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Ein Hilfspfleger soll sieben Senioren umgebracht haben (Symbolbild).

Gerichtsbericht

Todespfleger steht vor Gericht - er trieb sein Unwesen auch in Weilheim

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Der Vorwurf ist massiv. Ein Hilfspfleger aus Polen soll zwischen April 2017 und Februar 2018 sieben Senioren umgebracht haben, indem er ihnen Insulin spritzte, obwohl sie keine Diabetiker waren. Ein Weilheimer überlebte die heimtückischen Attacke knapp.

Ottobrunn/Weilheim – Seit vergangener Woche muss sich der 38-Jährige wegen Mordes vor dem Schwurgericht München I verantworten. Er schweigt zu den Vorwürfen. Nach seiner letzten Pflegestelle in Ottobrunn wurde er festgenommen, zunächst wegen Diebstahls.

Die Verwandten des Verstorbenen vermissten eine goldene Uhr. Bei der Polizei sagte er damals: „Ich gestehe nie die Tötung, aber ich gebe den Diebstahl zu.“ Das alles und vieles mehr berichtete ein Kriminalbeamter (40) als Zeuge vor Gericht.

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Bei einer Durchsuchung des Pflegers waren auf die Schnelle 1000 Euro Bargeld und verschiedene Bankkarten des Verstorbenen samt PIN-Nummern gefunden worden. Der Angeklagte räumte ein, dass er mit den Karten Geld abheben wollte, als er erkannt hatte, dass sein Patient gestorben war. Grund dafür war angeblich die Finanzierung einer Operation seiner Mutter, für die er Geld brauchte. Nach eigenen Angaben stahl er das erste Mal. Angeblich war er durch den Tod seines 83-jährigen Patienten total durcheinander. „Das Ableben des Herrn hat mich total geschockt“, zitierte ihn der Polizeibeamte.

„Einen Menschen wegen 1000 Euro zu töten, ist nicht adäquat“

Dass er aber seinen Patienten mit Insulin zu Tode spritzte, stritt er vehement ab. „Einen Menschen wegen 1000 Euro zu töten, ist nicht adäquat“, sagte er am 12. Februar 2018 und setzte mit folgendem Satz noch einen drauf: „Auf so eine Idee bin ich in meinem ganzen Leben nicht gekommen.“

Das Insulin hatte er erst kurz vor seiner Anstellung in Ottobrunn von einem Arzt in Polen bekommen. Die Handhabung des Pens will er sich per Internet-Kurs beigebracht haben. Bis dato hatte er seinen Zucker mit Tabletten behandelt. Angeblich war er nicht über die möglichen tödlichen Folgen bei einer Überdosis aufgeklärt worden. Dass der 38-Jährige überhaupt so viel sagte, ist wohl dem Vernehmungsgeschick der Polizei zu verdanken. Allerdings hielten die Beamten den Pfleger auch mit zwei Hamburgern bei Laune. Die habe er mehr verschlungen als gegessen, da er nur noch über einen Zahn verfüge.

Nach dem dritten Burger wollte er einen Anwalt

Anschließend äußerte sich der Angeklagte über die für ihn angeblich seltene Situation eines verstorbenen Patienten. So etwas habe es noch nie gegeben, normalerweise bleibe er sechs Wochen bei einem Patienten.

Es sei auch noch nie jemand in seiner Anwesenheit ins Krankenhaus gekommen, sagte der Pfleger. Das ist nachweislich ebenso falsch, wie die Behauptung, dass er sicher nicht in Weilheim war. Dabei hatte er dort im Juni 2017 einen 82-Jährigen betreut. Laut Anklage soll er dem älteren Herrn Insulin verabreicht haben. Der Mann überlebte. „Hätte ich jemanden umgebracht, wäre doch die Polizei gekommen wie hier in Ottobrunn“, argumentierte der Angeklagte in der Polizei-Vernehmung.

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Anschließend hatte er einen dritten Burger bekommen und nichts mehr gesagt. Er verlangte einen Anwalt und erklärte, nur noch beim Richter aussagen zu wollen. Der Prozess dauert an.

Vor Gericht verantworten musste sich auch ein Mann aus dem Raum Weilheim, der seine Ex-Partnerin misshandelte. Unter anderem klemmte er ihre Hand in die Haustür ein - die gemeinsamen Kinder mussten alles mitansehen.

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