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Wertvolle Unterlagen aus vielen Jahrhunderten zeigte Dr. Joachim Heberlein (rechts am Tisch) bei seinen Führungen durch die drei Stockwerke des Stadtmuseums. 

„Tag der offenen Tür“ im Stadtarchiv

Ein Blick ins Gedächtnis der Stadt

Großer Andrang herrschte beim „Tag der offenen Tür“ im Stadtarchiv. Die Besucher konnten sogar über 700 Jahre alte  Pergamenturkunden bestaunen.

Weilheim – Beim „Tag der Archive“ zeigte das Stadtarchiv seine Schätze. Und die wollten die Weilheimer sehen: Bereits zur ersten Führung am Sonntagnachmittag kamen rund 80 Besucher, um sich von Stadtarchivar Dr. Joachim Heberlein in die Welt der alten Dokumente und Schriften der Stadt einweihen zu lassen.

„Ich habe nur einen kleinen Ausschnitt gewählt“, so Heberlein, der mit Sachverstand, aber auch einer Brise Humor durch die drei Stockwerke führte, in denen wertvolle Pergamenturkunden, Amtsbücher, Fotosammlungen und die Archivbibliothek ihren Platz gefunden haben. Es ist kein Datum überliefert, seit wann das Stadtarchiv besteht, ausdrücklich erwähnt wurde es aber erstmals im 17. Jahrhundert. Heberlein berichtete: „1646 ritt der Rentmeister über Land und prüfte die Rechnungen“. Im Archiv sei keine Ordnung gewesen, so die Überlieferung. Er habe deshalb angeordnet, eine ordentliche Registratur zu errichten und alles, was zusammengehört, zu nummerieren und in Schubladen ordentlich zu ordnen. „Damals war man wohl vom Staub recht krank gewesen, heute ist es nicht mehr staubig“, scherzte Heberlein. 1649 gab es dann das das erste Inventarverzeichnis.

Bei zahlreichen Brandkatastrophen wurden die Amtsbücher aus der Zeit um 1520 ein Raub der Flammen, überstanden haben die Katastrophen, dank der Verteilung auf mehrere Orte im Stadtgebiet aber die Pergamenurkunden aus der Zeit von 1305, erzählte Heberlein seinen Zuhörern. Bis ins 20. Jahrhundert lagerten Urkunden und Bibliotheken an mehreren Orten, 1936 wurden die Bestände im Erdgeschoss des Alten Rathauses erstmals gemeinsam untergebracht. Bis 2003 befand sich das Archiv in den Kellerräumen des neuen Rathauses. 2013 bekam das Stadtarchiv ein eigenes Gebäude, es war ein (Millionen-)Geschenk der Weilheimer Bürgerin Elisabeth Rosner.

Bei der Führung ging es auch in das Stockwerk, in dem Magistratsakten, Fotosammlung, Archivblätter und alte Zeitungsbände ihren Platz gefunden haben. Große Schätze gab es im Obergeschoss zu bewundern, wo in Vitrinen wertvolle Einzelstücke ausgestellt waren: eine Ablassurkunde aus dem Jahr 1479, ausgestellt vom Bischof von Augsburg, ein Adelsdiplon von 1906 des Weilheimer Bürgers Nagel, der in den Freiherrenstand erhoben wurde, ein handgeschriebenes Kochbuch aus dem 18. Jahrhundert sowie ein altes Hausrezept der Ururgroßmutter von Heberlein aus dem Jahr 1818. Spannend zu lesen war eine Akte über das Hochwasser von 1914, als der Stadt- und Simetsbach übergingen und „Man mit Zinkbadewannen Schifferl fahren konnte“ sowie ein handgemalter Plan über eine strittige Wiese.

„Streit produziert Akten, drum streitet, dass von Euch was übrig bleibt“, riet Heberlein humorvoll. Es gab so viel zu bestaunen, die Fülle der Eindrücke und Informationen wird bei den Besuchern sicher lange nachwirken. Insgesamt führte Heberlein am Sonntag dreimal durch die Räumlichkeiten des Stadtarchivs.

Inge Beutler

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