Im Munich Urban Colab trafen wir die Grünen-Kandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski.
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Im Munich Urban Colab trafen wir die Grünen-Kandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski.

BUNDESTAGS-KANDIDATEN IM PORTRÄT: Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski (Grüne)

Die Grüne Investment-Managerin ist ständig auf der Suche nach neuen Ideen

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski (Grüne) aus Weilheim.

Weilheim – Die Grünen-Direktkandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski tut sich schwer, ihren Arbeitsplatz zu präsentieren. Sie ist Investment Managerin, angestellt bei einem Wagniskapitalgeber – bei der KfW und dem europäischen Investitionsfond (EIF). An ihrem Schreibtisch möchte sie mit Rücksicht auf ihren Arbeitgeber nicht besucht werden. „Ohnehin sitze ich eher eine geringe Zeit im Büro am Computer“, erzählt die Weilheimerin. Ohne Corona wäre sie einen Großteil des Monats auf Reisen, innerhalb Deutschlands, aber auch im europäischen Ausland.

Für das Interview hat sie stattdessen einen Treffpunkt im Munich Urban Colab gewählt, einen Steinwurf von der Hochschule München an der Lothstraße entfernt. Ein Platz, an dem sich Start-ups einen Coworking-Space mieten können. „Auch das ist mein beruflicher Alltag: Start-ups zu treffen, mit den jungen Gründern zusammenzuarbeiten, deshalb passt diese Umgebung sehr gut“, erklärt die 37-Jährige bei Waldbeerentee und Bananenkuchen. Sie nutzt die Zeit für eine Mittagspause.

Bundestagskandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski (Grüne): Ständig auf der Suche nach neuen Ideen

Als Start-up-Investorin ist Löwenbourg-Brzezinski ständig auf der Suche nach neuen Ideen, neuen Geschäftsmodellen und neuen Technologien. Fachkonferenzen wie die „Hinterland of Things“ in Bielefeld nutzt sie für die Kontaktaufnahme, auch sämtliche Medien und digitalen Kanäle werden nach Trends durchforstet. Und Vernetzung sei wichtig.

Der Fokus für die Investitionen liege nicht auf dem Gesundheitssektor oder der Medizintechnik, es gehe um Ernährungstrends, auch Sport, vor allem an der Schnittstelle Gesundheit. Man sei nicht einfach nur Geldgeber, sondern erwerbe auch Firmenanteile. Als Gesellschafter sei man nicht nur Berater bei den Finanzen, sondern unterstütze auch bei der Personalplanung oder der Produktplatzierung. Bei vier Unternehmen sitzt die junge Investorin selbst im Beirat.

In Berlin könnten ihre Erfahrungen in diesem Bereich sehr nützlich sein, meint Löwenbourg-Brzezinski. „Auch der Staat ist als Investor tätig und ist ein Eigentümer.“ Von den jungen Unternehmern könne man viel übernehmen. „Nachhaltigkeit ist ein Erfolgsfaktor, da sind die jungen Gründer:innen vielfach weiter als die großen Unternehmen.“ Die Grünen seien sehr Start-up-freundlich, die Erleichterung von Gründungen stehe im Programm.

Bundestagskandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski (Grüne): Frauen sollen unterstützt werden

Speziell Frauen möchte die Weilheimerin dabei unterstützen, denn nur 15 Prozent der Start-up-Unternehmerinnen seien Frauen. Vom Gerät fürs Beckenbodentraining bis hin zur App zum Temperaturmessen für die Verhütung – vieles spreche nur Frauen an. Und kommen erst gar nicht auf den Markt, denn auch bei den Entscheidungsträgern sitzen überwiegend Männer: „Bei den Tampons und Binden aus Biobaumwolle hat es sehr geholfen, das Thema für meine männlichen Kollegen zu übersetzen“, sagt die 37-Jährige und lacht.

Auch müssten viel mehr Frauen in Deutschland investieren. „Ich bin die einzige Frau im Investmentteam.“ Und nicht zuletzt fehlten Start-ups aus allen sozialen Bereichen, etwa Gründer mit Migrationshintergrund. „Wir brauchen jedes Talent, jeden Kopf, jedes Hirn.“

Die Arbeit mit den jungen Unternehmern mache sie zufrieden, erklärt Löwenbourg-Brzezinski. „Sie haben einen optimistischen Blick, wollen die Welt verbessern. Und sie gehen mit viel Motivation ran.“ Es sei toll zu sehen, wenn etwa Flixbus der Bahn Konkurrenz macht und nun sogar die ersten Biogasbusse einsetzt. Ebenfalls interessant: Start-ups abseits der großen Gründerzentren – „aus der bayerischen Provinz“. Als Beispiele nennt sie „mymuesli“ aus Passau oder den Murnauer Ortsbus von „Omobi“.

Bundestagskandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski (Grüne): Viel zu tun in Sachen Mobilität

Speziell in Sachen Mobilität gebe es viele Ideen, und noch viel mehr zu tun, auch in ihrem Wahlkreis, wenn man beispielsweise an Werdenfels- und Fuchstalbahn denkt. „Man müsste die Bahn, die zu 100 Prozent im Staatseigentum ist, an ihren gesellschaftlichen Auftrag erinnern und entsprechend ausstatten – die Schiene wurde kaputtgespart.“ Während in Nachbarländern drei bis fünf Mal so viel investiert werde, fahre man bei der DB teilweise mit „König-Ludwig-Technologie“.

Zu wenig Geld werde auch in den Unterhalt von Straßen und Brücken gesteckt. Neue Straßen würde sie dagegen nicht bauen – stattdessen lieber alternative Wege finden. Und Fahrradwege ausbauen.

Sie blitzen also doch immer wieder durch, die grünen Themen. „Ich bin vielleicht nicht so, wie man sich eine typische Grünen-Kandidatin vorstellt, bin aber mit offenen Armen empfangen worden“, beschreibt es Löwenbourg-Brzezinski. Ihre Erfahrungen im Finanzbereich seien erkannt worden. Und würden sehr gut zu den Grünen passen. „Wenn wir die Klimakrise stemmen wollen, brauchen wir große Investitionssummen.“ Dies als staatlicher Investor zu steuern, sei wiederum ein wichtiger Teil für nachhaltige Politik. Am Ende des Tages zähle nur, die Lebensgrundlage zu erhalten. „Die ganze Wirtschaft und der Reichtum nutzen nichts, wenn die Umwelt zerstört ist.“

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