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Viel Arbeit, wenig Umsatz - Reisebranche dennoch zuversichtlich

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Menschen sitzen mit Maske in einem Reisebus
Die Reisebranche ist von der Corona-Krise schwer betroffen. Viele Busunternehmer - wie hier (l.) Anton Oppenrieder - sind aber zuversichtlich. (Archivbild) © Ralf Ruder

Die Corona-Krise bedroht die Reisebüros und -veranstalter, weil viele Reisen immer noch nicht möglich sind. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Nahzielen. In Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz sind Ferienwohnungen gefragt, für die Anreise wählen Familien oft das eigene Auto, Senioren ziehen den Bus vor.

Landkreis – „Die Politik macht es sich einfach“, stellt Claudia Schwarzer, die Inhaberin von „Glückauf-Reisen“ in Peiting, fest. Das sei das große Problem der Reisebranche. Da werde ein Land gesperrt, und die Reisebüros müssten von heute auf morgen alle Stornierungen bearbeiten. „Wieviel Arbeit das macht, sehen die Politiker nicht“, so ihre Kritik. Insgesamt sei die Situation für Reisebüros „mehr als schwierig“.

Viel Arbeit mit Stornierungen und kaum Einnahmen

Seit März gebe es fast keine Einnahmen mehr, dafür aber viel Arbeit mit Stornierungen. „Ein ganzer Wirtschaftszweig steht am Abgrund“, sagt Schwarzer. Im Augenblick kann sie ihren Kunden, die trotz Corona verreisen wollen, nur empfehlen, mit dem Auto nach Österreich zu fahren – „weil wir ehrlich sind“, so ihre Begründung. Reisen in andere, ferne Länder, seien zwar möglich, es könne aber bei einer Schließung der Grenzen ein Problem mit dem Rückflug geben. In Österreich gebe es noch genügend freie Hotelzimmer – „und Kärnten ist auch wettertechnisch recht sicher“. Änliches gelte für Südtirol und die Adria.

Uta Orawetz vom „Reisebüro Simader“ in Weilheim stellt bei ihren Kunden einen klaren Trend fest: „Abwarten“. Die Kunden seien verunsichert und daher extrem vorsichtig. Fernreisen gehen so gut wie gar nicht mehr, dafür würden die Kunden kurzfristig Ferienwohnungen und -häuser in Deutschland und Österreich buchen. Auch Griechenland und die Kanaren seien gefragt.

Viele kurzfristige Buchungen nach Österreich und Italien

Andrea Coopman vom „Tui Travel Star Volksbank-Reisebüro“ in Penzberg ist derzeit viel mit Umbuchungen beschäftigt. Die Kunden wollen ihre Reisen machen, verschieben diese aber aufs nächste Jahr. Außerdem hat sie zahlreiche kurzfristige Buchungen für Deutschland, Österreich und Italien, wobei viele Familien selbst mit dem Auto anreisen wollen. Unschlüssigen Kunden empfiehlt sie Griechenland und die Kanarischen Inseln.

Auch die Busunternehmer, die Tages- und Mehrtagesfahrten veranstalten, sind hart von der Krise getroffen. Michael Sprenzel, Inhaber von „Heinz Sprenzel Reisen“ in Bernbeuren, steht vor dem Problem, dass die Auslastung seiner vier Busse zu gering ist. Nur zwei bis drei Tagesfahrten macht er derzeit jede Woche. Sprenzel stellt fest, dass es zwar Menschen gibt, die jetzt lieber zuhause bleiben, „aber die meisten wollen doch weg“. Vor allem die langjährigen Stammgäste würden dem Unternehmen aber die Treue halten. Also bietet er Fahrten in Deutschland, nach Österreich und in die Schweiz an.

Für Busunternehmer ist „Aufgeben keine Lösung“

Was diese Länder angeht, hat er „ein sehr gutes Gefühl“. Ein Wochenende in der Schweiz, einschließlich Fahrt mit Glacier-Express und der Pilatus-Bahn, kommt bei seinen Gästen besonders gut an. Im Bus besteht Maskenpflicht, auch längere Pausen zur Bewegung ohne Maske im Freien sind Teil des Hygienekonzepts, ebenso die geringere Auslastung der Busse. Auch wenn das Geschäft derzeit sehr schwierig ist, ist Sprenzel zuversichtlich: „Wir werden es schaffen.“

Dass „Aufgeben keine Lösung ist“, meint auch Anton Oppenrieder. Der Eberfinger Busunternehmer ist sich sicher: „Die Situation wird noch länger so bleiben, und wir müssen mit ihr umgehen.“ Gerade für viele ältere Menschen seien die Busreisen als Abwechslung und sozialer Kontakt wichtig, weil ihnen sonst „die Decke auf den Kopf fallen“ würde. Reisen in Deutschland und die Schweiz seien gefragt, auch Tagesfahrten nach Österreich, etwa in die Eng.

VON ALFRED SCHUBERT

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