Stefan Emeis ist Professor für Meteorologie und seit 2020 im Weilheimer Stadtrat Referent für Umwelt und Klima.
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Stefan Emeis ist Professor für Meteorologie und seit 2020 im Weilheimer Stadtrat Referent für Umwelt und Klima.

Premiere im Weilheimer Stadtrat

Was die Stadt für die Umwelt tun kann

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Die Stadt hat in Sachen Umweltschutz schon einiges erreicht – und noch viel zu tun: Auf diesen Nenner lässt sich der Jahresbericht von Stefan Emeis als Stadtratsreferent für Umwelt und Klima bringen. Sein Vortrag war eine Premiere im Weilheimer Stadtrat.

Weilheim – Zum ersten Mal stand in der jüngsten Stadtratssitzung ein „Jahresbericht des Referenten für Umwelt und Klima“ auf der Tagesordnung – was auch daran liegt, dass es überhaupt erst seit Mai 2020 einen solchen Referenten im Weilheimer Stadtrat gibt. Grünen-Vertreter Stefan Emeis, der vergangenes Jahr neu in das Gremium gewählt wurde, hat dieses Amt übernommen. Und an seiner Kompetenz dafür herrscht kein Zweifel: Der 64-jährige Meteorologie-Professor arbeitet am Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen, zu seinen Hauptforschungsfeldern zählen die Klimaveränderung und die Windenergie.

Aktivitäten soll neuer Klimamanager koordinieren

Dass im Stadtrat ein Umwelt- und Klimareferat eingerichtet wurde, werde „der Dringlichkeit von Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels gerecht“, betonte Emeis – ebenso wie die Etablierung des Klimaausschusses und der einstimmige Beschluss, dass die Stadt Weilheim bis 2035 klimaneutral sein soll. Als wichtige, bereits erreichte oder beschlossene Marken auf diesem Weg nannte Emeis die Erstellung eines Energienutzungsplanes für die Stadt, die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, den Umstieg auf Elektro-Stadtbusse ab 2022 sowie die „Weilheimer Charta“, die Rahmenbedingungen für künftige nachhaltige Bauvorhaben in der Stadt setzen und auch Vorbild für andere Kommunen sein solle.

Koordinieren wird die Aktivitäten für besseren Umwelt- und Klimaschutz in Weilheim künftig ein Klimamanager, der heuer seine Arbeit im Rathaus aufnehmen soll. Er müsse als Stabsstelle „direkt dem Bürgermeister berichten“, forderte der Grünen-Stadtrat – und schloss ein Lob für Rathaus-Chef Markus Loth (BfW) an: Dieser habe bei seiner Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden des Bayerischen Städtetages den Klimaschutz so sehr „in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten gestellt“, lobte Emeis, „dass ich glücklich war, als ich das gelesen habe“.

Wichtiges Ziel ist Beendigung des Torfabbaus im Weilheimer Moos

Als wichtiges Ziel für „die vor uns liegende Zeit“ nannte der Umwelt- und Klimareferent die Beendigung des Torfabbaus im Weilheimer Moos. Zwar sei aktuell „kein großer Bereich“ mehr betroffen, doch weil es sich um den letzten kommerziellen Torfabbau in Bayern handle, komme „dieser Maßnahme auch eine hohe symbolische Bedeutung zu“, so Emeis: „Das Gelände wird danach in enger Abstimmung mit dem Landratsamt und der Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos unter Berücksichtigung der Interessen der Landwirtschaft renaturiert.“

Im Verkehrsbereich müsse die Stadt „den nicht-motorisierten Verkehr deutlich fördern“, so Emeis weiter, zum Beispiel mit durchgehenden Fahrradachsen. Und im Bausektor gelte es, den nachwachsenden Rohstoff Holz als Baumaterial zu forcieren und vom „Klimakiller“ Beton wegzukommen (siehe Kasten). Gebäude sollten künftig „weitgehend durch Nahwärmenetze, Wärmepumpen oder Pellets- und Hackschnitzelheizungen mit Wärme versorgt werden“, fordert der Klima-Experte, und Photovoltaik-Anlagen mit Speichern „sollen einen großen Teil der in der Stadt benötigten elektrischen Energie bereitstellen“.

Insgesamt sei man in puncto Umwelt- und Klimaschutz „auf einem langen Weg schon ganz gut vorangekommen“, so Emeis’ Fazit – doch es bleibe noch viel zu tun. Dabei könne vor Ort „nicht alles durch die Stadt initiiert und geschultert werden“, betonte der Grünen-Vertreter: „Vielmehr ist jeder Bürger aufgefordert, entsprechend seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten hier mitzuwirken.“ Die Stadt könne und müsse aber Vorbild sein „und versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten lenkend einzugreifen – zum Beispiel bei der Bau- und Verkehrsplanung“.

Weg vom „Klimakiller“ Beton: Emeis wirbt für Holz als Baumaterial

„Wir sollten auf den Holzweg kommen.“ So wirbt Stefan Emeis dafür, in Weilheim künftig vermehrt Holz als Baustoff zu verwenden – anstelle des „Klimakillers“ Beton. Stahlbeton ist laut Emeis für ca. acht Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich. Zudem sei der für Beton benötigte Sand immer schwerer zu beschaffen und Beton schwer recyclebar, also kaum in eine Kreislaufwirtschaft einzubeziehen. Dagegen entziehe Holz als Baustoff der Atmosphäre Kohlenstoff und speichere ihn auf lange Zeit in den Gebäuden. „Und endet die Lebenszeit eines Gebäudes, dann kann das Holz immer noch weiterverwendet werden“, so der Klima-Experte: „Damit sind Holzgebäude doppelt klimafreundlich.“

Der Weilheimer Stadtwald hat nach Emeis’ Schätzung einen jährlichen Holzzuwachs von rund 5500 Kubikmetern, davon seien gut 3000 Kubikmeter nutzbar. Mit dieser Menge könnte man jährlich ca. 60 Einfamilienhäuser bauen „und damit knapp 3500 Tonnen CO2 langfristig wegspeichern“, rechnet Emeis vor:. „Das heißt, Weilheim könnte seinen Wohnungsneubau aus eigenen Ressourcen bestreiten“ – mit „nahezu vernachlässigbarem“ Energieverbrauch beim Bau.

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