Verfahren gegen Auflage von 5000 Euro eingestellt

Hat Weilheimer Arzt Sanitäterin beschimpft?

Der Fall eines Weilheimer Arztes, der sich wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten musste, wurde gegen eine Geldauflage von 5000 Euro vorläufig eingestellt. Das Gericht war überzeugt, dass nicht nur er Beschimpfungen ausgestoßen hatte.

Weilheim – „Das Gericht ist überzeugt, dass es Beleidigungen auf beiden Seiten gegeben hat“, sagte die Vorsitzende Richterin Christiane Serini. Der Streit zwischen einer Rettungssanitäterin und dem Arzt spielte sich in der Praxis des 66-Jährigen ab. Drei Sanitäter brachten kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres in einem Krankenwagen einen Liegendpatienten, dem ein Katheter gewechselt werden sollte, in die Weilheimer Praxis. Laut Aussage des Arztes wäre dies eine Sache von ein paar Minuten gewesen, danach hätte das Team des Roten Kreuzes den Mann wieder zurücktransportieren können. Doch das Team wollte nicht.

„Wir hatten einen langen Tag hinter uns mit vielen Einsätzen“, sagte einer der Sanitäter. Die Teamleiterin des Sanitätstrupps legte das dem Arzt nahe. Sie wollte den Patienten in einem Behandlungsraum abstellen und einen anderen Krankenwagen rufen, der dann den Rücktransport hätte übernehmen sollen. „Aber das ist vollkommen unmöglich, da das Ganze eine Zeit lang dauern kann und der Patient dann das Behandlungszimmer blockiert“, sagte der Arzt vor Gericht.

Die Sanitäterin behauptete, schon auf dem Hintransport, die Kollegen für den Rückweg informiert zu haben. „Die wären in fünf Minuten da gewesen“, erklärte sie. Diese Ausführungen bestätigten ihre Kollegen nicht. Erst in der Praxis und auch erst nach der vorausgegangenen verbalen Auseinandersetzung habe sie den Rücktransport organisiert. Ziemlich bestimmend sei die Sanitäterin gewesen, sagte eine Sprechstundenhilfe. Einen Streit habe sie nicht gehört, da sie im Empfangsbereich gearbeitet habe.

Einen Streit gab es aber vor dem Behandlungszimmer: „Der Arzt sagte zu mir ,Du Miststück, verlass’ jetzt meine Praxis’“, behauptete die Sanitäterin. Dann habe er sie am Arm gepackt und geschubst. Ein vorliegendes Attest bescheinigte keine Prellung oder Hämatom. Es habe aber weh getan, so die Sanitäterin. Ob sie ihre dicke Arbeitsjacke an diesem Wintertag trug, daran konnte sie sich nicht erinnern.

Der Arzt wiederum bestritt, die junge Frau beleidigt oder gar angefasst zu haben. Er habe sie lediglich aufgefordert, die Praxis zu verlassen. Eine Sprechstundenhilfe, die im Labor ganz nah am Geschehen war, will nichts gehört haben. Zwei andere Arzthelferinnen bezeugten jedoch, dass die Sanitäterin beim Verlassen der Praxis gesagt habe: „Der Arzt ist ein Arschloch.“

Die drei Sanitäter warteten dann auf ihre Kollegen für den Rücktransport, was sich nach vielen Aussagen auf eine Halbe- bis eine Dreiviertelstunde einpendelte. Den Patienten hatte der Arzt zuvor versorgt.

Das Gericht zog sich zweimal zur Beratung zurück. Im Einvernehmen mit der Staatsanwältin und dem Angeklagten mit seinem Verteidiger erging dann der Beschluss des Gerichts, das Verfahren gegen eine Geldauflage vorläufig einzustellen. Bis Ende Dezember muss der Angeklagte 5000 Euro an die Staatskasse zahlen, dann wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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