apotheken-Sprecher im Landkreis Weilheim-Schongau. „Es ist schwieriger, an Tests zu kommen als noch vor kurzem.“ Er selbst betreibt beim ehemaligen „Ruprich“ in Peißenberg ein Test-Zentrum und ist gespannt auf die Entwicklung ab Mittwoch. „Wenn die Nachfrage massiv steigen sollte, wird’s kritisch.“ Eine Problematik, die er dann auch flächendeckend auf Test-Stationen und testwillige Bürger zukommen sieht.

Verdopple sich die Probandenzahl, dann könne er das aufgrund der Größe der „Ruprich“-Teststation noch stemmen, eine zweite Spur einzurichten, wo Menschen sich anstellen und dann testen lassen können. Explodieren die Zahlen jedoch, dann sieht Kircher schwarz. „Wir appellieren schon jetzt an die Geduld der Leute.“ Schließlich stemmen Apotheker wie er ein solches Test-Angebot quasi nebenbei.

Keine neuen BRK-Test-Zentren geplant

Hans Eberl indes, Kreisgeschäftsführer des BRK Weilheim-Schongau, erklärt auf Anfrage der Heimatzeitung: Aktuell gäbe es keine Pläne, erneut Test-Zentren zu eröffnen, wie es das BRK zu Beginn dieses Jahres getan hatte. „Die ganzen Ressourcen sind längst eingestellt“, sagt Eberl.

Will heißen: Die Logistik ist eingestampft, das Personal andernorts im Einsatz, keine Räumlichkeiten angemietet. Auch eine Anbindung an die App, über die alle Daten eingespeist werden müssen, gebe es nicht, so Eberl. „Innerhalb von einer Nacht ist wieder alles anders und dann sollen wieder alle Gewehr bei Fuß stehen und alles innerhalb von acht Stunden funktionieren“, kritisiert Eberl. Immerhin sei er angesichts der derzeit angespannten Corona-Sitaution schon täglich damit beschäftigt, seinen aktuellen Betrieb irgendwie am Laufen zu halten.

Angesichts des Bedarfs: Ausbau von Test-Kapazitäten im Landkreis notwendig

Damit das auch für andere Betriebe funktioniert, müssten die Test-Kapazitäten im Landkreis ausgebaut werden. Vor allem im Bereich Weilheim sieht Apothekerin Nina Hasenbalg-Glas deutlichen Mehr-Bedarf. Eine Übersicht über alle bestehenden Test-Stationen gibt es auf der Homepage des Landkreises Weilheim-Schongau, unter anderem noch in Eberfing und Bernried.

In Penzberg gibt es, seit die Johanniter ihre Teststation am 13. November in der Stadthalle geschlossen haben, nur noch eine Teststelle: die Zahnarzt- und Kiefernorthopädie-Praxis „Dres. Weinert & Kollegen“ im ehemaligen „Postamt“. Auf der Homepage gibt es auch einen Link zu allen Apotheken, die Tests anbieten – da auf den Hinweis „Covid-Schnelltest“ achten.

Übrigens: In Anspruch genommen werden können für den Nachweis am Arbeitsplatz die kostenfreien Bürgertests oder Testangebote des Arbeitgebers. Ungeimpfte müssen im Zweifel selbst für Testnachweise an allen Arbeitstagen sorgen. Stellt der Arbeitgeber lediglich Selbsttests zur Eigenanwendung zur Verfügung, die nicht unter Aufsicht durchgeführt werden, ist dies kein zertifizierter Nachweis.

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