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Voller Tariflohn und Gelegenheit zum Deutschlernen: IG Metall hilft Geflüchteten bei Integration

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Von: Jennifer Battaglia

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Neu im Team der IG Metall Weilheim: Karl Musiol (links). Der 38-Jährige wurde von Helmut Dinter (1. Bevollmächtigter der IG Metall Weilheim) willkommen geheißen. Auf Spracherwerb wird Wert gelegt
Neu im Team der IG Metall Weilheim: Karl Musiol (links). Der 38-Jährige wurde von Helmut Dinter (1. Bevollmächtigter der IG Metall Weilheim) willkommen geheißen. Auf Spracherwerb wird Wert gelegt © ruder

Um Geflüchteten die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, hat die IG Metall Bayern mit dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie einen Tarifvertrag vereinbart. Durch ein Integrationsjahr möchte man den Geflüchteten neue Ausbildungs- und Berufsperspektiven ermöglichen.

Landkreis – Nicht ausschließlich, aber insbesondere auch wegen der Geflüchteten aus der Ukraine haben die IG Metall Bayern und der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (kurz: vbm) einen Tarifvertrag vereinbart. Mit einem sogenannten Integrationsjahr möchte man Geflüchteten die Chance für einen Einstieg in die Metall- und Elektro-Industrie im Freistaat bieten. Bereits am 1. Juni war der Tarifvertrag in Kraft getreten.

„Es ist ein guter Kompromiss“, sagt Helmut Dinter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Weilheim. Schon seit der Flüchtlingskrise 2015/2016 habe es viele Geflüchtete gegeben, die zwar gerne arbeiten würden, durch fehlende Sprachkenntnisse und hohe bürokratische Hürden aber immer wieder ausgebremst werden. Derweil verschärft sich der Fachkräftemangel in der Metall- und Elektro-Industrie. „Die Betriebe suchen ja händeringend nach Mitarbeitern“, schildert Dinter die aktuelle Situation.

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Der vereinbarte Tarifvertrag gilt für Geflüchtete, die auf Basis von § 24 Aufenthaltsgesetz einen Aufenthaltstitel haben. Bis zu zwölf Monate können die Flüchtlinge dann befristet angestellt werden. Dabei werden sie zu den gleichen Bedingungen eingestellt und entlohnt wie alle anderen im Tarifvertrag Beschäftigten – mit lediglich zwei Ausnahmen. Sie bekommen kein zusätzliches Urlaubsgeld und es entfallen Einmalzahlungen. Das entspricht in etwa einem Monatsgehalt pro Jahr weniger als andere Beschäftigte im Betrieb.

Auf den Spracherwerb wird besonders Wert gelegt

Auf den Spracherwerb wird während des Integrationsjahres besonderen Wert gelegt. Die Beschäftigten müssen dazu bereits sein, mindestens 132 Stunden pro Jahr in das Erlernen der deutschen Sprache zu investieren – das außerhalb der Arbeitszeit. Wer im Jahr mehr als 132 Stunden einen Deutschkurs besucht, wird vom Arbeitgeber dafür auch entlohnt: Bei bis zu 192 Stunden bekommt der Geflüchtete die Hälfte der Stunden als Arbeitszeit vergütet. Ist er bereit, noch mehr Stunden für den Spracherwerb aufzuwenden, werden vom Arbeitgeber alle Stunden bezahlt. Vertraglich ist außerdem festgelegt, dass der Geflüchtete nach einem erfolgreichen Durchlaufen eines Integrationsjahres bei der Einstellung von Auszubildenden im Betrieb seines Arbeitgebers bevorzugt berücksichtigt werden muss. Dies gilt für duale Studiengänge.

„Das sind die Leitplanken rechts und links“, sagt Dinter zu den genannten Inhalten des Tarifvertrages. Wie das Integrationsjahr dann konkret in den jeweiligen Betrieben gehandhabt wird, muss von den Betriebsräten gemeinsam mit den Geschäftsleitungen ausgehandelt werden. Dinter appelliert an alle Betriebe, den Tarifvertrag Integration auch zur Anwendung zu bringen.

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