Unterricht in Zeiten einer Pandemie: Die Schulen im Landkreis haben verschiedene Konzepte erarbeitet, um auf neue Regeln bestmöglich reagieren zu können. dpa
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Zwei Tage weniger Unterricht haben die Schüler in diesem Jahr. (Symbolbild)

Ferienbeginn zwei Tage früher

Verständnis für vorgezogene Ferien - aber Notbetreuung muss sein

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Über diese Nachricht sprachen am Dienstag wohl alle Schüler, Lehrer und Eltern: Die Weihnachtsferien beginnen früher als gedacht, nämlich schon am 21. Dezember. Drei Schulleiter und eine Landkreis-Elternbeirätin sehen das gelassen.

Landkreis – Es war am Dienstag, 7:57 Uhr, als Ministerpräsident Markus Söder folgende Nachricht twitterte: „Bayern zieht wegen Corona den Beginn der Weihnachtsferien vor. Letzter Schultag ist der 18. Dezember.“ Der Beitrag machte schnell die Runde. Trotzdem hielten sich im Laufe des Tages viele Schulleiter im Landkreis bedeckt. Diejenigen, die Stellung zu der Nachricht nahmen, können mit der Entscheidung aber gut leben.

Severin Hammel zum Beispiel war am Dienstagvormittag gelassen. „Ich bin kein Mediziner“, sagte der Schulleiter der Heinrich-Campendonk-Realschule. Aber er könne sich vorstellen, dass der vorgezogene Ferienbeginn dazu dienen kann, das Infektionsrisiko zu verringern. „Wenn es dann dazu führt, dass die Kinder sicherer Weihnachten mit den Großeltern feiern können, ist das die zwei Tage wert.“ Vom Unterrichtsstoff her seien die ausfallenden Stunden zu verschmerzen. Normalerweise würde es vor den Ferien einen Gottesdienst und gemeinsames Plätzchenessen geben – „da war heuer sowieso nichts geplant“.

Hammel ist zudem überzeugt, dass es für Eltern, die sich nicht frei nehmen können, eine Lösung geben wird. „Wir sind bereit, eine Notbetreuung anzubieten. Ich denke, dass das auch vom Ministerium so angedacht ist.“

Notbetreuung gefordert

Dass diese auch notwendig ist, bestätigt Monika Proske, stellvertretende Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirates im Landkreis. „Für viele Eltern sind vorgezogene Ferien schwierig. Sie müssen ja arbeiten“, sagt die Peißenbergerin. Proske hat neun Kinder, drei von ihnen gehen zur Schule. Betreuungsschwierigkeiten hat sie nicht. „Wir haben da einen Luxus, mein Mann ist Lehrer. Er ist also auch daheim, wenn die Schule geschlossen hat.“ Trotzdem müsse für andere Familien eine Lösung gefunden werden. Insgesamt findet sie den Ausfall der zwei Schultage „nicht besonders tragisch“, wenn es dazu dient, die Ansteckungsgefahr zu verringern. „Es ist wichtig, dass Kinder Kontakt zu den Großeltern haben können.“ Um das zu ermöglichen, müsse auch jeder eigenverantwortlich handeln – sich selbst schützen und gesund leben, „um das Immunsystem zu stärken“. Das gelte für alle, nicht nur für Schüler. Ohnehin hegt die Peißenbergerin Zweifel daran, dass die Schulen ein Corona-Hotspot sind.

Einige Schulleiter sehr zurückhaltend

Davon ist auch Bernhard O’Connor, Schulleiter am Welfen-Gymnasium Schongau, nicht ganz überzeugt. „Ich kann nur für unsere Schule sprechen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass vom Schulbetrieb eine große Gefahr ausging.“ Trotzdem kann er mit der Entscheidung „gut leben. Vor allem, wenn es dazu beiträgt, dass das Weihnachtsfest mit der Familie stattfinden kann“. Um den versäumten Stoff macht sich O‘Connor wenig Gedanken – weil das laufende Schuljahr mit wenigen Ausnahmen, in denen einzelne Klassen in Quarantäne waren, reibungslos ablief. „Wir hatten Schule im Vollbetrieb, weil es nicht wie sonst Zusatzveranstaltungen gab“ – keine Theaterauftritte, keine Schüleraustausche, keine Konzerte oder Wandertage. Stattdessen Unterricht, Unterricht, Unterricht. „Dadurch haben wir einiges aus dem Frühjahr aufgeholt.“

Andere Schulleiter lehnten eine Stellungnahme zum Thema komplett ab. Oder hielten sich wie Tobias Pupeter, Rektor an der Grundschule Weilheim am Hardt, sehr bedeckt. „Uns liegen noch keine offiziellen Informationen vor“, schrieb er am Nachmittag in einer E-Mail an die Heimatzeitung. Deshalb nahm er zur Entscheidung selbst auch keine Stellung. Wie er berichtet, würden die nach vorn verlängerten Schultage aber wohl nicht allzu viel Probleme machen. Der aus dem Frühjahr fehlende Stoff werde in Förderstunden vermittelt. „Die fehlenden Schultage beeinträchtigen dies nicht.“

Das Coronavirus hält den Landkreis schon seit Wochen in Atem: Die Entwicklung von August bis Mitte November können Sie in diesem News-Ticker nachlesen. Die neuesten Entwicklungen finden Sie hier: News-Ticker.

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