Unternehmerkreistreffen via Zoom: Dietmar Ahl begrüßte knapp 20 Teilnehmer zum digitalen Meeting.  
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Unternehmerkreistreffen via Zoom: Dietmar Ahl begrüßte knapp 20 Teilnehmer zum digitalen Meeting.  

Versammlung in Corona-Zeit als Zoom-Meeting

Unternehmerkreis findet Lage „auskömmlich“

  • Bernhard Jepsen
    VonBernhard Jepsen
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Bis auf die Flugzeug- und Autobranche sind die produzierenden Unternehmen in der Region Weilheim-Schongau bislang offenbar halbwegs unbeschadet durch die Corona-Pandemie gekommen. Die Liquiditätslage, so hieß es bei einem Zoom-Meeting des Unternehmerkreises „Oberland – Region Weilheim“, sei alles in allem „auskömmlich“.

Landkreis – Beim Unternehmerkreis ist es eigentlich gute Tradition, dass die Interessensvertretung immer im Januar ihre Mitglieder zur Hauptversammlung einlädt und das Jahresprogramm festzurrt. Doch Corona lässt ein persönliches Treffen derzeit nicht zu.

„Um den Kontakt aber nicht ganz abreißen zu lassen“, organisierte der Unternehmerkreis-Vorsitzende Dietmar Ahl nun aber eine digitale Alternative. Via Zoom-Plattform trafen sich die Unternehmerkreis-Mitglieder nach Feierabend zu einem Online-Meeting. Selbiges konnte das Netzwerken am Stehtisch bei Häppchen und Kaltgetränken zwar nicht ersetzen, aber informativ war es trotzdem.

Dramatischer Einbruch am Arbeitsmarkt

Oliver Wackenhut, der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Weilheim, berichtete dabei über einen „dramatischen Einbruch“ am regionalen Arbeitsmarkt im Zuge des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres. Im Dezember 2020 lag die Arbeitslosenquote bei 2,9 Prozent (wir haben berichtet). In dem Monat verzeichnete die Weilheimer Agentur lediglich im Jahr 2009 während der Finanzkrise ein noch höheres Niveau.

Betroffen waren und sind laut Wackenhut vor allem Arbeitnehmer im Alter unter 25 Jahren, Ausländer und Berufstätige über 50 Jahren. Speziell der letztgenannte Personenkreis macht Wackenhut Sorgen: „In dem Alter ist es schwer, an anderer Stelle Fuß zu fassen.“

Staatliche Unterstützungsprogramme helfen

Etwas entspannt werde die Lage durch die Kurzarbeiterregelung: „Sonst hätten wir fünf Mal mehr Arbeitslose.“ Sicher gebe es bezüglich der Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld „schwarze Schafe“, so Wackenhut: „Aber in der Region sind mir keine Betriebe bekannt, die mutmaßlich versuchen, das Instrument zu missbrauchen.“ Interessant dürfte für die Zoom-Teilnehmer auch der Vortrag von Martin Drognitz gewesen sein.

Der IHK-Mitarbeiter gab einen Überblick über staatliche Unterstützungsprogramme – und Aufklärungsarbeit in dem Bereich sei offenbar nötig: „Für uns Unternehmer ist das ständige Wechseln der Bedingungen das Schwierige“, konstatierte Ahl – inklusive augenzwinkernder Ergänzung: „Wenn wir von der Regierung kein Geld bekommen, dann brauchen wir es von den Banken.“

Gigantischer Einlagenzuwachs bei der Sparkasse

Das war letztlich auch die Überleitung zu Markus Lanz. Das Vorstandsmitglied der Sparkasse Oberland bezeichnete die Liquiditätslage der regionalen Betriebe insgesamt als „auskömmlich“: „Da haben viele Unternehmen aus früheren Krisen gelernt.“ Das produzierende Gewerbe – bis auf die Flugzeug- und Autoindustrie – sei von der Pandemie kaum betroffen, das Bauhandwerk sogar nur „minimalst“.

Voll durchgeschlagen habe die Corona-Krise jedoch auf die Gastronomie, die Hotellerie, die Wellnessbranche sowie den Messebau und die Eventbranche. Die „persönliche Sorge“, die Lanz umtreibt: „Wie sieht es mit den Innenstädten aus? Ändert sich das Einkaufsverhalten der Leute?“

Persönliches Miteinander fehlt

In der Weilheimer Innenstadt werde es vermutlich schon „die ein oder andere Geschäftsschließung“ geben. Das wirke sich auch auf die Höhe der Mieten aus. Lanz hofft auf eine „Solidarität mit dem Einzelhandel“: „Wir wollen doch eine lebendige Gemeinschaft sein – und dafür müssen wir unseren Beitrag leisten.“ Lanz berichtete zudem von einem „gigantischen Einlagenzuwachs“ bei der Sparkasse: „Viele Haushalte stapeln das Geld.“ Aktuell fehle es schlichtweg an Möglichkeiten, das Geld auszugeben.

Nach knapp anderthalb Stunden war das Online-Meeting beendet. Der Marsch zum parkenden Auto in der kalten Winternacht blieb den Teilnehmern zwar erspart, aber ganz glücklich war Ahl nicht: „Ich freue mich definitiv, Euch alle wieder persönlich zu treffen. Die Gespräche am Stehtisch fehlen mir.“

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