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So könnte die ortsnahe Ostumgehung Weilheims  verlaufen (rot markiert) – teils in Tieflage bzw. Tunnel.

Stellungnahme von Prof. Harald Kurzak

Umfahrung Weilheim: Verkehrsgutachter wirbt für diese ganz spezielle Variante

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Verkehrsgutachter Prof. Harald Kurzak schaltet sich in die Debatte um eine Weilheimer Umfahrung ein: In einem Brief an Bürgermeister Markus Loth wirbt er für eine stadtnahe Ostumgehung mit Tunnel-Abschnitten. Hingegen ist ein Kurztunnel an der B2 für ihn „keine Lösung“.

Weilheim – Die Stellungnahme, die Kurzak vergangene Woche nach seiner Teilnahme am „Info-Markt“ des Staatlichen Bauamts in der Stadthalle verfasst hat, ist eine Eigeninitiative des Verkehrsplaners. Das hat Bürgermeister Markus Loth (BfW) am Donnerstagabend im Stadtrat auf Nachfrage von Klaus Gast (CSU) betont: Kurzak habe dafür keinen Auftrag der Stadt gehabt. Allerdings gab es Gespräche. So schreibt der Ingenieur in seiner E-Mail an Loth: „beiliegend meine Ihnen zugesagte Stellungnahme“.

Dieses Schreiben dürfte für Aufsehen sorgen

Für Aufsehen dürfte das Schreiben, das auch an das für die Umfahrungsplanung zuständige Staatliche Bauamt Weilheim weitergeleitet wurde, allemal sorgen. Immerhin hat Prof. Kurzak 2017 im Auftrag des Staatlichen Bauamtes die „Verkehrsuntersuchung Entlastung Weilheim“ erstellt, deren Befunde und Prognosen Grundlage für die Entscheidung über die Umgehungsstraße sind.

Prof. Harald Kurzak

Kurzak wirbt in seiner Stellungnahme vom 5. Juni nun klar für eine stadtnahe Ostumgehung, mit der laut seiner Untersuchung „die stärkste Entlastung für Weilheim zu erreichen“ sei. Allerdings müsse der vom Staatlichen Bauamt vorgelegte Entwurf der Trassenführung in einigen Punkten „optimiert“ werden. Die bereits vorgeschlagene durchgehende Tunnellösung (in Deckelbauweise) von der B2 im Süden zur Deutenhausener Straße sei „einerseits wegen der sehr nahen Lage an der Wohnbebauung und andererseits wegen des hohen Freizeitwertes des östlich angrenzenden Gögerls unbedingt erforderlich“. Zudem schlägt Kurzak folgende „Optimierungen“ vor:

So müsste die Trasse laut Kurzak „optimiert“ werden:

- Die Tunnel-Zufahrt am südlichen Ortsrand müsse „baulich so abgeschirmt werden, dass auch eine künftig weiterführende Wohnbebauung nicht eingeschränkt wird“.

- Die Verknüpfung der in Tieflage verlaufenden Trasse mit der Deutenhausener Straße (per Kreisverkehr) solle bis ans Gewerbegebiet „Am Weidenbach“ verschoben werden, „um einen größeren Abstand zum Wohngebiet zu erhalten“.

- Östlich und nordöstlich des Narbonner Rings sei „eine durchgehende Tieflage mit Lärmschutz und teilweiser Einhausung der Ostumgehung“ notwendig. Es müsse die Lärmabschirmung sichergestellt sein und eine Lösung gefunden werden, die „mit der städtebaulichen Entwicklung im Weilheimer Osten vereinbar ist“ und auch „den heutigen Freizeitwert des Gebietes“ sicherstelle – etwa „das Freizeitvergnügen am Rodelberg“ am Narbonner Ring und den Zugang zu den Erholungsbereichen im Hardt und am Dietlhofer See. „Hier sind breite Grünbrücken über die in Tieflage verlaufende Ostumfahrung sinnvoll“, so Kurzak.

Mit diesen Optimierungen werde die stadtnahe Ostumgehung „immer noch weniger kosten als die kurze Westumgehung“, schreibt der Gutachter – und betont: Mit dem Ziel einer städtebaulichen Entwicklung im Weilheimer Osten müsse auch die Umfahrung im Osten verlaufen, „damit nicht der Verkehr der Neubaugebiete künftig zur Zusatzbelastung der bestehenden Wohngebiete im Osten wird“.

Im Stadtzentrum – an der Rathauskreuzung – bringt eine stadtnahe Ostumgehung laut Kurzak eine Entlastung um 4800 (direkt nördlich des Platzes) bis 7300 Autos pro Tag (südlich des Platzes). Die Gesamtbelastung an der Rathauskreuzung würde dadurch um 23 Prozent abnehmen, so der Gutachter: „Und das ist eine erhebliche Verbesserung, da an hochbelasteten Knoten bereits eine Verkehrsabnahme um zehn Prozent den Stau halbiert.“

Kurztunnel unter der B2 ist für Kurzak „keine Lösung“

Auch zur Idee eines Kurztunnels unter der B2 äußert sich Kurzak: Weil diesen nicht nur der Durchgangsverkehr, sondern auch von Süden kommende Zielverkehre zum Gewerbegebiet Paradeis oder Neidhart-Einkaufspark nutzen könnten, würde ein Kurztunnel unter der B2 deutlich mehr Fahrzeuge aufnehmen als ein langer Tunnel unter der Römerstraße. „So positiv das im Prinzip erst einmal wäre“, schreibt Kurzak, hätte diese Bündelung aber „erhebliche negative Folgen“ für die Zufahrtsstrecken: Die Belastung an der Alpenstraße südlich der Waisenhausstraße wäre „kaum abwickelbar“, der Kreisel im Süden überlastet; ähnliches gelte für die Olympiastraße ab der Kaltenmoserstraße mit dem Kreisverkehr im Norden. Zudem müssten wegen des „erheblichen Platzbedarfs im Bereich der Tunnelein- und -ausfahrten“ auf der Ostseite der Olympiastraße alle privaten Parkplätze und am Maibaumplatz „der Baumbestand des kleinen Parks“ entfallen, so Kurzak. Dabei wäre „die Entlastung am Rathausplatz nicht besser als bei der stadtnahen Ostumgehung“. Fazit des Gutachters: „Der ,kurze Tunnel’ ist verkehrlich und städtebaulich keine Lösung für Weilheim.“

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Umfahrung Weilheim: Zähes Ringen um eine Lösung

Ein weiteres Problem, das Weilheim derzeit stark beschäftigt,  ist die Sperrung der Badestege an einem beliebten See. Die Stadt entschied sich zu der Maßnahme, um Badeunfälle zu verhindern - die Weilheimer machten sich über die Aktion lustig.

Magnus Reitinger

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