Eine der Gefahrenstellen am Öferl ist die Kurve bei der Firma Harrer – etwa für Radler, die dort die Straße Richtung Haus der Evangelischen Kirche oder Kinderhort queren.
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Eine der Gefahrenstellen am Öferl ist die Kurve bei der Firma Harrer – etwa für Radler, die dort die Straße Richtung Haus der Evangelischen Kirche oder Kinderhort queren.

Behörde sieht keine „zwingende Notwendigkeit“

„Tempo 40“ am Öferl in Weilheim: Landratsamt schreitet ein

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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„Tempo 40“ am Öferl? Das Landratsamt rät der Stadt Weilheim dringend von der beschlossenen Geschwindigkeitsbegrenzung ab – weil es keine „zwingende Notwendigkeit“ dafür gebe. Statt die vorgesehenen Schilder aufzustellen, wird nun noch einmal diskutiert.

  • Eine breite Allianz von Anwohnern und Unternehmen forderte ein Tempolimit „Am Öferl“ in Weilheim
  • Daraufhin hat Weilheims Verkehrsausschuss im Oktober „Tempo 40“ für diese Straße beschlossen
  • Doch die Verkehrsbehörde des Landratsamtes hält diese Beschränkung für unzulässig

Weilheim – Es war eine breite und sehr ungewöhnliche Allianz, die für ein Tempolimit auf der Ortsstraße Am Öferl gestritten hatte: Erst wandten sich 50 Anwohner per Brief an die Stadt, es folgten Petitionen vom Montessori-Kinderhaus und von vier an der Straße ansässigen Unternehmen sowie ein Antrag von Weilheims Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne). Sie alle forderten – mit Verweis auf die vielen Gefahrenstellen –eine Geschwindigkeitsreduzierung für diese Straße, die meisten auf „Tempo 30“. Das war der Mehrheit im Verkehrsausschuss des Stadtrates zu viel „Ausbremsung“, als Kompromiss einigte sich das Gremium im Oktober aber auf „Tempo 40“, und zwar für die gesamte Länge des Straßenzuges Schießstattweg/Am Öferl, von der Einmündung an der Schützenstraße bis zur Firma Zarges.

Landratsamt sieht keine besondere Gefahrenlage

Zwei Tage nach der Sitzung erließ die Stadtverwaltung die entsprechende Anordnung. Doch noch ehe die Schilder aufgestellt werden konnten, hat die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes die Entscheidung fachaufsichtlich beanstandet und der Stadt „dringend geraten“, diese Anordnung aufzuheben. Es bestünden „Zweifel an der zwingenden Notwendigkeit der Geschwindigkeitsbegrenzung“, erläuterte Sachgebietsleiter Wolfgang Mini in seinem Schreiben. Die Begründung der Stadt, dass sich im unmittelbaren Bereich zwei Kindergärten und unübersichtliche Firmenausfahrten befinden, lässt Mini nicht gelten: „Die beiden Kindergärten verfügen über keinen direkten Zugang zur besagten Straße. Die bestehenden Firmenausfahrten stellen auch keine Gefahrenlage dar, die das allgemeine Risiko im Straßenverkehr erheblich übersteigen.“

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Diese Auffassung, so der Sachgebietsleiter weiter, werde auch von einer Stellungnahme der Polizeiinspektion Weilheim untermauert. Laut dem zuständigen Polizeibeamten wären unter anderem „häufige geschwindigkeitsbedingte Unfälle“ in diesem Bereich eine Voraussetzung für ein Tempolimit. Doch habe man dort seit 2017 keine Unfallhäufungen, insbesondere keine geschwindigkeitsbedingten Unfälle, festgestellt. Ob die Mehrheit der Kraftfahrer die geltende Höchstgeschwindigkeit einhält, darüber gebe es keine Zahlen.

Bürgermeister Loth hat die Landrätin eingeschaltet

Bekannt gegeben wurde die Beanstandung des Landratsamtes in der jüngsten Stadtratssitzung. Man habe die geplante Aufstellung der „Tempo 40“-Schilder aufgrund dessen „zurückgestellt“, sagte Andreas Wunder, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Die Angelegenheit werde nun noch einmal „in einer Sitzung Anfang nächsten Jahres behandelt“. Bürgermeister Markus Loth (BfW) fügte hinzu, man habe diesbezüglich schon „Kontakt mit der Landrätin aufgenommen“ – mit der Bitte, das Landratsamt solle „überdenken, ob das wirklich so richtig ist“.

Deutliche Kritik von den Grünen

Deutliche Kritik am Schreiben der Behörde übt derweil Verkehrsreferent Neulinger: Die Beanstandung sei „zu oberflächlich“ und gehe „auf die potenziellen Gefahrenstellen gar nicht näher ein“, so der Grünen-Stadtrat gegenüber unserer Zeitung. „Geradezu fahrlässig“ sei es, am Montessori-Kinderhaus – dessen Eingang nur wenige Meter von der Straße entfernt liege – „die von der Straßenverkehrsordnung grundsätzlich vorgesehene Begrenzung auf Tempo 30 zu verweigern“. Darüber hinaus werden in den Schreiben von Landratsamt und Polizei nach Ansicht Neulingers „zu viele Mutmaßungen angestellt“. So räume die Polizei ein, „dass praktisch keine Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt wurden“ – die wären für Neulinger aber „eine Mindestvoraussetzung bei einer umfassenden Analyse der Gefahrensituation“.

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