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Außen vorbei oder unten durch: Für jede Variante der Umfahrungs-/Entlastungsstraße gibt es mehrere Trassen.

Bürgerinitiative steckt Trasse ab

Umfahrung Weilheim: Diese Varianten gibt‘s - und so sieht der Widerstand dagegen aus

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Im Stadtrat hat das zuständige Planungsbüro jetzt die möglichen Trassen für eine Weilheimer Umfahrung noch einmal detailliert vorgestellt. Wir zeigen die Varianten - und den Widerstand, der dagegen wächst.

Weilheim – „Aus verkehrlicher Sicht ist die Ostumfahrung zu bevorzugen“: Mit diesem Satz endet die gut 30-seitige „Verkehrsuntersuchung Entlastung Weilheim – Umfahrung oder Tunnel 2017“, die das Büro „Kurzak“ aus München im Auftrag des Staatlichen Bauamtes Weilheim vornahm und die seit Ende Januar auf der Homepage der Behörde veröffentlicht ist. Doch das, was in dem Gutachten des Büros steht, ist laut Andreas Lenker, beim Staatlichen Bauamt zuständig für den Straßenbau im Landkreis Weilheim-Schongau, nur ein Vorschlag. „Wir sehen das nicht so deutlich“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Stadtrates auf Anfrage von Saika Merx (FDP). Lenker war in die Sitzung gekommen, um Zwischeninformationen zur Festlegung von Korridoren für die geplante Ortsentlastung zu geben.

Es gibt ortsferne und orstnahe Varianten

Und diese Information, so sagte er gleich vorweg, sei sehr vage. „Es handelt sich nur um Korridore, die können sich noch um hundert Meter verschieben“, so Lenker. Als Grundlage für das Staatliche Bauamt diente der Flächennutzungsplan. In diesem sind laut Lenker auch die Naturschutz- und Wasserschutzflächen eingezeichnet. Insgesamt stellte Lenker „alle sich aufdrängenden Varianten einer möglichen Umfahrung von Weilheim“ vor, es sind insgesamt acht – jeweils eine ortsferne und eine ortsnahe sowie ein Tunnel in offener oder geschlossener Bauweise. 

Die Westvarianten enthalten noch Untervarianten, eine nördlich und eine südlich von Unterhausen. Demnach gibt es Überlegungen für eine lange Westumfahrung, die vom Trifthofanbinder außerhalb jeglicher Bebauung durch das Moos im großen Bogen um Weilheim führen und zwischen Unterhausen und Wielenbach auf die B 2 stoßen würde. Es gibt aber auch eine kurze Variante, die vom Trifthof ortsnah an der Stadt zur Kläranlage und von dort auf die B2 verlaufen würde. Dazwischen liegen die Varianten für die Umgehung von Unterhausen. 

Ist eine Unterfahrung Weilheims die Lösung?

Auch für eine Umfahrung des Weilheimer Ostens gibt es eine lange - ortsferne – Variante. Diese würde vom südlichen B2-Kreisel hoch zum Hechenbergkreuz und dann in einem Tunnel durch das Gögerl verlaufen, von dort weiter entlang des Hardt, um zwischen Narbonner Ring und Dietlhofer See auf die B 2 zu stoßen. Die kurze Ostumfahrung begänne erst am Stadtrand, um dann den Verkehr nahe an den Neubaugebieten im Osten vorbei und fast parallel zum Narbonner Ring Richtung B 2 zu leiten. Für eine offene oder geschlossene Unterfahrung der Stadt zeigte Lenker zwei Varianten auf: eine unter der B 2 und eine unter Krottenkopfstraße/Römerstraße 

„Mehr oder weniger große Lageverschiebungen sind im Rahmen der späteren Entwurfsplanung möglich“, so Lenker. Ziel dieser Planung sei es, „einen Vorzugskorridor für eine mögliche Entlastungsstraße festzulegen“. Das Staatliche Bauamt geht seinen Worten nach davon aus, dass der Variantenvergleich bis Ende 2018 abgeschlossen ist und eine Vorzugsvariante vorliegt. Welche das sei, sei offen, so Lenker. Auf Nachfrage von Jochen Knittel (BfW), inwiefern die Kosten die Auswahl der Vorzugstrassen bestimmen, sagte Lenker: „Die Kosten sind immer ausschlaggebend. Wenn sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis verändern, dann müssen wir beim Bund nachfragen“. Bislang sind 35 Millionen Euro für den Bau einer Umfahrung von Weilheim veranschlagt, so wie sie als vordringlicher Bedarf in den „Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen“ wurde.

Bürgerinitiative steckt Trasse aus

Umfahrung, nein Danke: Die Bürgerinitiativen „Heimat2030“ und „Marnbach-Deutenhausen“ steckten am Gögerl eine mögliche Trasse für eine Umfahrung aus und stellten ihre neuen Plakate vor.

Ein leichter Wind weht an diesem Samstagmittag, als Mitglieder der Bürgerinitiativen „Heimat 2030“ und „Marnbach-Deutenhausen“ am Weilheimer Gögerl nahe des Hechenbergkreuzes rot-weiße Flatterbänder von Pfosten zu Pfosten spannen. Sie markieren damit einen rund einen Kilometer langen breiten Streifen in der freien Landschaft, auf dem eine Variante einer Ostumfahrung, die so genannte ortsferne, verlaufen könnte. Am Horizont sind die Berge zu sehen, unten an der B 2 der Kreisel, von dem die Umfahrung den Hang hoch verlaufen könnte – 80 Meter breit und 20 Meter tief in der Erde, um den Höhenunterschied zu überwinden. Dann würde die Straße über ein großes Portal in einem Tunnel verschwinden. 

„Diese gravierenden Auswirkungen auf die Landschaft und die Naherholungsgebiete“ sollen mit der Aktion dargestellt werden, so Karin Knöthig von der BI „Heimat 2030“. Dazu stellten die beiden Initiativen auch Informationstafeln am Gögerl auf. Doch die Umfahrung würde nicht nur die Natur zerstören, Landwirte bangen auch um ihre Existenz, wenn die Straße ihre Flächen frisst. Hans Seemüller würde allein sieben Hektar in diesem Trassenabschnitt verlieren, berichtet er bei dem Termin am Gögerl. 

Um ihrem Protest gegen jegliche Umfahrungspläne im Osten wie im Westen Ausdruck zu verleihen, hat die BI Plakate und Aufkleber drucken lassen. Sie können unter Heimat2030@weilnein.de angefordert werden. Zudem laden die beiden Initiativen für Sonntag, 8. April, zu einer Begehung des ausgesteckten Trassenabschnitts ein. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr am Hechenbergkreuz.

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