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Neues Ausgabeverfahren seit Corona-Krise

Nach Tafel-Besuch: Tüten voller Lebensmittel in Müll gestopft - „Leider kein Einzelfall ...“

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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An der Weilheimer Tafel können sich Bedürftige einmal pro Woche Lebensmittel abholen. Eine Passantin hat dabei eine unglaubliche Beobachtung gemacht.

  • In Weilheim hat eine Passantin vor der Tafel eine seltsame Beobachtung gemacht.
  • Zwei Asylbewerber stopften ihre gut gefüllten Lebensmitteltüten einfach in den Müll.
  • Die Frau ging der Sache auf den Grund - und fand heraus, dass dies kein Einzelfall war.

Weilheim – Sichtlich aufgeregt war die Frau, die ungenannt bleiben will, als sie kürzlich in die Redaktion rauschte. In jeder Hand hatte sie eine große Papiertüte, gut gefüllt mit Lebensmitteln aller Art: Semmeln, Wurst, Käse, dazu Schokoriegel, Marzipan und vieles mehr. Alles top Ware, frisch ausgegeben an der Tafel in Weilheim. Doch da hatte die Frau die beiden Tüten nicht her. Sie hat sie aus dem Müll gefischt.

Volle Tüten der Weilheimer Tafel landen im Müll - Passantin schockiert

„Ich dachte, ich sehe nicht richtig“, beschreibt die Passantin die Situation. Zwei junge Männer, offenbar Asylbewerber, waren mit den Tüten aus der Tafel-Ausgabestelle gekommen und schnurstracks auf den nächsten Mülleimer zugesteuert. „Sie haben noch einen Salat und das eine oder andere frische Obst und Gemüse herausgenommen und den Rest in den Mülleimer gestopft“, sagt sie. Sie sei dann, nach dem Termin in der Redaktion, ins Haus Emmaus gegangen und habe die Lebensmittel dort abgegeben.

Doch der Fall ließ ihr keine Ruhe. Sie wollte die beiden Verschwender direkt ansprechen und ging die Woche darauf wieder zur Tafel, traf das Duo aber nicht an. Dabei habe sie sich mit mehreren älteren Leuten unterhalten und ihnen von dem Vorfall erzählt. Was die Passantin wundert: „Für die war das keine Seltenheit. Es hieß, den Asylbewerbern sei alles Eingepackte suspekt, die nehmen nur frische Waren und alles, was sie kennen.“ Das könne doch nicht sein, sagt die Passantin, „da muss man doch bei der Tafel reagieren“.

Lebensmittel von der Tafel: Bei Verstößen wird Ausweis eingezogen

Das passiert auch durchaus, sagt Leiterin Eva-Maria Muche, als sie auf den Fall angesprochen wird. „Wenn wir so etwas erfahren, nehmen wir den Personen sofort den Ausweis ab, die bekommen dann nie wieder was.“ Muche erinnert sich an den Fall eines Syrers, der auch die Hälfte der Lebensmittel weggeworfen habe und dabei erwischt wurde. „Viele Landsleute von ihm haben gesagt, er sei doch das erste Mal da gewesen, da dürfe man nicht so streng sein“, sagt Muche. „Aber das lasse ich nicht gelten: Wenn jemand auf der Flucht war, muss er wissen, wie wertvoll Lebensmittel sind.“ Drei Mal sei der Syrer noch Mal gekommen, biss bei Muche aber auf Granit.

Vor zwei, drei Jahren sei so etwas schon einmal vorgekommen, auch jetzt sei ihnen wieder gerüchteweise zugetragen worden, dass Hilfebedürftige viele Lebensmittel einfach wegwerfen. „Wir haben schon intern darüber diskutiert, ob man vielleicht jemanden außerhalb der Räume auf die Lauer legen lässt, um solche Leute zu identifizieren“, sagt Muche.

Neues Ausgabeverfahren seit Corona-Krise: Es gibt extra Tüten für Muslime

Dass es an dem neuen Ausgabeverfahren liegt, dass seit Corona eingeführt wurde – die Kunden können sich nicht mehr selbst bedienen, sondern bekommen vorgepackte Tüten – glaubt Muche nicht: „Wir haben extra Tüten für Muslime, da ist kein Schweinfleisch drin. Und wenn jemand keine Putenwurst mag, können wir auch nichts dafür.“ Wer mit dem Inhalt der Tüte nicht zufrieden sei, könne das auch sagen, ebenso, wenn er nur Obst oder Gemüse wolle. Denn das Abpack-Prozedere werde beibehalten, bis die Corona-Krise vorbei ist, also bis es einen Impfstoff gibt.

Grundsätzlich sei die Tafel in Corona-Zeiten weniger besucht gewesen, erst in den letzten beiden Wochen kamen wieder 90 bis 100 Kunden, also nahe an den normalen Zahlen. Man habe sogar einmalig einen 50-Euro-Lebensmittelgutschein ausgegeben, „der war eine große Hilfe für viele“, weiß Muche. Sie hofft jetzt, dass sich die Passantin auch bei ihr meldet, um die beiden Lebensmittel-Verschwender zu entlarven.

Lesen Sie auch: Es sind zwar nur 460 Gramm pro Einwohner im Jahr. In der Summe ist es dennoch ein großes Ärgernis, auf das die EVA hinweist: Die illegalen Ablagerungen von Sperrmüll und anderem Unrat.

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Rubriklistenbild: © Franziska Florian

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