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Handys erlaubt: Weilheimer Realschüler unterrichteten Senioren in der Nutzung ihrer Handys und Smartphones – die Nachfrage war hoch.

Weilheim

Viele Senioren beim Handy-Unterricht

In der Weilheimer Realschule wurde die erste Handy-Hilfe für Senioren angeboten. Dabei stellten Senioren ihre Fragen zum Mobiltelefon Schülern der achten und neunten Klasse. Das Angebot fand großen Anklang und soll fortgeführt werden.

Die Einzeltische sind zu Tafeln zusammengeschoben, der Lärmpegel ist höher, als es jedem Lehrer recht sein dürfte und das Durchschnittsalter der Anwesenden übersteigt wohl das jeder Vorlesung einer Universität. Ein merkwürdiges Bild ist es, das sich in den zwei Klassenzimmern der Realschule Weilheim abspielt. Und dennoch bleibt festzuhalten: Zweck erfüllt.

Kürzlich fand die erste kostenlose Handy-Hilfe für Senioren an der Realschule Weilheim statt. 26 Schüler der 8a und 9a hatten sich nach Schulschluss die Zeit genommen, um den Senioren zum Thema Handy beratend zur Seite zur stehen. „Ich war mir sicher, dass sich Schüler melden würden. Dass es so viele sind, hat mich schon überrascht“, sagte Schulleiterin Sabine Kreutle.

Die Idee kam von Utta Pollmeier von der Koordinierungsstelle Bürgerengagement am Landratsamt. Hintergrund war der Umstand, dass in der Weilheimer Kreisbehörde „in letzter Zeit öfters Anfragen“ von älteren Mitbürgern aufliefen, die sich Hilfe zum besseren Verständnis ihres Smartphones oder anderer Handymodelle wünschten, wie Pollmeier sagt.

Die Senioren kamen dem Angebot nur allzu gerne nach, sowohl Männer, als auch Frauen. Insgesamt 25 waren es, die die Zeit zurückdrehten und in einem Klassenzimmer Neues lernten. In einer 1:1-Betreuung saßen Schüler und Senior nebeneinander. Das Handy lag vor beiden auf dem Tisch. Nach einer kurzen Kennenlernphase ging die Fragerei auch schon los – ganz einfach und unproblematisch. „Ich habe extra einen Zettel mit Fragen vorbereitet“, sagte Wolf Grabow. Damit war er nicht allein. Viele der Senioren kamen mit gezielt vorbereiteten Fragen auf die Schüler zu. „Bis auf eine sehr spezifische Frage konnten alle geklärt werden“, erzählte er.

Wiltrut Knabe sagte: „Ich bin begeistert, mit welcher Ruhe die Schüler uns alles erklären.“ In einem Seniorenhaushalt lebend, sei sie auf sich allein gestellt und froh über das Angebot, so Knabe weiter. Tatsächlich agierten die Schüler sehr routiniert. Kannte sich mal einer mit einem Handymodell nicht aus, wurde einfach ein Mitschüler gefragt. Vom alten Nokia bis zum neuesten Smartphone waren viele verschiedene Handymodelle mit dabei. Die Senioren stellten ihre Fragen, die Schüler führten die Lösung vor und danach probierten es die älteren Herrschaften gleich selber aus. Manche hatten einen Notizblock dabei und schrieben sich jeden Schritt genau auf.

Die Themen dabei waren ganz vielfältig. Vor allem der Nachrichtendienst „WhatsApp“ war Teil vieler Fragen. Daneben zum Beispiel aber auch die Videofunktion, die Änderung der PIN oder das Nutzen von WLAN oder Mobilen Daten. „Ich glaube vielen von uns fehlt einfach der Mut draufzudrücken“, beschrieb Knabe die Unsicherheit in der älteren Bevölkerung. Sie hoffe, dass eine solche Veranstaltung wiederholt werde, sagte sie. Mit dieser Meinung war Knabe nicht allein. Die Handy-Hilfe kam so gut an, dass Sabine Kreutle ankündigte, von nun an jedes Jahr eine solche Möglichkeit in der Weilheimer Realschule anzubieten.

Dabei war die Veranstaltung in der Schule noch nicht alles. Eine Klasse hat sich zum Ziel gesetzt, ein Weilheimer Altenheim zu besuchen und den Menschen direkt vor Ort zu helfen.

Was für die Schüler dabei herausspringt? Einerseits sammelten sie wichtige Erfahrungen im menschlichen Umgang. Andererseits erhalten die Schüler vom Landratsamt ein Zertifikat. „Das wird gleich in die Bewerbungsmappe gepackt“, sagte Kreutle. Zudem erhielt der eine oder andere für seine Hilfe ein kleines Taschengeld. Nach rund einer Stunde hatten die ersten Senioren alle Fragen geklärt. Andere arbeiteten sich derweil immer tiefer in den neuen Lernstoff ein.

Phillip Plesch

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