Im Penzberger Gymnasium hält Schulleiter Matthias Langensteiner schon Schnelltests für die Oberstufenschüler bereit. Alle anderen sind im Distanzunterricht.
+
Im Penzberger Gymnasium hält Schulleiter Matthias Langensteiner schon Schnelltests für die Oberstufenschüler bereit. Alle anderen sind im Distanzunterricht.

Neue Corona-Regeln bei Inzidenz unter 100

Schulen bereiten sich auf Testpflicht vor: Task-Force für positiv getestete Schüler - Erklärvideos für Eltern

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
    schließen

Wenn der Präsenzunterricht an den Schulen wieder losgeht, dürfen die Schüler nicht einfach am Unterricht teilnehmen: Sie müssen sich vorher mit einem Selbsttest testen. Nicht bei jedem kommt das gut an.

Update vom 12. April: Weil die Inzidenz im Landkreis Weilheim-Schongau seit über drei Tagen über 100 liegt, ist die Schulöffnung mit Vorab-Tests hinfällig. Außer der Abschlussklassen sind alle Schüler wieder im Distanzunterricht.

Erstmeldung vom 9. April: Landkreis – Dass auch Grundschüler ab Montag in der Testpflicht stehen, missfällt dem Elternbeirat der Weilheimer Ammerschule, wie er in einer Pressemitteilung berichtete. Zwar begrüße der Beirat die allgemeine Testpflicht an Schulen, da das „neben der Impfung des Personals ein wichtiger Baustein ist, um den Schulbetrieb im Präsenzunterricht aufrecht erhalten zu können“. Aber dass es auch die ganz kleinen Schüler trifft, mussten die Mitglieder „mit Schrecken feststellen“.

Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Erklärvideos für Selbsttests an Eltern und Kinder geschickt

Unter anderem kritisiert der Elternbeirat, dass durch die Selbsttests Unterrichtszeit verloren geht. Dazu kommt, dass die Lehrer nicht aktiv in den Test eingreifen dürfen und die Tests dadurch oft unsachgemäß durchgeführt werden. Damit dass bei ihm nicht passiert, hat Matthias Igerl, der die Grundschule St. Johann in Peißenberg leitet, viel Vorarbeit geleistet.

An die Eltern wurde ein Erklärvideo des Tests geschickt, der auch in der Schule gemacht wird. So konnten die Eltern mit ihren Kindern zu Hause üben. Doch das ist nicht alles: „Wir versuchen, medizinisches Personal zur Unterstützung zu holen – also beispielsweise Mamas, die Krankenschwestern sind“, sagte Igerl, der auch kommissarischer Rektor der Grundschulen in Polling und Eberfing ist. Ob das klappt beziehungsweise wie viel medizinisches Personal Igerl auftreiben konnte, stand am Freitag noch nicht fest.

Corona-Regeln an Schulen: Kinder die sich nicht testen lassen, bleiben im Distanzunterricht

Klar war jedoch, dass nur von wenigen Schülern keine Einverständniserklärung der Eltern vorlag. Doch was ist eigentlich mit den Kindern, die sich nicht testen lassen? „Die bleiben im Distanzunterricht“, so Igerl. Doch der wird nicht online übertragen, die Schüler werden weiter mit dem nötigen Material versorgt. „Wir sind an der Grundschule, nicht an der Uni.“

Das Penzberger Gymnasium wird, obwohl eigentlich Wechselunterricht angeordnet ist, ab Montag „wieder auf Distanzunterricht umstellen“, erklärte Rektor Matthias Langensteiner. Nur die Oberstufen-Klassen werden dann vor Ort unterrichtet. Die Testpflicht gilt auch hier. Sollte jemand damit nicht einverstanden sein, greift die Regelung des Homeschoolings. Manche Lehrer, so Langensteiner, übertragen „mit ihrem eigenen Equipment den Unterricht“ auch in die häuslichen Klassenzimmer der Oberstufenschüler.

Corona in Bayern: Extra Task-Force für positiv getestete Schüler an Gymnasium eingerichtet

Sollten die Gymnasiasten in Penzberg positiv getestet werden, müssen sie nicht alleine in einem dunklen Kämmerchen sitzen, bis sie abgeholt werden. „Wir haben eine Task-Force aus bereits geimpften Eltern und Lehrern, gebildet, die sich um die positiv getesteten Schüler kümmert“, so Langensteiner.

Für die Selbsttests wurden die Lehrkräfte am Gymnasium Penzberg durch die Malteser geschult, damit sie den Schülern durch Erklärungen helfen können. Wie Ingrid Hartmann-Kugelmann, Leiterin des Staatlichen Schulamts Weilheim-Schongau, berichtete, haben viele Schulen das Angebot angenommen, ihre Lehrkräfte durch das Fachpersonal der Krankenhäuser Weilheim und Schongau „in den Gebrauch der Selbsttests einzuführen“.

Auch Corona-Tests in Apotheke, bei Hausarzt oder im Testzentrum möglich: Nachweis gilt 48 Stunden

Von einzelnen Schulen liegen dem Schulamt Rückmeldungen zu den Einverständniserklärungen der Eltern vor: Diese variieren von wenigen bis zu sehr vielen. Wie Armin Eder, Rektor der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau, berichtete, habe er vor den Ferien die Abfrage zur Einwilligung gestartet. Von rund 20 Prozent aller Schüler liegt diese dem Rektor vor. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit – das gilt für alle Schulen –, die Tests bei einem Hausarzt, in einer Apotheke oder im Testzentrum zu machen. Der schriftliche Nachweis darf jedoch nicht älter als 48 Stunden sein.

In den Ferien haben Eder und sein Schulteam zusammen „mit dem Elternbeirat, der in diesem Fall mitbestimmen darf und wertvolle Ratschläge erteilt“, ein Konzept ausgearbeitet. „Die Eltern werden ständig über den Schulmanager informiert und haben jederzeit die Möglichkeit, uns eine Rückmeldung zu geben, was sie auch tun“, so Eder. Die Realschüler wurden am Freitag vor den Osterferien mit einem Film in die Selbsttests eingewiesen.

Neue Corona-Regel an Schulen: Realschule in Schongau hat Testräume eingerichtet

Eder bietet drei Mal pro Tag Tests an: vor Unterrichtsbeginn im Mehrzweckraum, nach Unterrichtsende in einem Testraum und von 13.15 Uhr bis 15.30 Uhr (außer Freitags) mit einem Elternteil beziehungsweise Erziehungsberechtigten in einem Testraum oder mehreren Klassenzimmern bei Bedarf. „Die Nachmittage eigenen sich für Schüler, die sich nicht vor anderen testen wollen oder die Anwesenheit einer Mutter oder eines Vaters brauchen“, erklärte der Leiter der Schongauer Realschule.

Wer keinen Testnachweis erbringt, muss wieder nach Hause gehen. Direktes Homeschooling gibt es aber nicht: „Schüler müssen sich im Schulmanager über den aktuellen Unterrichtsstoff informieren, den die Lehrer ins Netz stellen. Hausaufgaben müssen ebenfalls digital übermittelt werden“, berichtete Eder. Er habe für das Konzept bisher sehr positive Rückmeldungen seitens der Eltern und der Schüler bekommen.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

(Von Franziska Florian)

Auch interessant

Kommentare