Vortrag zu Admiral Hipper in Weilheim 

Admiral-Hipper-Straße umbenennen?

Weilheim - Fregattenkapitän a.D. Bernd Lehman informierte über Ritter Franz von Hipper - und stellte auch seine wenig glorreiche Rolle heraus.

Rund 60 Besucher waren auf Einladung der Marine-Kameradschaft Weilheim ins Gasthaus „Oberbräu“ gekommen, um sich von Bernd Lehmann über Ritter Franz von Hipper informieren zu lassen, dem vor 100 Jahren die Ehrenbürgerwürde Weilheims verliehen worden ist. Lehmann fragte bei der Stadt, ob eine Umbenennung der Straße ein Thema sei – wie dies vor über zwei Jahrzehnten der Fall war.

Der Fregattenkapitän a.D. stellte fest, dass sein Vortrag „keine Heldenverehrung, sondern eine Nachzeichnung seines Lebens“ sei. So beschränkte sich Lehmann nicht auf militärische Details, sondern lieferte auch Informationen, die Hipper wenig glorreich erscheinen lassen. So habe er nicht nur gegen die Royal Navy Krieg geführt, sondern Ende 1914 auch die Zivilbevölkerung an der englischen Küste beschossen, was ihm in England die Bezeichnung „Baby Killer“ einbrachte. In Deutschland seien seine Taten bejubelt worden.

Fregattenkapitän a.D. Bernd Lehmann.

Am 24. Februar 1915 beschloss der Weilheimer Stadtrat, die Herrenstraße in Admiral-Hipper-Straße umzubenennen. Nach der Schlacht vor dem Skagerrak 1916 mit 8500 Toten wurde in Weilheim eine Siegesfeier auf dem Hauptplatz organisiert und Hipper die Ehrenbürgerwürde verliehen. Der in Weilheim Geborene habe sich auch für den U-Boot-Krieg gegen zivile Schiffe und die Vollstreckung der Todesstrafe an Matrosen, die gegen den Krieg waren, eingesetzt. Außerdem habe er den Plan unterstützt, zum Kriegsende die Flotte samt Matrosen in einer sinnlosen Seeschlacht zu versenken, was zur Revolution führte. Im Dezember 1918 reichte Hipper sein Rücktrittsgesuch ein und wurde pensioniert. Er starb am 25. Mai 1932 in Othmarschen bei Hamburg. Seine Asche wurde in Weilheim beigesetzt. Anlässlich des alle zehn Jahre geplanten Skagerrak-Gedenktags sollte Hipper 1936 in Weilheim ein Denkmal an der südlichen Stadtmauer errichtet werden. Außerhalb der Mauer sollte ein Aufmarschplatz mit einem Gedenkstein entstehen, in der Stadtmauer waren Halterungen für Fackeln vorgesehen. Das Vorhaben wurde aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt. Lehmann beschäftigte sich auch damit, wie Hipper jüngst in Erscheinung trat. So sei der Gedenktag 1946 – fehlende Berichte wiesen darauf hin – wohl ausgefallen, dann aber alle zehn Jahre wiederholt worden, 1976 sogar mit Bundeswehr und Reichskriegsflagge am Denkmal in Weilheim.

Nach seinen Vortrag wollte Lehmann auf Fragen aus dem Publikum antworten. Es kamen aber keine. So fragte er Markus Loth, wie der Stadtrat Hipper sehe. Der Bürgermeister sagte, dass der Stadtrat gerade mit anderen Themen beschäftigt sei. Die zweite Nachfrage, ob es Bestrebungen gebe, die Admiral-Hipper-Straße umzubenennen, blieb unbeantwortet. Eine Umbenennung aufgrund einer Neubewertung von Persönlichkeiten ist laut Lehmann nicht unüblich. Dies gelte etwa für Plätze, die den Namen Hindenburgs tragen. Auch in Weilheim ist schon ein Platz umbenannt worden: Der Adolf-Hitler-Platz heißt jetzt Marienplatz.

Text: Alfred Schubert

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