Der ungefähre Verlauf des Ost-Tunnels, wie er nun untersucht wird. 
+
Der ungefähre Verlauf des Ost-Tunnels, wie er nun untersucht wird. 

Neue Variante wird untersucht

Umfahrung Weilheim: Komplett-Tunnel im Osten?

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
    schließen

Neue Wendung in Sachen „Umfahrung Weilheim“: Das Staatliche Bauamt lässt einen „kompletten Tunnel im Osten“ untersuchen. Dagegen scheiden alle Zentrumstunnel-Varianten endgültig aus. Bis August soll der Ost-Tunnel geprüft sein, im Herbst will die Stadt die Bürger befragen.

Weilheim – Die Corona-Krise ließ das Thema „Umfahrung Weilheim“ in den vergangenen Monaten in den Hintergrund rücken. Doch der Eindruck, „dass nichts vorangeht“, wäre falsch, betonte bei einem Pressegespräch am gestrigen Mittwoch Stefan Scheckinger, der seit September das Staatliche Bauamt Weilheim leitet. Und tatsächlich hatte der neue Amts-Chef eine heiße Neuigkeit zu verkünden: Die Behörde nimmt einen „Ost-Tunnel“ in die laufende Voruntersuchung zur „Entlastungsstraße Weilheim“ auf – und streicht zugleich alle Tunnelvarianten im Zentrum endgültig aus dem Katalog.

Der längst untersuchte Zentrumstunnel in bergmännischer Bauweise, mit Kosten von 317 Millionen Euro veranschlagt, würde wegen seines schlechten Nutzen-Kosten-Verhältnisses „niemals in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden“, sagte Scheckinger gestern. Man habe deshalb in Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium entschieden, diesen nicht weiterzuverfolgen: „Eine Berücksichtigung im weiteren Planungsprozess ist nicht möglich.“

Endgültige Absage an Kurztunnel unter der B2

Auch alle Ideen für (Kurz-) Tunnels in Deckelbauweise unter der B 2 sind für das Staatliche Bauamt passé: Man habe sich intensiv mit dieser Variante beschäftigt, und technisch wäre sie prinzipiell auch möglich. Doch aufgrund der baulichen Enge würden sich „während der mehrjährigen Bauzeit enorme finanzielle, bautechnische, zeitliche und verkehrliche Risiken ergeben“, heißt es in der Pressemitteilung der Behörde vom Mittwoch. Zudem brächten ein Kurz- oder ein „Dreivierteltunnel“ unter der B 2 „erhebliche städtebauliche Nachteile“, keine Entlastung für die südlichen Wohngebiete, sie würden die Immissionsbelastungen in der Stadt belassen, und die Stadt müsste mit einer Kostenbeteiligung rechnen.

Tunnel wäre rund drei Kilometer lang

Fazit des Bauamtes: „Die einzige Komplett-Tunnelvariante, die tatsächlich baulich machbar scheint und wirtschaftlich möglicherweise bauwürdig sein könnte, ist ein Tunnel auf der Trasse der ortsnahen Ostumgehung.“ Genau der wird nun in den nächsten Wochen untersucht. Während sein Amtsvorgänger Uwe Fritsch eine solche Lösung im November 2019 als „völlig unrealistisch“ ablehnte, sieht Scheckinger dafür gute Chancen: Die Projektziele einer Entlastung Weilheims „von Lärm, Abgasen und Schleichverkehr“ sowie einer „Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Bundesstraße 2 durch die Verringerung von Staus“ würden mit einem Ost-Tunnel erreicht. Der neue Bauamts-Chef geht auch davon aus, dass alle nötigen Kriterien für einen Bau erfüllt werden – und der allergrößte Teil des rund drei Kilometer langen Tunnels gebaut werden könnte, „ohne das Grundwasser zu berühren“.

Pressegespräch unter freiem Himmel: Stefan Scheckinger (Mitte), Leiter des Staatlichen Bauamts, mit Mitarbeitern seiner Behörde sowie Weilheims Stadtspitze (v.l.: Angelika Flock, Alfred Honisch und Bürgermeister Markus Loth).

Zu prüfen seien noch die Kriterien Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Erstere dürfte unproblematisch sein, da die neu vorgelegte Studie des Büros Dr. Schober alle bisher untersuchten Varianten – auch eine teils oberirdische ortsnahe Ostumgehung – als „grundsätzlich umweltverträglich“ einschätzt. Zur Wirtschaftlichkeit sagte Scheckinger gestern: Zwar sei es „nicht billig, einen Tunnel auf freiem Feld herzustellen“, doch erwarte man ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von über 1,0. Damit würde das Projekt grundsätzlich als wirtschaftlich gelten.

Umfahrung Weilheim: Ende 2021 soll eine Vorzugstrasse feststehen

Die Prüfung des Ost-Tunnels soll bis zur Sommerpause im August abgeschlossen sein. Wenn die Untersuchungsergebnisse vorliegen, will die Stadt Weilheim im Herbst eine Bürgerbefragung zu allen verbleibenden Varianten durchführen. Mit dem „Meinungsbild der Stadt Weilheim“ – das letztlich der Stadtrat zu treffen hat – wäre die Voruntersuchungsphase dann laut Scheckinger beendet: „Dann hoffen wir, dass wir zum Ende des Jahres zu einer Vorzugstrasse kommen, mit der wir in das weitere Verfahren gehen.“ Diese Trasse könne dann „detailliert beplant werden“.

Für den Ost-Tunnel müsste ein rund 15 Meter breiter Streifen von Bebauung freigehalten werden, wie Scheckinger auf Tagblatt-Nachfrage erklärte: „Wir heben einen Graben aus, bauen einen Betonrahmen rein und schütten wieder zu.“ Auf dem Tunnel wären ein Grünzug, Verkehrswege oder landwirtschaftliche Nutzung, bis zum Tunnelrand auch Wohnbebauung möglich. Die Deutenhausener Straße würde an den Tunnel angebunden; 400 bis 500 Meter vor der Einschleifung in die bestehende B 2 am Nordrand Weilheims müsste die Straße an die Oberfläche kommen.

Für die Prüfung des Ost-Tunnels nannte Scheckinger übrigens auch einen pragmatischen Grund: Ganz ohne eine Tunnelvariante hätte das Umgehungsverfahren keinen Bestand: „Dann fällt uns das irgendwann auf die Füße.“

mr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare