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Begeisterte Gesichter  beim Schlussapplaus: die Schauspieler des Inklusionstheaters "Freie Bühne München".

„Freie Bühne München“

Ein Traum von Theater

Weilheim - Die „Freie Bühne München“ zeigte spielte in Weilheim „Schamo Reloaded“. Das Ensemble durfte sich auch über eine große Spende freuen.

Schirmherrin und Schauspielerin Marianne Sägebrecht  signierte im Anschluss im Foyer ihr Buch "Auf dem Weg nach Surinam".

Es war die letzte Aufführung ihrer einjährigen Tournee. Mit dem Stück „Schamo Reloaded: Alle bekommen neue Karten“ gastierte das Inklusionstheater „Freie Bühne München“ im Weilheimer Stadttheater – und lockte reichlich Zuhörer an. Es ist das erste Theater in Bayern, das behinderte und nicht behinderte Schauspieler gemeinsam auf die Bühne bringt. Und nicht nur das. Das Theater ist Arbeitgeber und auch Ausbilder für behinderte Menschen. Eine einmalige Chance, lobte Landrätin Andrea Jochner-Weiß in ihrer Begrüßung diese neue Theaterform: „Inklusion ist keine lästige Pflicht, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Auch Michael Asam, stellvertretender Bezirkstagspräsident Oberbayerns, fand lobende Worte: „Wir vergeben alle zwei Jahre den Inklusionspreis“, sagte er und betonte, dass der Bezirk die Freie Bühne München seit ihrer Gründung 2014 unterstütze.

Denn ohne Förderung geht es nicht. Das unterstrich Christine Miedl, Direktorin der „Sparda-Bank“ München: „Kultur kann nur bestehen, wenn sie gefördert wird“, sagte sie und setzte ihre Worte in Taten um. Überrascht und erfreut nahm Angelica Fell, Vorstandsvorsitzende der „Freien Bühne München“, im Stadttheater einen Scheck über 25 000 Euro in Empfang.

Das sei traumhaft, sagte Fell und traf damit gleich den Kern des Stücks. „Es geht hier um Träume, die man leben mag, verbunden mit Kompromissen, die man damit eingeht“, erklärte die bekannte Schauspielerin Marianne Sägebrecht als Schirmherrin und zitierte zur Einleitung das Gedicht „Der Träumer“ von Rainer Maria Rilke.

Regisseur und künstlerischer Leiter Jan Meyer hatte mit seinem achtköpfigen Ensemble eine Kombination aus Improvisation und Script gewagt – und das Ergebnis beeindruckt. Acht verschiedene Menschen werden in „Schamo Reloaded“ verkörpert, mit ihren jeweiligen Träumen, mit dem Verlust derselben, der Konfrontation mit der gnadenlosen Realität. Dabei kreuzen sich ihre Wege auf unterschiedliche Weise. Immer wieder werden ihre Geschichten, ihre Träume überdacht, von einer anderen Seite betrachtet – es werden die Karten neu gemischt. „Die Menschen brauchen Träume“, sagt der Besitzer der Traumfabrik, der Träume herstellt und sie an Menschen verkauft, die keine mehr haben. Auch Albträume finden bei ihm erschreckenderweise reißenden Absatz.

So umrankt das Stück Traumsituationen, die so unterschiedlich sind wie die Menschen selbst. Da ist die Schlagersängerin, die weltfremd in einem Wolkenkuckucksheim wohnt, der Buchautor, der seine Träume verloren hat und damit als Schriftsteller versagt, der Möchtegern-Filmemacher, der auf abstruseste Ideen verfällt, um endlich Erfolg zu haben.

Das Stück ist nicht zum Träumen gedacht. Unverfälscht und brutal holt es in die Realität: Da wird getanzt, geschrien, gestritten auf der Bühne – und doch bleibt das Thema „Träume und ihre Erfüllung“ erhalten. Und das ist nicht nur ein Trost. Für manchen Schauspieler der „Freien Bühne München“ wurde es Realität.

Regina Wahl-Geiger

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