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Stefan Rehthaler, Technikdienstleister aus Weilheim. Mit seiner Firma sorgt er dafür, dass Großveranstaltungen stattfinden können.
Generalprobe „"Night of Light“"
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Vertreter aus verschiedenen Gewerken der Eventbranche stehen für ein Gruppenfoto zusammen, um für „Night of Light“ zu werben.

Weilheim

Veranstalter-Branche in Not: „Wir werden die Letzten sein, bei denen wieder was passiert“

  • Paul Hopp
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„Night of Light“ heißt die Aktion, mit der die Veranstalter-Branche auf ihre Nöte durch Corona aufmerksam machen will. Daran beteiligt sich auch der Weilheimer Stefan Rehthaler. Wir haben ihn gefragt, warum er das tut.

Weilheim – Die Corona-Krise trifft die Branche der Veranstalterwirtschaft mit dem Verbot von Groß-Events besonders hart. Am Montag, 22. Juni, will dieser Berufszweig deutschlandweit mit der Aktion „Night of Light“ auf seine Nöte und eine drohende Insolvenzwelle aufmerksam machen. Sinnbildlich für einen „flammenden Appell“ werden Gebäude in rotes Licht getaucht. 

An der Aktion beteiligt sich auch der Weilheimer Stefan Rehthaler. Er wird dazu den Firmensitz an der Pöltner Straße (bekannt als „Stöppel“-Haus) in Rot erstrahlen lassen. Mit seiner Firma „Rehthaler Eventsolutions“ sorgt er seit 30 Jahren bei Großveranstaltungen in ganz Mitteleuropa für die Audio-, Licht-, Videotechnik und Bühnentechnik. Laut einer Studie ist die Veranstaltungsbranche die sechstgrößte Wirtschaftsbranche in Deutschland – mit rund 1,5 Millionen Mitarbeitern und knapp 130 Milliarden Euro Umsatz.

Wie läuft die Aktion ab?

Rehthaler: Wir werden am Montag unseren Firmensitz, das „Stöppel“-Haus in Weilheim, von 22 bis 1 Uhr mit rotem Licht beleuchten. Mit einem Display werden wir Informationen zur Aktion und entsprechende Hashtags einblenden. Ganz wichtig: Es handelt sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung.

Was versprechen Sie sich von der Aktion?

Rehthaler: Ich hoffe, dass unsere „Schattenwirtschaft“, die im Hintergrund von Großveranstaltungen tätig ist, ein klein wenig mehr ins Bewusstsein der Menschen gerät. Die Geschäfte und auch Hotels und Gastronomie dürfen öffnen, aber wir dürfen gar nichts. Uns hat es als Erste getroffen, als im Februar schon Messen abgesagt wurden. Und wir werden die Letzten sein, bei denen wieder etwas passiert. Die Situation wird wohl noch dramatischer als bislang gedacht. Die Bundesländer wollen jetzt bis Ende Ende Oktober Großveranstaltungen verbieten. Und es heißt ja nicht, dass gleich danach die Aufträge über uns hereinbrechen. Unsere Arbeit hat drei bis sechs Monate Vorlauf. Momentan will keiner etwas auf die Beine stellen. Messen, Kongresse und große Konzerte werden in diesem Jahr wohl keine mehr stattfinden.

Welche Auswirkungen hatte und hat Corona für Ihre Firma?

Rehthaler: Wir liegen bei fast 95 Prozent Umsatzrückgang. Das begann im April. Bis dahin konnten wir noch einige Aufträge wie Audio-Installationen abarbeiten. Ich habe in Normalzeiten einen Festangestellten und projektbezogen bis zu 30 freie Mitarbeiter. Der Angestellte ist zu 100 Prozent in Kurzarbeit, auf die freien Mitarbeiter muss ich verzichten. Mein Vorteil ist: Ich bin frei von Fremdkapital. Seit Anfang Juni bekomme ich jedoch keine staatlichen Hilfen mehr. Mit den Kosten, die ich aufwenden muss, geht im Prinzip meine Altersvorsorge drauf – das kann es doch nicht sein.

Welche Hilfen haben Sie bislang bekommen?

Rehthaler: Ich habe die Soforthilfe des Freistaats und eine Aufstockung durch den Bund bekommen. Für drei Monate waren das insgesamt 9000 Euro. Dafür bin sich sehr, sehr dankbar, aber für die Fixkosten hat das bei Weitem nicht ausgereicht. Momentan gibt es auch keine weiteren Förderungen.

Was sagen Sie zu Krediten?

Rehthaler: Es macht keinen Sinn, uns mit Krediten zu füttern, denn der Umsatz ist unwiederbringlich verloren. Kredite zögern in unserer Branche nur die Zahlungsunfähigkeit hinaus. Es gibt ja auch keinen Termin für ein Ende. Ich könnte der Bank derzeit nicht sagen, wann ich zum Tilgen anfangen kann. Ein Kredit wäre für mich nur das allerletzte Mittel.

Welche Hilfen wären aus Ihrer Sicht am sinnvollsten?

Rehthaler: Eine adäquate Übernahme der Fixkosten durch den Staat wäre sinnvoll. Es geht da nicht ums Geldverdienen, sondern ich will, dass meine Firma überlebt.

Ab 17. Juni sind unter anderem Veranstaltungen im Freien mit bis zu 200 Leuten wieder erlaubt. Was bedeuten diese Lockerungen für Ihre Firma?

Rehthaler: Uns bringen diese Lockerungen gar nichts. Nehmen wir mal das Szenario mit 200 Leuten im Freien: Das könnte ein Konzert einer Band in einem Biergarten sein. Dafür braucht keiner einen Veranstaltungsdienst in unserer Form. Selbst unter normalen Umständen würde deswegen niemand an uns herantreten. Der Wirt benötigt für so eine Veranstaltung keinen Technikdienstleister, die Bands haben meist ihre eigenes Equipment dabei.

Auch in Penzberg eine Aktion: In Penzberg beteiligt sich ebenfalls ein Unternehmen an der „Night of Light“-Initiative. Die „KVA Eventtechnik“ von Konstantin Volk wird die Stadthalle in rotem Licht erstrahlen lassen. 

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