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Stellten die Jugendbefragung vor: (von links) Kreisjugendamtsleiter Jürgen Wachtler, Kreisjugendpflegerin Annika Seif, Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl und Christina Daisenberger (Kreisjugendamt). 

Umfrage im Landkreis vorgestellt

„Null Bock“ war bei der Jugend gestern

Von einer „Null-Bock-Generation“ wie in den 1980er Jahren kann keine Rede sein. Die Jugend heutzutage ist zufrieden mit ihrem Leben und blickt zuversichtlich in die Zukunft – zumindest die in der Region. Das ist das Ergebnis der 1. Jugendbefragung des Landkreises.

Weilheim/Landkreis– Sowohl Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl als auch Kreisjugendpflegerin Annika Seif zeigten sich bei der Vorstellung der Befragung „echt überrascht“ von den – positiven – Ergebnissen; zumal die Befragung auch repräsentativ sei. Die 4273 Fragebögen wurden an 22 Schulen im Landkreis an Schüler der 6., 8. und 10. Klassen verteilt, die Rücklaufquote war mit rund 80 Prozent (3518) enorm hoch. Teilweise wurden die Fragebögen sogar im Unterricht behandelt. „Dafür den Schulen vielen Dank, ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, so Seif. Die Ergebnisse seien für die Arbeit des Kreisjugendamtes gar nicht mit Geld aufzuwiegen, so der Leiter des Amtes, Jürgen Wachtler. Da seine Behörde meist mit den Problemen junger Menschen konfrontiert werde, hätten er und auch seine Kollegen häufig den Eindruck, dass „Vieles im Argen liegt“.

Doch weit gefehlt: 94 Prozent der jungen Menschen zwischen 12 und 18 Jahren sehen zuversichtlich oder lediglich „mit einer gewissen Unsicherheit“ in die Zukunft. Die Hälfte aller Befragten gab an zu musizieren, entweder in einer Kapelle, einer Band oder bei einem Musiklehrer. Mehr als zwei Drittel nutzen die Sportangebote in ihrem Umfeld und sind auch zufrieden mit dem, was ihnen dort geboten wird. Fast vier Fünftel sind Mitglied in einem Verein oder einer Jugendgruppe. Wer nicht dabei ist, hat entweder „keine Lust“ oder ist „schulisch zu stark eingebunden“. Interessant auch: Mehr als ein Viertel besucht ein Fitness-Studio, fast ein Drittel engagiert sich in kirchlichen Jugendgruppen.

Informationen besorgen sich die jungen Menschen am ehesten von Freunden und Bekannten (62 Prozent), immerhin gleichauf mit rund einem Drittel liegen einerseits bei den Informationsquellen Internet/soziale Medien und andererseits Tageszeitung/öffentliche Aushänge.

Kaum bekannt sind bei den jungen Frauen und Männern die Jugendreferenten der Stadt- und Gemeinderäte. Wenn sie ein Anliegen haben, gehen die meisten direkt zum Bürgermeister, so das Ergebnis der Befragung des Augsburger Instituts SAGS.

Obwohl die Auswertung, zusammengefasst auf 85 Seiten, erst seit Kurzem im Druck vorliegt hat das Landratsamt schon auf die Vorschläge von Jugendlichen reagiert: Das „hAMMERsound Jugendfestival“, das im Juni 2018 in Peißenberg stattfinden wird, ist ein Vorschlag der Jugendlichen bei der Befragung gewesen. In Raisting wurde auf Wunsch ein Jugendraum eingerichtet und kürzlich eingeweiht. Rund drei Jahre hat die Fertigstellung der Jugendbefragung gedauert. Laut Wachtler soll sie alle fünf Jahre wiederholt werden.

Trotz aller Zuversicht und Zufriedenheit haben die Jugendlichen auch Forderungen: Sie wünschen sich mehr Beteiligungsmöglichkeiten in ihrer Heimatgemeinde, mehr Angebote wie Jugendtreffs, spezielle Veranstaltungen für junge Menschen und einen ÖPNV, der besser auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.

Verblüffung bei den Experten riefen auch zahlreiche Aussagen im Fragebogen hervor, wonach Eltern nicht – wie angenommen – zu wenig Zeit für ihre Kinder hätten, sondern zu viel Zeit – vor allem Mütter.

Johannes Thoma

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