Ein Organspendeausweis kann Leben retten – und ist kostenlos erhältlich.
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Ein Organspendeausweis kann Leben retten – und ist kostenlos erhältlich.

Noch immer sind wenig Bürger bereit dazu

Tag der Organspende: Die Chance auf ein zweites Leben

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Am heutigen Samstag, 5. Juni, ist Tag der Organspende. Doch immer noch zu wenig Bürger sind dazu bereit, sich einen Organspenderausweis zu besorgen.

Landkreis – Es ist ein Thema, das Dr. Karl Breu aus Polling sehr am Herzen liegt: Am heutigen Samstag ist Tag der Organspende. Ausgerichtet und unterstützt wird der Tag unter anderem von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Für viele Menschen ist das Thema lebenswichtig

Aber auch Breu, der Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Weilheim-Schongau ist, setzt sich dafür ein, auf die Organspende aufmerksam zu machen. Das Thema ist für viele Menschen – darunter sind auch viele Kinder – lebenswichtig. Nur durch ein Spenderorgan können sie weiterleben. Doch Organspende ist nicht gleich Organspende, wie Breu erklärt: „Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der Organspende. Bei einer Lebendspende wird ein Organ aus dem Körper eines gesunden Menschen in den eines kranken Patienten transplantiert“. Das ist bei der Niere und bei Teilen der Leber möglich. In Deutschland ist das jedoch nur zwischen Menschen erlaubt, die verwandt sind oder sich in anderer Weise sehr nahe stehen. Die zweite Möglichkeit, ein Organ zu spenden, ist nachdem derjenige, der zur Spende bereit ist, gestorben ist. „Bei der sogenannten postmortalen Spende hat eine Person verfügt, dass ein oder mehrere Organe nach ihrem Tod verpflanzt werden dürfen“, so der Mediziner aus Polling weiter.

Zahlen zur Organspende

Nieren sind die Organe, die am häufigsten gespendet werden, gefolgt von Lebern, Lungen und Herzen. Insgesamt warten in ganz Deutschland rund 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan, in Bayern sind es 1500. Bundesweit sind 767 Personen, die auf der Warteliste standen, im Jahr 2020 gestorben. Vergangenes Jahr gab es deutschlandweit 913 Organspender – das entspricht 11 Organspenden je einer Million Einwohner. Bis zu zehn Prozent der Transplantationen werden bei Kindern durchgeführt. Das waren zwischen 200 und 300 Kinder in den vergangenen Jahren. Meist sind angeborene Organfehlbildungen der Grund für die Transplantationen. „Pro Jahr kommen 150 Kinder an die Dialyse, etwa zwei Drittel davon erhalten eine Spenderniere“, schreibt die Kinderhilfe Organtransplantation auf ihrer Webseite. Die Lebertransplantation ist mit bis zu 90 Fällen pro Jahr die zweithäufigste Ursache. Ein Höchstalter für Organspender gibt es nicht. Organspendeausweise sind in vielen Apotheken, Krankenhäusern oder bei Hausärzten erhältlich. Weitere Infos dazu gibt es unter www.organspende-info.de. Quellen: Kinderhilfe Organtransplantation und organspende-info.de

Doch die Zahl der postmortalen Organspender in Deutschland ist nach wie vor gering: Im Jahr 2020 standen 9000 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan, dem gegenüber standen jedoch nur 913 Spender, denen nach dem Tod 2941 Organe entnommen wurden.

In Deutschland sterben jährlich rund 100 Menschen, weil es kein passendes Organ gibt

Auch, wenn die Lebendspenden mit berücksichtigt werden, besteht ein großes Missverhältniss zwischen Spendern und den Wartenden. Das kann gravierende Folgen zur Folge haben, wie Breu erklärt: „Insgesamt sterben in Deutschland jedes Jahr rund 1000 Menschen, weil es kein passendes Organ für sie gibt.“

Vor zwei Jahren wurde im Deutschen Bundestag über eine Gesetzesänderung zur Organspende diskutiert. Bei der doppelten Widerspruchslösung ging es darum, dass jeder Bürger nach seinem Tod automatisch zum Organspender wird, es sei denn, er hat zu Lebzeiten einen Widerspruch oder einen entsprechend anders lautenden Willen erklärt. Doch die Gesetzeslage blieb gleich: Ohne Zustimmung zu Lebzeiten ist eine Organentnahme nach dem Tod nicht zulässig.

Jeder Organspender verhilft einem Patienten zu der Chance auf ein zweites Leben

Das heißt, jeder, der Organspender sein möchte, muss eine Erklärung zur Bereitschaft vorweisen. „Möglich ist eine solche Erklärung durch das Ausfüllen eines Organspendeausweises. Dieser kann online ausgefüllt, ausgedruckt oder kostenfrei bestellt werden“, so der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes. Doch auch durch eine Patientenverfügung ist es möglich, sein Einverständnis zur Organspende zu erteilen. „Wichtig ist, dass der Wille eindeutig formuliert und unterschrieben ist. So sind die Angaben rechtlich verbindlich“, erklärt Breu.

„Informieren und aufklären, entscheiden und damit Leben retten“ – dieses Motto hat der Tag der Organspende seit mehr als 38 Jahren. Jeder der sich dazu bereit erklärt, Organspender zu sein, verhilft einem anderen Menschen zu der Chance auf ein zweites Leben, heißt es seitens des Ärztlichen Kreisverbands Weilheim-Schongau.

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