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Superzelle fegt über Oberbayern hinweg: Gemeinden kämpfen mit Sturmschäden - Aufräumarbeiten laufen

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Von: Kathrin Brack

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Mit schwerem Gerät entfernt Familie Käser aus Etting die Sturmschäden in ihrem Forst.
Mit schwerem Gerät entfernt Familie Käser aus Etting die Sturmschäden in ihrem Forst. © Ralf Ruder

Der Landkreis Weilheim-Schongau räumt auf. Eine Woche, nachdem eine Unwetter-Superzelle eine Schneise der Verwüstung in Wald und Flur hinterlassen hat, beseitigen die betroffenen Gemeinden, was vom Sturm übrig blieb.

Landkreis – Reinald Huber tut es vor allem um die schönen, alten Eichen leid. „Die hat’s einfach abgezwirbelt“, sagt der Bürgermeister von Söchering. Die Gemeinde ist eine Woche, nachdem eine Unwetter-Superzelle über den Landkreis fegte, mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die EVA-Abfallentsorgung hat den Bürgern Platz für Grüngut und Schadholz geschaffen, „schnell und großzügig“, wie Huber betont. Der Ort hilft nun zusammen, um die Schäden zu beseitigen.

Nach schweren Unwettern: Ort hilft zusammen, Schäden zu beseitigen

Eine Spezialfirma aus Kochel häckselt direkt am Straßenrand gebrochenes Holz, berichtet Huber. Für einige gefährliche Arbeiten, wie das Entfernen von Schadholz in den Wäldern, braucht es Experten (siehe Kasten). Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) schätzt, dass im Bereich der Sturmschneise 15 bis 20 000 Festmeter Holz gefallen sind.

„Sägefähiges Holz kommt ins Sägewerk. Ein kleines Glück im Unglück ist, dass gerade viel frisches Holz gebraucht wird“, sagt Martin Kainz. Gebrochenes Holz ist ein Fall für den Häcksler – auch, um die Gefahr von Borkenkäferbefall zu minimieren.

Unwetter im Landkreis Weilheim-Schongau: Viel Schadholz wird gehäckselt

Die Straßenmeisterei Peiting lässt ebenfalls viel Schadholz häckseln. Zu Brennholz könne das meiste nicht verarbeitet werden, sagt Claudia Immisch. Der größte Teil des beschädigten Holzes gehört nicht den Gemeinden oder dem Freistaat, sondern Privatleuten. „Wir kennen unsere Wege und Straßen und wissen in den meisten Fällen, wer derdazugehörige Waldbesitzer ist.“ Falls nicht, helfen Flurkarten und Programme bei der Zuordnung.

Problematischer als das anfallende Holz seien ohnehin die Straßenschäden. Getroffen hat es vor allem die WM 16 zwischen Böbing und Schöffau, die WM 24 von Böbing zur Echelsbacher Brücke und die Staatsstraße 2059 zwischen der Echelsbacher Brücke und dem Schwaigsee.

In Rottenbuch hat vor allem die Anlage der Schützen im Sportheim Schaden genommen. „Die Bauschäden wurden begutachtet, jetzt müssen die Schützen entscheiden, ob der Estrich raus muss. Dann könnte es teurer werden“, sagt Bürgermeister Markus Bader. Sowohl die Gemeinde als auch die Bürger seien „noch gut beschäftigt“. Neben kleineren Schäden an Wegen hat es den Gemeindewald in Schönberg erwischt.

Schwere Gewitter im Landkreis Weilheim-Schongau: Vor allem Privatwälder betroffen

Mit den Folgen des Sturms setzt sich auch die Gemeinde Eglfing auseinander. „In der Gemeinde und auf den Wegen ist alles weitgehend aufgeräumt“, sagt Bürgermeister Martin Fortmaier. Kleinere Wegeschäden gelte es noch zu reparieren, viele sollten es nicht mehr sein. „Aber im Wald schaut’s schlimm aus.“ Betroffen sind auch hier vor allem Privatwälder, dazu ein paar Waldstücke, die der Gemeinde gehören. „Einen Teil des Holzes können wir für unsere Hackschnitzelheizungen hernehmen“, sagt Fortmaier. Das Holz werde aufgearbeitet, „dann müssen die Eigentümer entscheiden, was sie damit machen“. Er fürchtet, dass sich die Arbeiten bis in den Herbst ziehen werden.

Hilfe vom Landkreis gibt es dabei nicht. Landrätin Andrea Jochner-Weiß sei nach Angaben des Landratsamtes am Abend des Unwetters mit dem zuständigen Sachbearbeiter vom Katastrophenschutz „in laufendem Kontakt“ gewesen. „Ein Bild von den Schäden hat sie sich in Obersöchering gemacht.“ Zwei Notstromaggregate des Landkreises waren im Einsatz, „eine weitere Unterstützung war kein Thema“.

Sturmschäden ein Fall für Experten

Sturmschäden im Wald sind kein Fall für Mensch und Motorsäge: Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) warnt vor akuter Unfallgefahr. „Forstliche Laien verfügen nicht über das notwendige Fachwissen, haben nicht die notwendige Technik und schon gar nicht die Übung im Umgang mit Sturmholz“, sagt Fritz Allinger. Als Laien definiert die SVLFG „nahezu alle Privatwaldbesitzer und fast alle bäuerlichen Waldbesitzer“. Das Aufarbeiten von Problemholz müsse durch forstfachlich ausgebildetes Personal erfolgen. Werden Privatpersonen bei unsachgemäßen Aufräumarbeiten verletzt, ist der Waldbesitzer in der Verantwortung.

Rund zwei Wochen werden die Aufräumarbeiten in Söchering noch dauern, schätzt Reinald Huber. „Insgesamt“, sagt er, „sind wir glimpflich davongekommen.“ In seinem Garten hat es einen alten Zwetschgenbaum erwischt. „Es ist schade um die Bäume. Aber es könnte viel schlimmer sein.“ Abgesehen davon beraten sie schon darüber, wo sie Ersatz für die alten Eichen pflanzen wollen.

Video vom 28. Juli: Nach dem Unwetter im Raum Weilheim-Schongau

Nach dem Sturm war vor dem Sturm: Kaum 24 Stunden, nachdem die Superzelle Ende Juli immense Schäden in Teilen des Landkreises angerichtet hatte, tobte das nächste Gewitter über der Region. Und es erwischte schon wieder die Gemeinde Eglfing. Noch mehr Nachrichten aus der Region Weilheim lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Weilheim-Penzberg-Newsletter.

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