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Im Pfarrheim „Miteinander“ in Weilheim fand die Willkommens-Party statt.

Speed-Dating für Arbeitskräfte

Vorbild für  ganz  Deutschland

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Pflegekräfte aus  vielen Ländern Europas wurden in Weilheim begrüßt. Diese Aktion der Agentur für Arbeit ist eine ganz besondere. 

Weilheim – Wie gut, dass Eduardo Hernàndez das Angebot im Internet entdeckt hat. Der 43-jährige Spanier ist Teilnehmer des bundesweit einmaligen Berufsprojekts „Altenpflege ProAktiv“, das die Weilheimer Agentur für Arbeit gestartet hat. 26 Teilnehmer aus Spanien, Slowenien und der Slowakei fanden einen Ausbildungsplatz in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Starnberg, Fürstenfeldbruck und Landsberg. Sie sollen die Lücke bei Pflegefachkräften schließen helfen. Am Montag begannen die Teilnehmer mit ihrer Arbeit und dem Deutschunterricht, im Herbst beginnt die dreijährige Ausbildung.

Am Donnerstagabend wurden sie mit einer Feier im Weilheimer Pfarrheim „Miteinander“ willkommen geheißen. Auch Eduardo Hernàndez war dabei. Zu Hause auf der Ferieninsel Teneriffa arbeitete er im Hotelgewerbe. Sein Problem waren die dort üblichen Zeitverträge. Er habe aber etwas „für länger“ gewollt, sagt Hernàndez – auch, weil er für Frau und Kind eine bessere Zukunft wolle.

Hinter dem Altenpflege-Projekt steht eine Kooperation. Angestoßen vom Vorsitzenden der Agentur-Geschäftsführung, Michael Schankweiler: Weil mit gängigen Methoden Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden sind, wird ins EU-Ausland geschaut. Federführend ist Anja Seibold vom Arbeitgeberservice und Agenturberaterin fürs Programm „European Employment Services“ (EURES). Seibold tauscht sich mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) sowie dem Internationalen Personalservice (IPS) aus. Mit beiden wurde das Projekt ins Leben gerufen.

Im Frühjahr 2017 wurden 200 Arbeitgeber, von stationären bis mobilen Pflegeeinrichtungen, angeschrieben. Circa 60 Adressaten zeigten laut Seibold Interesse. Im Oktober gab es Infotage in Weilheim und Landsberg. Dann wurde das EURES-Angebot beworben. Mehr als 100 Interessenten meldeten sich, die meisten aus Spanien. Wichtigstes Kriterium als Voraussetzung für die Ausbildung war ein Schulabschluss vergleichbar der mittleren Reife, so Seibold. Bei zwei „Speed-Dating“-Terminen im Januar und Februar kamen elf Arbeitgeber und 30 Bewerber aus Spanien, Slowenien, der Slowakei und Polen zusammen – für 26 Kandidaten von Mitte 20 bis Mitte 40 Jahren wurde ein Ausbildungsplatz ab September zum examinierten Altenpfleger gefunden.

Die Einstellung lohnt sich für die Unternehmen – drei aus Weilheim-Schongau, fünf aus Fürstenfeldbruck, eines aus Landsberg und zwei aus Garmisch-Partenkirchen – doppelt: Sie bekommen einen Mitarbeiter und die Qualifizierung wird über die Arbeitsagentur gefördert. Bis 31. August stehen Deutschkurse an, zudem sind die Männer und Frauen bei den Betrieben als Altenpflege-Helfer eingestellt.

Agentur-Geschäftsführerin Monika Lex nennt das Projekt zufrieden „eine Antwort auf den Fachkräftemangel“. Vergleichbares hatten die Weilheimer Arbeitsvermittler übrigens bereits 2014/2015 im Bereich Garmisch-Partenkirchen für den Hotelfachbereich auf den Weg gebracht.

Eduardo Hernàndez ist zufrieden. Der Mann von den Kanaren hat eine Stelle in der Weilheimer Pflegeresidenz „Curata“ gefunden. „Schön und gut“ sei es dort. Seine Familie will Hernàndez nachholen. Genau das hören die Initiatoren gern. Denn die Teilnehmer sollen nicht nur ihren vollständigen Berufsabschluss erlangen, sagte Agentur-Geschäftsführerin Monika Lex bei der Feier, sondern Weilheim und die anderen Orte „als Teil ihrer Heimat betrachten“. Sie hoffe, dass die 29 Teilnehmer „vielleicht hier Fuß fassen mit ihren Familien“, ergänzte Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Auch Sebastian Kramer, Wirtschaftsförderer am Landratsamt Garmisch-Partnerkirchen, hofft auf „eine langfristige Beziehung“ zwischen Altenpflegern aus dem Ausland und heimischen Betrieben.

Das Weilheimer Pflege-Projekt findet bereits Anklang: Die Arbeitsagenturen Schwandorf und Donauwörth sind aufgesprungen.

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