Die Wieskirche vor der Alpenkulisse
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Die Wieskirche vor der Alpenkulisse – ein Touristen-Highlight im Pfaffenwinkel

Sommerferien im Pfaffenwinkel

Touristen-Boom in Oberbayern: Kein Bett mehr frei - doch Hotelbesitzer sind sauer auf Söder-Regierung

  • VonJennifer Battaglia
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Der Pfaffenwinkel als Urlaubsregion boomt, Urlauber finden spontan kaum noch eine Bleibe. Hinsichtlich der Corona-Bestimmungen herrscht jedoch Unmut auf Seiten der Hotelbetreiber.

Landkreis – „Also in der Hotellerie läuft es aktuell wirklich sehr gut“, sagt Andreas Schmid, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbandes Pfaffenwinkel. „Die Belegungen sind im Moment spitzenmäßig.“ Sogar so spitzenmäßig, dass Gäste, die kurzfristig noch eine Übernachtungsgelegenheit in der Region suchen, nur noch schwer eine bekommen. „Für Radler, Wanderer und Pilger, die ohne Reservierung übernachten möchten, wird es schwierig“, sagt Schmid. Vergangene Woche habe eine Studentengruppe eine Bleibe in Steingaden gesucht – und keine gefunden. „Zum Glück hatten die ein Zelt dabei“, sagt der Touristikfachwirt. „Sie durften dann mit Zustimmung der Gemeinde ausnahmsweise im Klosterhof nächtigen.“ Auf den Gast- und Ferienhöfen sehe die Belegungssituation ganz ähnlich aus – auch hier laufe es gut.

Pfaffenwinkel ausgebucht: Boom an Übernachtungsgästen in den Ferien

Die Hälfte aller Übernachtungsgäste im Landkreis verteilt sich laut Schmid auf nur zwei Orte: Bernried und Steingaden. „In Bernried gibt es mehrere große Hotels, wie auch die Herzklinik Höhenried, zu der viele Besucher kommen“, sagt er. In Steingaden spüre man hingegen den „Druck des Allgäus“: „Das Allgäu platzt besuchertechnisch aus allen Nähten. Und das schwappt dann auch zu uns herüber“, so Schmid.

Nach den Sommerferien werde die Anzahl der Übernachtungsgäste wieder abnehmen. Wer jetzt keine Unterkunft bekomme, solle deshalb in ein bis zwei Wochen nochmals anfragen. „Der Boom ist eine Momentaufnahme“, sagt er.

Wegen Corona-Pandemie: Mehr innerdeutsche Urlauber in Oberbayern

Auch in diesem Jahr stammt der Großteil der Touristen wieder aus Deutschland. „Das hat natürlich etwas mit der Corona-Pandemie zu tun“, erklärt Schmid. „Denn die Einreise aus dem Ausland ist ja für viele erschwert.“ Die Besucher kommen hauptsächlich mit dem Auto in den Pfaffenwinkel, die öffentlichen Verkehrsmittel werden für Anreise und Aufenthalt eher weniger genutzt. Schmid macht sich deshalb stark für einen besseren Ausbau des Nahverkehrs: „Wenn ich in Ingenried meinen Urlaub mache, fährt nur einmal am Tag ein Bus in Richtung Schongau“, sagt er. „Das ist dann schon eine halbe Weltreise.“

Unmut und Ärger wegen Corona-Verordnung: Hotel- und Gaststättenbetreiber sauer

Der Tourismusverband Pfaffenwinkel hat sich dazu etwas einfallen lassen. Seit dem 1. August erhalten in Bernried und Steingaden alle Übernachtungsgäste neben dem bekannten „Gästepass“ auch die neue „Pfaffenwinkel Gästekarte“. Andreas Schmid erklärt den Vorteil: „Mit der Gästekarte können Gäste aus Bernried und Steingaden alle Busse des ÖPNV gratis nutzen.“ Und so zum Beispiel zum Shoppen nach Weilheim fahren. In den kommenden Jahren strebt der Tourismusverband einen Ausbau des Angebots auf weitere Ortschaften an.

Corona-Regeln erschweren entspannten Urlaub: Ungeimpfte müssen alle 72 Stunden einen Test vorlegen

Hinsichtlich der aktuell geltenden Pandemie-Bestimmungen herrscht nach Angaben Schmids hingegen Unmut und Ärger auf Seiten der Hotel- und Gaststättenbetreiber. „Keiner weiß genau, welche Auflagen heute gerade gültig sind“, sagt er. Viele Gastwirte seien sauer. „Die Umsetzung der Regeln ist wahnsinnig schwierig.“ Viele würden außerdem die Luca-App mit dem Impfnachweis verwechseln, was zu Spannungen auf beiden Seiten führe. Seit Montag gilt bundesweit die 3G-Regel (Geimpft, genesen oder getestet). Ungeimpfte dürfen seitdem nur noch mit einem Negativ-Testergebnis in den Innenbereich von Restaurants und Gaststätten.

Bei Übernachtungen müssen Gäste zu Beginn und dann alle 72 Stunden ein negatives Testergebnis vorlegen – zuvor waren es sogar nur alle 48 Stunden. „Das ist natürlich eine gewisse Erleichterung“, sagt Schmid. „Vor allem, da in der Region die durchschnittliche Übernachtungsdauer bei 2,5 Tagen liegt.“ Wie genau die Umsetzung in der Praxis aber aussehe, wisse er nicht. „Die Verwirrung ist groß“, sagt er. „Man sieht kein Licht am Ende des Tunnels.“

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