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Der Entwurf von Architekt Francis Kéré für die Waldorfschule Weilheim: Die mittleren Gebäude sollen als erstes realisiert und 2022 bezogen werden. Unten die späteren Bauten für Turnhalle, Festsaal und Mensa, die mit begrünten und bepflanzten Dächern zugleich als Lärmschutz zum Narbonner Ring dienen.

Planung für Waldorfschule Weilheim vorgestellt

Eine Schule, die alle begeistert

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Voller Vorfreude hat der Stadtrat das Bebauungsplanverfahren für die Waldorfschule am Ostrand Weilheims eingeleitet. Die vom Stararchitekten Francis Kéré geplanten Gebäude seien „preiswürdig“.

Weilheim – Direkt von einem Termin in New York war Kéré am Donnerstagabend in den Weilheimer Stadtrat gekommen, um seine Planung vorzustellen. Zwar habe er ein halbes Jahr in Bayern gelebt, als er 1985 dank eines Stipendiums zum Studium nach Deutschland kam. Zudem ist der mittlerweile preisgekrönte Architekt mit Büro in Berlin seit 2017 Professor an der TU München. Doch vor einem bayerischen Stadtrat stehe er nun zum ersten Mal, sagte der 54-Jährige, der aus Burkina Faso stammt und unter anderem als Architekt des „Operndorfs Afrika“ (einer Idee des Regisseurs Christoph Schlingensief) berühmt wurde, bei der Sitzung im Rathaus.

Sein Entwurf für Weilheim dürfte freilich auch außerhalb Bayerns Beachtung finden. „Das ist einzigartig, so was hab’ ich noch nie gesehen“, sagte Grünen-Stadtrat und Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl nach der Präsentation: Diese Planung sei preiswürdig, „auch international sollte man mit so was richtig angeben“.

„Man steht nicht vor einem Monster“

„Das ist kein dominierender Baukörper. Man steht nicht vor einem Monster, nicht vor einem Klotz“ so beschrieb Kéré, was auf dem jetzt noch landwirtschaftlich genutzten Grundstück an der Ecke Narbonner Ring/Hardtkapellenstraße geplant ist. Der Hauptkomplex mit Grundschule, Gymnasium, Kunst- und Eurythmieräumen – voraussichtlich ein Holzständerbau – ist filigran-verschachtelt angelegt. Die Schüler sollen ihre Klassenzimmer schon von außen erkennen und sich mit ihnen identifizieren können, erklärte der Architekt.

2022 soll die Waldorfschule bezogen werden

Diesen ersten Bauteil möchte die bislang in Huglfing untergebrachte „Freie Waldorfschule Weilheim“ im Sommer 2022 beziehen. Die Kosten beziffert Eva Seidel vom Vorstand der Schulgenossenschaft auf rund neun Millionen Euro. Etwa die Hälfte gibt der Freistaat, „den Rest müssen wir selber stemmen“, so Seidel. Nach und nach werde der Komplex dann erweitert: In Holzpavillons kommen Werkstätten hinzu, zum Narbonner Ring sind eine Sporthalle, ein Festsaal und eine Mensa geplant, die mit ihren geschwungenen, bepflanzten und begehbaren Dächern zugleich den Straßenlärm abschirmen.

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Bis alles steht, dürften rund 15 Jahre vergehen. Im „Endausbau“ wird die Schule (die in Huglfing derzeit 165 Schüler in den Klassen 1 bis 7 hat) laut Seidel rund 420 Schüler in den Klassen 1 bis 13 zählen – ein Drittel bis die Hälfte davon aus Weilheim, der Rest aus dem Landkreis.

Am Narbonner Ring ist eine Bushaltestelle für die Schule geplant, auch die geforderten bis zu 70 Autostellplätze werden dort liegen (mit Zufahrt von der Verlängerung der Hardtkapellenstraße). Wunsch der Schule ist, dass das Gelände am Abend und Wochenende auch von Bürgern genutzt werden kann: „Wir sehen es als Lebensraum für alle“, so Seidel. „Das wird kein Fremdkörper, nein, es entsteht eine Anlage für die Stadt“, sagte Kéré.

„Hier entsteht eine Anlage für die Stadt“

Insbesondere dieser Ansatz gefällt Weilheims Stadträten – neben der Architektur. Der Schulbau werde „ausstrahlen über Weilheim hinaus“, freute sich Brigitte Holeczek (BfW) und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass nicht zu viel abgespeckt wird.“ Von einem „tollen Projekt“ mit „spannender, hochwertiger Architektur“ sprach Marion Lunz-Schmieder (CSU), von einem „weiteren Stern für Weilheim“ Walter Weber (FW), „singulär und unverwechselbar“ nannte Michael Lorbacher (SPD) die Planung.

Der Stadtrat hat das Bebauungsplan-Konzept einstimmig beschlossen – was Kéré ausrufen ließ: „Ich liebe Bayern!“

mr

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