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Im Jugendhaus „Come in“ hat Nina Hofmann ihre Bestimmung gefunden.

Zukünftige Leiterin des Jugendhauses

Theater, Tanz, „Come in“: Ein Porträt über die Weilheimerin Nina Hofmann

In Weilheim kennt sie wohl jeder - wohl auch, weil ihr Werdegang sie schon an viele Stationen geführt hat: Nina Hofmann. Im Porträt stellen wir die 36-Jährige vor.

Weilheim – „Ich bin angekommen“, sagt Nina Hofmann. In einigen Tagen hat sie die abschließenden Prüfungen zu ihrem Bachelor in Sozialpädagogik Bis sie zu diesem ihrem Wunschberuf kam, hat die 36-Jährige, die unverheiratet ist und keine Kinder hat, viele unterschiedliche berufliche Wege beschritten. Aber das sieht Nina Hofmann durchaus positiv. Ganz nach ihrem Lieblingsspruch von Antoine de Saint-Exyperie „Gehe Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterlässt“, hat sie ihr Leben bisher ausgerichtet – mit Erfolg, mit Spaß, aber auch immer auf der Suche nach dem „richtigen“ Beruf. 

Nina Hofmanns Lebenslauf ist spannend und ungewöhnlich. Und immer wieder traf sie auf Menschen, die eine Wende in ihr Leben brachten. Geboren in Dachau, zog sie bald mit ihren Eltern nach Diemendorf und ging in Tutzing in die Grundschule. Auf dem Gymnasium Weilheim hatte sie ihr erstes Schlüsselerlebnis im Hinblick auf einen ihrer späteren Berufe. „Mein absoluter Lieblingslehrer war Thomas Röttger“, erinnert sich Nina Hofmann. Seine Theatergruppe war legendär an der Schule. Viele wunderbare Aufführungen hat sie dort mitgemacht und durfte sogar beim „Woyzeck“ von Georg Büchner die Regie übernehmen. 

Diese Zusammenarbeit mit den Mitschülern prägte Nina Hofmann. Ihr war klar, dass sie irgendeinen künstlerischen Beruf ausüben wollte. Interessanterweise spazierte sie nach dem Abitur aber zunächst in die Redaktion des Weilheimer Tagblatts. Christoph Ulrich, dort zuständig für die „Jugendseite“, hatte sie ermuntert, „doch einmal vorbeizuschauen“. Daraus wurde eine einjähriges Volontariat, denn die Arbeit bei der Zeitung machte Nina Hofmann sehr viel Spaß. 

Und deswegen schrieb sie sich in München für ein Journalistikstudium ein. Aber komischerweise, so sagte sie, waren die Kommunikationswissenschaft nicht ihr Ding. Zwischenzeitlich war sie dort beim Studentenradio, vor allem die Stimmarbeit gefiel ist sehr gut. Doch Nina Hoffmann wollte einen andere Wege beschreiten: Sie studierte dann Theaterwissenschaften, arbeite ein paar Jahre bei den Kammerspielen, machte dort eine Regie- und Dramaturgiehospitanz und bekam einen Job als Dramaturgieassistentin. Vor allem das postmoderne experimentelle Theater machte ihr Spaß. Sie machte eine Weiterbildung zur Theaterpädagogin und kam damit „ihrem inneren Wunsch, mit Jugendlichen zu arbeiten“ schon weitaus näher. Denn sie betreute zusammen mit einigen Schauspielern Jugendgruppen, die das Theaterspielen lernten und Stücke aufführten. Die Kammerspiele richteten regelmäßig Festspiele für Jugendgruppen aus. „Eine spannende Sache war das“, sagt Nina Hofmann. „der Ideenreichtum von Jugendlichen ist enorm“. 

Auf der Suche nach einer festen Stelle als Theaterpädagogin musste Nina Hoffmann weit hinaus, „denn die in München war besetzt“. Sie landete für drei Jahre im Ruhrgebiet, in Mülheim an der Ruhr. Eine intensive, aber auch eine Heimwehzeit war das für sie. Da sie immer schon gerne getanzt hat, von Ballett bis zu Standardtänzen, machte sie dort kurzerhand noch eine tanzpädagogische Ausbildung. Alle wichtigen Kurse schloss sie ab: Hipp-Hopp, Jazzdance, Tango Argentino, Salsa. Ganz schön arbeitsintensiv war das Leben in Mülheim. Und plötzlich war sie ziemlich ausgepowert, ganz zu schweigen vom Heimweh nach Bayern. 

Und wieder tat sich ein neuer Weg auf: Durch eine Freundin kam sie zum Yoga. Aber da war sie schon wieder in Weilheim, sie hatte den Job in Mühlheim gekündigt. Nach einer Ausbildung zur Yogalehrerin machte sich selbstständig, gab Kurse in Fitnesstudios und in Sportvereinen, und sie machte sich einen Namen. „Es war das Schneeballprinzip. Es sprach sich herum“, sagt sie. Die Tanzarbeit mit Schülern in der „Schule am Gögerl“ machte ihr am meisten Spaß. Immer wieder zogen sie die Jugendlichen an, deren Begeisterung und Ideenreichtum. Dort lernte sie den Schulsozialpädagogen Markus Fendt kennen, der ihr vorschlug, ein Studium in Sozialpädagogik anzufangen – und Nina Hofmann war sofort bereit dazu. Eigentlich hätte das Studium in München vierzehn Semester gedauert. Aber sie brauchte nur sieben. „Man hat mir viele meiner Zertifikate angerechnet“, sagt sie. 

Durch einen Zufall traf sie vor einem Jahr auf Karin Hinzpeter-Gläser, Leiterin des Kinder- und Jugendbüros in Weilheim. Kennengelernt hatte Nina Hofmann sie schon während ihrer Schulzeit, als sie mit 16 Jahren das erste Jugendparlament mitgründete und Karin Hinzpeter-Gläser ihre Kontaktperson war. „Und nun schließt sich der Kreis“, lacht Nina Hofmann. Denn Karin Hinzpeter-Gläser bot ihr eine Teilzeitstelle an. 

Seit einem Jahr ist sie nun im Jugendhaus „Come In“ in Weilheim und fühlt sich „unglaublich wohl“ mit der Arbeit mit den Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren. Ein besonderes Projekt hat sie schon ins Leben gerufen. Nina Hofmann bietet Jugendlichen, die eine Straftat begangen haben und Sozialstunden ableisten müssen, mit ihrem Projekt „Kreatives Arbeiten anstatt Sozialstunden“ (KrASs) eine Alternative an. Unterstützung bekommt sie von der Jugendgerichtshilfe. Die Jugendlichen sollen dabei neben Arbeiten in und um das Jugendhaus auch kreative Arbeiten verrichten. Ein Jugendkochbuch beispielsweise ist gerade in Bearbeitung. Ziel auch ist es, das Lesen zu fördern. Dass ihre Arbeit auch Früchte trägt, zeigt sich darin, dass Jugendliche, die die Sozialstunden schon abgeleistet haben, wieder kommen in das Jugendhaus. „Sie sind nun unsere Gäste“, freut sich Nina Hofmann. In ein paar Wochen wird sie die Leitung des Jugendhauses übernehmen.

Von Regina Wahl-Geiger

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