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Weg frei für Zentralkrankenhaus-Planung - Konsequenzen für die heutigen Standorte Weilheim und Schongau

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Mit einer kleinen, aber engagierten Abordnung demonstrierte das Aktionsbündnis für den Erhalt des Schongauer Krankenhauses vor Beginn der Kreistagssitzung. Landrätin Andrea Jochner-Weiß suchte das Gespräch.
Mit einer kleinen, aber engagierten Abordnung demonstrierte das Aktionsbündnis für den Erhalt des Schongauer Krankenhauses vor Beginn der Kreistagssitzung. Landrätin Andrea Jochner-Weiß suchte das Gespräch. © GRONAU

Nach kontroverser Debatte hat der Kreistag mit großer Mehrheit die Weichen für die Krankenhaus-Zukunft gestellt – mit weitreichenden Konsequenzen für die heutigen Standorte.

Landkreis – Die Verwaltung soll prüfen, inwiefern sich der Neubau eines Zentralkrankenhauses mit Medizincampus im Landkreis realisieren lasse. Dazu soll eine Entwurfsplanung für den Neubau in Auftrag gegeben werden, ein geeignetes Baufeld gesucht und ein Finanzierungsplan erstellt werden, bevor der Kreistag endgültig entscheiden soll.

Sollte der Neubau tatsächlich realisiert werden, würde das bedeuten, dass im Anschluss das Krankenhaus in Weilheim komplett geschlossen wird. In Schongau würde dann ebenfalls keine stationäre Versorgung mehr bestehen, lediglich ein Ambulanzzentrum soll etabliert und die bestehende Pflegeschule deutlich erweitert werden.

Ärztlicher Direktor: „Die Lage ist ernst und die Mitarbeiter wollen jetzt eine Entscheidung, wie es weitergehen soll.“

Krankenhaus-Gutachter Prof. Norbert Roeder hatte zunächst klar gestellt, dass insbesondere der Fortbestand des Krankenhauses in Schongau akut gefährdet sei. Es fänden sich jetzt schon keine Ärzte mehr, die dort arbeiten wollten*.

Roeder beendete seien Vortrag mit einem dramatischen Appell: „Auch andere Landkreise sind auf diesem Weg und wollen Geld vom Freistaat Bayern. Daher müssen Sie schnell handeln. Abwarten wird die medizinische Versorgung im Landkreis schwächen“.

Ähnlich dramatisch formulierte es auch der neue Ärztliche Direktor des Schongauer Krankenhauses, Prof. Reinhold Lang: „Schon dieses Wochenende werden wir aufgrund des Krankenstandes massive Probleme haben, im Schongauer Krankenhaus den Betrieb in gewohnter Qualität aufrechterhalten zu können. Die Lage ist ernst und die Mitarbeiter wollen jetzt eine Entscheidung, wie es weitergehen soll.“

Kreisräte wollen Debatte zu Krankenhaus-Zukunft im Landkreis Weilheim-Schongau

Das sah allerdings ein Teil der Kreisräte ganz anders und plädierte dafür, die Debatte zu vertagen – ganz so, wie es die Demonstranten vom Aktionsbündnis für den Erhalt des Schongauer Krankenhauses vorm Eingang der Tiefstollenhalle gefordert hatten. Wieder und wieder wurde betont, dass die Kreisräte das Gutachten erst seit zwei Tagen vorliegen hätten, keine Zeit blieb, sich intensiv damit zu beschäftigen. Man könne auch ohne Beschluss schon einmal beim Land anfragen, ob denn überhaupt Mittel fließen würden. Hans Schütz (Grüne/Peiting) kritisierte zudem, dass etliche Kreisräte fehlen würden. „Wie sollen wir denn dem Wähler erklären, dass wir eine so weitreichende Entscheidung getroffen haben, obwohl 14 Kreisräte fehlten und die Hälfte der Anwesenden das Gutachten nicht kannte?“

Peter Ostenrieder (CSU/Peiting) versuchte, die Debatte zu versachlichen: „Was wir heute beschließen, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Prüfungsauftrag. Wir setzen lediglich die Bahn aufs Gleis.“ Eine endgültige Entscheidung für oder gegen ein Zentralkrankenhaus oder einen bestimmten Standort sei das nicht. Zudem sei das Gutachten ausführlich in der Klausurtagung diskutiert worden, alle hätten vor der Sitzung ein Exemplar erhalten und dieses lesen können: „Niemand kann hier so tun, als ob er nicht weiß, worüber hier abgestimmt wird“, so Ostenrieder.

Michael Asam (SPD/Peiting) ging als Krankenhaus-Aufsichtsrat auf Kollisionskurs mit seinen eigenen Fraktionskollegen: „Der Aufsichtsrat, in dem nahezu alle im Kreistag vertretenen Parteien mitarbeiten, hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, jetzt in die Untersuchungen und Planungen einzusteigen.“ Er erinnerte daran, dass das verunsicherte Personal eine Entscheidung erwarte.

Streitpunkt: Zukunft des Krankenhaus-Standorts Schongau

Als weiterer zentraler Streitpunkt kristallisierte sich die Zukunft des Krankenhaus-Standorts in Schongau heraus. Etliche Kreisräte wollten sich nicht damit abfinden, dass hier in Zukunft vor allem ambulante Eingriffe vorgenommen werden sollen. Obwohl der Gutachter Roeder mehrfach betonte, es gehe darum, den Standort Schongau überhaupt zu retten, forderte unter anderem Hans Schütz, „dass Schongau bei der Standortwahl des neuen Zentralkrankenhauses gleichberechtigt berücksichtigt wird“. Falk Sluyterman (SPD/Schongau) rechnete vor, dass „ein Assistenzarzt, der in Großhadern wohne, mit dem Auto nur 14 Minuten länger nach Schongau als nach Weilheim fährt. Und die Zuganbindung wird hoffentlich auch bald besser.“

Darüber, dass Weilheim nach Eröffnung des Zentralkrankenhauses unter Umständen gar kein eigenes Krankenhaus mehr hätte, wurde derweil kein Wort verloren.

Am Ende wurde beschlossen, dass man die Standortfrage zunächst ausklammert und erst einmal untersucht, inwiefern der Freistaat überhaupt bereit wäre, einen Neubau zu finanzieren. Und wie viel Fördermittel, die für die Sanierung von Weilheim und Schongau geflossen sind, zurückgezahlt werden müssen. In Zukunft soll regelmäßig und öffentlich über die aktuellen Entwicklungen im Kreistag berichtet werden, hieß es weiter.

* alle Details zum Krankenhaus-Gutachten lesen Sie in der Print-Wochenendausgabe von Schongauer Nachrichten, Weilheimer Tagblatt und Penzberger Merkur.

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