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Informierten über die Wirtschaftslage: (v.l.) Robert Reining, Ulrich Schwab, Jürgen Nowicki, Dietmar Ahl und Jürgen Müller.

Unternehmer warten ab

Konjunkturflaute ist im Landkreis angekommen

„Die bayerische Metall- und Elektroindustrie befindet sich im Abschwung.“ Das ist laut Jürgen Nowicki, dem Vorstandsvorsitzenden der „bayme vbm Region Oberland“ eines der zentralen Ergebnisse der neuesten Mitgliederbefragung.

Weilheim – Die Umfrage – befragt wurden die bayerischen Arbeitgeberverbände bayme (Bayerischer Unternehmensverband Metall und Elektro) und vbm (Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie) –habe laut Nowicki auch gezeigt, dass sich die konjunkturelle Lage „bereits spürbar abgekühlt“ habe und die Unternehmen „eine weitere Verschlechterung“ erwarten. In den ersten fünf Monaten lag die Produktion der bayerischen Metall- und Elektrounternehmen 5,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Verantwortlich für diesen Rückgang ist die Automobil- und Zulieferindustrie, deren Produktion um 16 Prozent gefallen ist. Dies gelte auch für die Exporte. Es wurden 7,4 Prozent weniger Autos, 4,1 Prozent weniger Autoteile und 17,6 Prozent weniger Lastwagen exportiert.

Trotz des Konjunkturabschwungs erwarten 49 Prozent der befragten Betriebe im Oberland für 2019 eine Umsatzrendite von mehr als vier Prozent, nur 3,9 Prozent rechnen mit Verlusten. Die Geschäftslage im Inland bewerten allerdings nur noch 38 Prozent der Unternehmen als gut, während es im Vorjahr noch doppelt so viele waren. Beim Auslandsgeschäft ist der Unterschied noch größer. Nur 30 Prozent bewerten die Lage als gut, im Vorjahr waren es noch 82 Prozent.

Mit dem Abschwung rücke die Standortfrage wieder in den Fokus. Nowicki: „Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland und Bayern stärken.“ Schwarzmalen will er aber nicht. „Die Lage ist immer noch gut“, so seine Beurteilung der Situation.

Nowicki betonte, dass Tarifverträge an sich eine gute Sache seien. Sie würden für Stabilität und Sicherheit sorgen. Er schlägt aber zwei Verbesserungen vor. Es sollte in allen Ländern Tarifverträge wie in Deutschland geben, damit die Unternehmen weltweit Chancengleichheit hätten. Außerdem sollten keine Festschreibungen auf Dauer enthalten sein. Wenn es einem Unternehmen gut gehe, könne es auch höhere Löhne zahlen, wenn die Wirtschaft aber nicht so gut laufe, müssten die Mitarbeiter auf Lohnsteigerungen verzichten. Nowicki: „Wir können nicht nur Benefits verteilen, wir müssen auch Lasten verteilen.“

Von den Schwankungen der Konjunktur sind nicht alle Bereiche betroffen. Geschäftsführer Ulrich Schwab von „Xylem Analytics“ sieht sein Unternehmen, das in der Wasseranalytik tätig ist, „den Schwankungen weniger unterworfen“. Das Unternehmen verzeichnet vier Prozent Wachstum. Es beschäftige auch 14 Auszubildende, was belege: „Wir investieren in die Zukunft.“

Ebenfalls „wenig konjunkturabhängig“ ist der Gesundheitssektor, wie Jürgen Müller von „Paritec“ feststellt. Das Unternehmen, das Geräte zur Behandlung von Atemwegserkrankungen herstellt, verzeichnete auch heuer wieder „eine gute Lage“. Der Auftragsbestand sei „auf hohem Niveau“.

Dietmar Ahl, Geschäftsführer des Weilheimer Metallbetriebs „Günter Bechtold“, stellt bei den Unternehmen eine abwartende Haltung fest. Die unsichere politische Lage führe dazu, dass „jeder vorsichtig wird“ und erst im letzten Moment bestelle. Damit sei die Lage „nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut“.

Ein Lichtblick für die Mitarbeiter: Auch wenn es eine Delle in der Konjunktur geben sollte, würden Unternehmen versuchen, ihre Fachkräfte zu halten, „weil sie danach wieder gebraucht werden“, so Ahl.

Alfred Schubert

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