theaterpremiere in marnbach

Niveauvoller Blick aufs Boxer-Milieu

Marnbach - Die Theatergruppe Marnbach schafft den Spagat. Sie  bringt einen niveauvollen Blick aufs Boxer-Milieu auf die Bühne.

 Fetzige Charlestonmusik erklingt. Ein typischer Boxkampf-Gong ertönt. Es ist der Auftakt zur ersten Runde „Der Preisboxer“ im Alten Schulhaus in Marnbach. Und diese Posse in drei Akten von Georg Maier begeistert rund 100 Theaterfreunde von Anfang an.

Sobald der Vorhang aufgeht, wird man schon hineingesogen in das Münchener Schlachthof-Milieu der 1920er Jahre mit seinen illegalen Boxwettkämpfen, den damit verbundenen korrupten Wetten, den kleinen Gaunern und den Boxern, die von einer großen Karriere träumen.

Das Bühnenbild, das „mach ma selba“, steht im Programm. Und allein das ist schon eine Schau. Mit viel Liebe zum Detail und ohne jeglichen Stilbruch wird hier das Büro des Lohnschlächters und Boxtrainers Max Dirrigl (Georg Niedermaier) gezeigt. Eine typische Metzgerschürze hängt samt Schlachtbeil am Haken, die Aktenordner sind in Sütterlin beschriftet, aus einem uralten Waschbecken fließt tatsächlich Wasser, und der Telefonapparat ist so riesig wie sie früher waren.

Passend dazu fügen sich auch die vier perfekt kostümierten Schauspieler ausgezeichnet in ihre Rolle. Da ist der Preisboxer Gagge (Josef Lutz). Gezeichnet vom letzten Kampf mit blauem Auge und angeschlagener Unterlippe, legt er hervorragend durchtrainiert unter dem Jubel der Zuschauer mindestens dreißig Liegestütze hin, davon einige sogar einarmig. Anschließend absolviert er noch mit rasanter Geschwindigkeit das typische Seilspringen eines Boxers. Da kommt der fiese und schleimige Zuhälter Sigi (Josef Niedermaier) in einem kanarienvogelgelben Sakko – „Man gönnt sich ja sonst nix“ – unter johlenden Pfiffen seitens der Zuschauer auf die Bühne. Da mischt sich der eigentlich gutmütige, jedoch spielsüchtige Boxtrainer Max Dirrigl unter das Publikum, um das weitere Geschehen zu kommentieren, und da ist dann noch die Rosi (Cordula Wild), die als Tippse bei Max arbeitet und die mit unglaublichem Charme und einer kecken Schlauheit alle Fäden in der Hand hat.

Es ist kein „krachates“ Stück, das hier geboten wird. Ganz im Gegenteil. Kombiniert mit wohl dosiertem Klamauk und einer gewissen Portion Tiefgang, erwecken die vier hervorragenden Akteure niveauvoll das besondere Milieu. Und wie es Rosi gelingt, mit dem korrupten illegalen Boxkampf umzugehen, soll nicht verraten werden. Ein Besuch des Stücks lohnt sich. 

Termine

11. März (20 Uhr), 13. März (19 Uhr), 18. März (20 Uhr), 19. März (20 Uhr), 20. März (19 Uhr), 28. März (19 Uhr), 1. April (20 Uhr), 2. April (20 Uhr) und 3. April (19 Uhr). Alle Aufführungen im Alten Schulhaus. Karten unter Telefon 0881/6531 (ab 19 Uhr). Infos: www.marnbacher-theater.de.

Regina Wahl-Geiger

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