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Schlüsselübergabe: In einem der typischen Archivgänge erfolgte der symbolische Wechsel in der Archivleitung von Bernhard Wöll (r.) auf Dr. Joachim Heberlein. 

Wechsel im Weilheimer Stadtarchiv

Zum Abschied ein kritischer Blick nach vorn

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Archive gelten als das Gedächtnis der Welt. Das der Weilheimer Welt hat einen Namen: Bernhard Wöll. Ab 1984 leitete er das Stadtarchiv, nun geht er in Ruhestand. Die kommunalen Archive sieht er vor ihrer bislang größten Herausforderung: der dauerhaften Sicherung digitaler Informationen.

Weilheim – Erkenntnisse über den Einsatz von Zwangsarbeitern in Weilheim? Ein Bild vom Fliegerangriff auf den Weilheimer Bahnhof? Historische Daten zur 1000-Jahr-Feier Weilheims oder auch Unterlagen zur Ahnenforschung von Auswanderern? Im Stadtarchiv, jenem neuen Bau an der Alpenstraße, liegen Akten, Urkunden, Protokolle, Bücher, Fotografien und Zeitungen und Unterlagen auf 1358 Metern Regal, oft sind sie hunderte von Jahren alt. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1306. Allein im vergangenen Jahr holte Wöll 2932 dieser Unterlagen hervor, weil jemand sie für Forschungen benötigte. Privatleute, Studenten, Schüler, Wissenschaftler und Journalisten hatten nach ihnen gefragt. „Die historischen Bestände des Stadtarchivs wurden wieder intensiv genutzt“, so Wöll in einem Rückblick auf das Jahr 2016.

Das war nicht immer so. Als Wöll im Jahr 1984 die Archivleitung übernahm, musste er in den Keller, dorthin, wo Akten gelagert und Schriften abgelegt wurden. Wöll krempelte die Ärmel hoch, um aus dem Stadtarchiv „eine für die Öffentlichkeit zugängliche und nutzbare städtische Einrichtung zu machen“. Bis sein großer Traum von einem neuen Stadtarchiv in Erfüllung ging, sollte es aber noch fast 20 Jahre dauern. 20 Jahre, in denen ein Depot für das Archiv im ehemaligen „Sport-Schmid-Anwesen“ geschaffen wurde, in denen Pläne für einen Neubau entworfen und verworfen wurden und – das war dann 1999 – die Weilheimer Bürgerin Elisabeth Rosner erklärte, dass sie ihr Barvermögen von 1,9 Millionen Mark der Stadt für den Bau eines Archivs überlassen werde. Als sie 2001 starb, begannen die Planungen für den Neubau an der Stelle des „Sport-Schmid-Anwesens“, 2003 wurde das neue Archiv eingeweiht.

Der Umzug in den Neubau war für Wöll sein „berufliches Highlight“, wie er wenige Tage vor seinem Ruhestand sagte. Ein solches Archiv sei nicht selbstverständlich, wie er aus Gesprächen mit vielen Kollegen wisse.

Wöll, der 1982 seinen Dienst bei der Stadt begann und somit 35 Jahre die Weileimer Geschichte hütete und bewahrte, sieht die Archive vor einer großen Herausforderung. Wie, so fragt er, sollen die Daten für die Zukunft erhalten werden, die digital erfasst werden. „Es wird so viel gespeichert, aber es bleibt nichts“, so Wöll. Die „dauerhafte Sicherung digital überlieferter Informationen“ sieht Wöll als „die bislang größte Herausforderung“ für die kommunalen Archive. Daten über die Geschichte einer Stadt und der Menschen, die dort wohnen, müssten über Jahrhunderte greifbar sein, so Wöll. Er sieht aber Risiken bei elektronisch gespeicherten Personenstands- und Melderegistern, zumal bislang keine dauerhafte, sondern eine „vage definierte Langzeitsicherung“ für Archive vorgeschrieben sei. „Aber wie lange ist lang?“, so Wöll.

Seine Sorge: Das digitale Zeitalter werde das informationsreichste und gleichzeitig das am schlechtesten dokumentierte sein. Als einfaches Beispiel führt er an, dass CDs, die vor einigen Jahren für Datensammlungen angelegt worden seien, von neuen Computer-Programmen nicht mehr gelesen werden könnten. Wöll, der sich persönlich gern mit dem 19. Jahrhundert und der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts befasst, hat die Leitung des Stadtarchivs zum heutigen Tag an seinen Nachfolger Dr. Joachim Heberlein übergeben. Der Geschichte des Landkreises bleibt er aber verbunden: als Kreisarchivpfleger und über den Heimatverband „Lech-Isar-Land“.

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