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Thomas Baschab ist Mentaltrainer von Sven Ulreich.

Weilheimer coacht Bayern-Keeper

Das ist Sven Ulreichs Mentaltrainer - und das hat er ihm direkt nach seinem CL-Patzer gesagt

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Auch er hat am Dienstag gelitten, als Real Madrid das 2:1 gelang: Der Weilheimer Thomas Baschab (57), der als Mentaltrainer Bayern-Keeper Sven Ulreich betreut. Im Interview verrät er, was er ihm nach seinem Fehler geraten hat.

Weilheim – Thomas Baschab (57) betreut die großen Sportstars, war der Mentaltrainer von Olympiasiegern, Bundesliga-Stars. Zu den Schützlingen des Weilheimers gehört auch Sven Ulreich. Mit dem Keeper des FC Bayern, der am Dienstag in Madrid vor Reals 2:1 so folgenschwer patzte, hat Baschab mitgelitten, ihn direkt nach der Partie kontaktiert. Was er Ulreich geraten hat, und wie Amateure mit einer vergleichbaren Situation umgehen sollten, verrät er im Interview.

Was haben Sie gedacht, als Sie den Patzer von Sven Ulreich gesehen haben?

Wenn man einen Spieler über einen längeren Zeitraum coacht, fühlt man natürlich mit. Das war bei mir auch so. Ich habe ja auch sofort erkannt, was das für ein Schnitzer war. Deshalb habe ich mich gleich nach dem Spiel mit ihm in Verbindung gesetzt.

„Er muss das Ding annehmen“

Welchen Rat als Mentaltrainer hatten Sie für Sven Ulreich?

Er muss das Ding annehmen. Man kann es ja nicht wegreden. Jeder Versuch der Verdrängung würde es auch noch schlimmer machen. Den Fehler annehmen, ihn verarbeiten – und dann zu seiner alten Kraft zurückfinden. Es ist doch so: Wenn man nicht die Bereitschaft hat, solche Fehler mal zu akzeptieren, dann darf man sich nicht ins Tor stellen.

Sondern muss als Stürmer auflaufen.

Richtig. Ein Angreifer kann 89 Minuten wie Falschgeld über den Platz laufen, dann ein Tor erzielen und ist der Held. Als Torhüter kann man 89 Minuten Weltklasse spielen, leistet sich dann einen Schnitzer und ist der Depp. Torhüter oder auch Verteidiger sind deshalb mental in einer viel schwierigeren Situation. Aber wenn man das nicht hinnehmen kann, kann man die Positionen nicht spielen.

„Sven tut es unglaublich leid“

Der Tag danach: Die Zeitungen, die sozialen Medien sind voll, der Patzer in aller Munde. Wie geht man damit um?

Man muss sich sammeln, darf den Medien nicht so viel Aufmerksamkeit schenken. Man darf aber auch nicht um den heißen Brei rumreden. Der Fehler ist passiert. Sven tut es unglaublich leid. Er leidet am meisten darunter. Aber irgendwann muss es weitergehen. Man muss zu alter Kraft zurück- und das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten wiederfinden. Sonst wird man unsicher. Sven hat dieses Vertrauen. Deshalb wird ihn dieser Fehler nicht umhauen. Da kann sich jeder sicher sein. Er wird gestärkt aus der Situation hervorgehen.

Von seinen Mitspielern wie Jerome Boateng, James Rodriguez oder Javi Martinez gab es viel Zuspruch in den sozialen Netzwerken. Hilft einem Sportler das überhaupt?

Es lindert den Schmerz. Und es zeigt, was Sven für ein toller Mensch, was für eine Persönlichkeit er ist. Es gab ja nicht nur von seinen Mitspielern Zuspruch, sondern von ganz vielen Leuten – auch in den sozialen Medien. Sven ist einfach ein super Typ, sehr bodenständig. Er ist nicht abgehoben, als es sehr gut für ihn lief. Sven geht im Positiven wie im Negativen mit Demut mit den Dingen um. Das schätzen die Menschen an ihm. Deshalb bekommt er jetzt auch so viel Zuspruch. Und er wird auch nicht umfallen, nur weil es einen Rückschlag gab.

Das Wichtigste: „Bodenhaftung“

Mal eine Nummer kleiner gesehen: Wie sollten Sportler, beispielsweise Amateur-Fußballer, die keinen Zugriff auf einen Mentaltrainer haben, mit solchen Situationen umgehen?

Letztlich gilt für alle das Gleiche. Die entscheidende Frage ist: Warum mache ich das eigentlich? Warum spiele ich Fußball? Wenn ich nur spiele, um zu gewinnen, mache ich es sowieso aus dem falschen Grund. Der eigentliche Grund sollte sein: Weil man den Sport liebt. Egal, ob man Bundesliga-Profi oder Amateur-Kicker ist. Und Liebe lässt einen über so manche unangenehme Situation hinwegkommen. Ein entscheidender Faktor ist auch die Persönlichkeit des Sportlers: Wenn er ein guter Typ ist, Bodenhaftung hat, wird er nur Zuspruch erfahren, von den anderen aufgefangen werden. So wie es jetzt bei Sven der Fall ist. Wenn nicht, wird er es immer schwer haben. Das gilt nicht nur für den Sport, sondern für alle Lebensbereiche.

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