Lieferzeiten von bis zu 200 Tagen

E-Mobilität: Kunden kaufen Ladestation - obwohl sie kein E-Auto haben

  • Stephanie Uehlein
    vonStephanie Uehlein
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  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz
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Die Bundesregierung fördert derzeit nicht nur den Kauf von E-Autos und Plug-in-Hybriden, auch bei der Installation einer Wallbox gibt es einen fetten Zuschuss vom Staat.

Landkreis – Der Kauf einer Ladestation für E-Autos, einer sogenannten Wallbox, wird aktuell unter bestimmten Bedingungen staatlich gefördert (siehe weiter unten im Text) – und das macht sich im Handel mit einem Engpass bemerkbar: Die Ladestationen, die für die Förderung infrage kämen und zudem preislich für viele Kunden interessant seien, seien derzeit vergriffen – „du kriegst nur die teuren Boxen“, sagt Hermann Numberger. Er ist Vorstandsmitglied der Innung für Elektro- und Informationstechnik Oberland und hat einen Betrieb in Pähl.

Kunden kaufen Ladestationen, obwohl sie sich kein E-Auto zulegen wollen

Der Elektromeister spricht deutliche Worte, wenn es ums Thema „Wallbox“ geht: 90 Prozent derer, die derzeit die staatliche Förderung durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) für die Anschaffung einer Ladestation nutzen, hätten gar kein E-Auto und wollten auch keines kaufen. Und der Umweltgedanke sei unbedeutend. Gekauft werde, „weil es nichts kostet“.

Wer es geschickt macht, kommt nämlich zum Beispiel bei der Anschaffung und Installation einer Wallbox mit einem Ladepunkt annähernd mit den 900 Euro Förderung aus, die die KfW dafür zahlt. Die Kunden „wollen am liebsten eine Rechnung über 900 Euro und einen Cent“, so Numbergers Einschätzung. Denn: 900 Euro müssen pro Ladepunkt mindestens investiert werden, um Fördergeld zu erhalten.

Lieferzeiten für beliebte Wallboxen liegen derzeit bei 150 bis 200 Tagen

Der Betrieb des Innungs-Vorstandsmitglieds hat heuer bisher etwa 15 Ladestationen bei Kunden installiert („davor war es vielleicht eine pro Jahr“). Zehn weitere der stark nachgefragten Geräte hat er im Großhandel bestellt und drei im Online-Handel. Doch geliefert wurde davon bislang nichts.

Im Internet würden für beliebte Wallboxen aktuell Lieferzeiten von 150 bis 200 Tagen angegeben, berichtet Numberger – „und unsere Großhändler nennen gar keine Termine mehr“. Selbst Kabel, die für die Einrichtung der Lademöglichkeiten nötig sind, werden laut dem Elektromeister schon knapp.

Bevor man loslegt, muss man unter www.public.kfw.de/zuschussportal-web/ einen Fördermittelantrag bei der KfW stellen. Maximal gibt es 900 Euro pro Ladepunkt für den Kauf und die Installation von Ladestationen an privat genutzten Stellplätzen von Wohngebäuden. Von der Förderung profitieren können übrigens nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Mieter und Vermieter. Ist der Antrag gestellt, dauert es in der Regel nur wenige Momente, bis die Zusage erteilt wird. Dann kann man aktiv werden.

Für einen Zuschuss der KfW müssen einige Kriterien erfüllt werden

An die Förderung sind einige Vorgaben gebunden, die beachtet werden müssen. So muss sich die Wallbox, die man anschafft, auf der Liste der förderfähigen Geräte befinden, die ebenfalls auf der oben genannten Seite aufgerufen werden kann. Den Zuschuss gibt es nur für Wallboxen bis elf kW Leistung, was aber ausreicht, um ein E-Auto zügig zu Hause aufladen zu können. Zudem muss eine Fachfirma mit der Installation beauftragt werden, weil man eine Rechnung zum Nachweis einreichen muss. Des Weiteren gibt es den Zuschuss nur, wenn die Gesamtkosten über 900 Euro liegen.

Verschiedene Förderprogramme der Bundesregierung sorgen derzeit dafür, dass E-Autos, Wallboxen zum Aufladen und Elektriker, die sie anschließen, heiß begehrt sind. Doch geht bei uns das Licht aus, wenn jetzt auf einmal alle ihre Autos zu Hause laden?

Vergleichen lohnt sich

Daher empfiehlt es sich, zuerst ein Angebot eines qualifizierten Elektrobetriebs einzuholen, um zu sehen, was der Anschluss der Wallbox kosten würde. Die meisten Betriebe bieten an, gleich die Ladestation mitzubestellen – hier lohnt sich unter Umständen aber durchaus der Vergleich. Hat man die Kosten für die Installation parat, weiß man, welches Budget für den Kauf der Ladesäule zur Verfügung steht. Hier gibt es ein breites Angebot verschiedenster förderfähiger Geräte.

Allerdings gibt es bei der Technik erhebliche Lieferprobleme. Da sollte man sich eine Wallbox heraussuchen, die lieferbar ist und deren Preis geeignet ist, den Differenzbetrag zwischen den Installationskosten und dem Mindestbetrag von 900 Euro möglichst optimal zu decken. Kommt man am Ende bei mindestens 901 Euro heraus, kann es losgehen und die Ladestation kostet de facto nichts. Die Rechnung muss man auslegen, das Geld kommt nach dem Hochladen der Nachweise von der KFW.

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Rubriklistenbild: © Andrea Warnecke/dpa

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