Vier Frauen und ein Mann stehen vor einem Schild der Schwangerschaftsberatung
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Berufstätige Frauen suchen bei ihnen genauso Rat wie Azubis, Studentinnen und Hausfrauen: bei den Schwangerenberatern (v.l.) Anika Schmidt, Ronald Weber, Christina Huber, Susanne Nabholz und Petra Regauer. Einer aus ihrer Sicht „verunsichernden Flut an Informationen im Internet“ setzen sie individuelle Beratung entgegen.

Hilfe für werdende Mütter

Suche nach Hebamme soll leichter werden

  • Stephanie Uehlein
    VonStephanie Uehlein
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Weil die Geburtsstation am Krankenhaus Weilheim geschlossen wurde, hat sich die Versorgung werdender Mütter im Landkreis laut Schwangerenberatung des Gesundheitsamtes „deutlich verschlechtert“. Mit einer neuen Halbtagsstelle – einer „Hebammenkoordination“ – soll nun sowohl Schwangeren als auch freiberuflichen Hebammen geholfen werden.

  • Nicht immer ist es einfach, eine passende Hebamme zu finden
  • Vor allem, weil die Geburtsstation im Weilheimer Krankenhaus geschlossen wurde, hat sich die Situation verschlechtert
  • Eine „Hebammenkoordination“ soll nun helfen

Landkreis – Im günstigsten Fall könnten Frauen aus dem Landkreis, die ein Kind erwarten, künftig im Internet nachschauen, welche Hebamme ihnen bei Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und Babypflege zur Seite stehen kann. Das sagte Sachgebietsleiterin Petra Regauer bei einem Termin im Gesundheitsamt in Weilheim über die geplante „Hebammenkoordination“. Bei dem Pressegespräch wurde der Tätigkeitsbericht 2019 der Schwangerenberatung – der „Staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen“ – vorgestellt.

Kein Arzt für Schwangerschaftsabbrüche im Landkreis mehr

Die „Hebammenkoordination“ des Gesundheitsamtes soll frühestens ab 1. September für Verbesserungen – etwa bei der Suche nach einer Hebamme – sorgen. Aktuell müssen Schwangere, wie bei der Pressekonferenz deutlich wurde, noch damit rechnen, sogar von einer ganzen Reihe von freiberuflichen Hebammen abgewiesen zu werden. Diesen fehlten die Kolleginnen aus dem Krankenhaus Weilheim als Vertretung (etwa für die Urlaubszeit). Die Freiberuflerinnen nähmen daher weniger Frauen unter ihre Fittiche als früher.

Ein ganz anderes Problem, das die Schwangerenberatung beschäftigt, ist, dass es im Landkreis keinen Arzt für Schwangerschaftsabbrüche mehr gibt. Dies habe „große Auswirkungen“, so Beratungsstellenleiterin Susanne Nabholz. Der Gynäkologe aus dem Landkreis, der solche Eingriffe viele Jahre lang vorgenommen hatte, trat in den Ruhestand. Danach gab es nur für kurze Zeit eine Nachfolgerin, die in begrenztem Umfang Abtreibungen durchführte.

Ärzte haben Angst vor Anfeindung bei Schwangerschaftsabbrüchen

Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch planen, müssen für diesen jetzt weiter fahren als früher, etwa nach München. Der damit verbundene Aufwand stellt laut Schwangerenberatung – gerade, wenn der Eingriff geheim gehalten werden soll – für manche Frau ein großes Problem dar. Zwei Betroffene hätten deshalb 2019 auf die von ihnen gewünschte Abtreibung verzichten müssen. Wenn Ärzte solche Eingriffe nicht vornehmen möchten, liegt das laut Schwangerenberatung eventuell daran, dass sie damit rechnen müssten, stark angefeindet zu werden.

456 Beratungen führte die Anlaufstelle des Gesundheitsamtes 2019 durch (sieben mehr als 2018). Davon waren 142 Schwangerschaftskonfliktberatungen. Die Gründe dafür, dass Frauen bzw. Familien einen Schwangerschaftsabbruch erwägen, sind vielfältig. Bei rund 60 Prozent der 111 entsprechenden Erstberatungen wurden als Grund psychische und/oder physische Überforderung angegeben, bei etwa 43 Prozent berufliche Probleme oder eine Gefährdung der Ausbildung und bei rund 41 Prozent Schwierigkeiten in der Partnerbeziehung.

Nach Beratung: Frauen entscheiden sich gegen Abtreibung und für Kind

„Bei einem großen Teil der Konfliktberatungen ist es schwieriger geworden, den Schutz des Ungeborenen zu vermitteln“, heißt es im Tätigkeitsbericht der Beratungsstelle. „Trotzdem gelingt es in den meisten Beratungsgesprächen, den Frauen die Bedeutung bewusst zu machen.“ Und diese seien bereit, sich verschiedene Lösungsmöglichkeiten anzuschauen. Beim Pressegespräch wurde bestätigt, dass es Frauen gibt, die sich infolge der Beratung gegen eine Abtreibung und somit für das Kind entscheiden.

Über die allgemeine Schwangerschaftsberatung, bei der es etwa um finanzielle und rechtliche Themen geht, sagte Ansprechpartnerin Anika Schmidt: „Die Beratungen werden intensiver und aufwändiger.“ Befristete Arbeitsverträge stellten für werdende Mütter genauso ein Problem dar wie das Leben an der Armutsgrenze und nicht ausreichende Kinderbetreuungszeiten. Die Politik sei gefordert. Es gelte etwa, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Kontakt

zur Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, die auch Berechtigungsscheine für Schwangerschaftsabbrüche ausstellt: Telefon 0881/681-1609 (Terminvergabe). Sprechstunden gibt es nicht nur in Weilheim (Eisenkramergasse), sondern auch – durch Ronald Weber – fast jeden Dienstag in Schongau. Durch Kooperationen der Beratungsstelle mit der „Landesstiftung für Mutter und Kind“ und mit dem Verein „Kinderglück“ können finanzielle und materielle Hilfen organisiert werden.

Mittwochs wirds im Krankenhaus kreativ: Mitarbeiter von sämtlichen Stationen treffen sich, um kurze Videos für die Internet-Plattform TikTok zu drehen. 

Der neue Eingang am Weilheimer Krankenhaus wurde feierlich eingeweiht. Damit ist die millionenschwere Sanierung abgeschlossen.

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