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Sie hofft noch auf eine Abschlussfeier: Antonia Löffler aus Weilheim startet morgen ins Abitur. 

Abiturstart 

Weilheimer Abiturientin: „Ich hätte auch ohne Corona Schiss gehabt“

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In Corona-Zeiten ist alles anders, von der Abitur-Vorbereitung über die Prüfung bis hin zur Zeit danach. Wir sprachen darüber mit Antonia Löffler (18) aus Weilheim.

Frau Löffler, ich erwische Sie gerade am Handy, nachdem das offizielle Abi-Foto gemacht wurde. Wie kann ich mir das vorstellen in Corona-Zeiten?

Das war tatsächlich komisch. Wir hatten alle unsere Tracht an und sind auf den Volksfestplatz, wo mit Markierungen am Boden der Abstand aufgezeichnet war. Wir standen auf dem riesigen Platz wie eine Art Schachbrett aufgereiht und wurden dann von einer Drohne fotografiert. Irgendwie muss man ja ein Abi-Foto hinbekommen.

Wenn Sie zurückdenken Mitte März, als die Schulen plötzlich zu waren: Haben Sie sich da noch gefreut?

Die allerste Reaktion war tatsächlich: Cool. Wir hatten noch eine schwierige Klausur vor uns in Sporttheorie und relativ viel Angst davor. Wir dachten uns: Mehr Freizeit, die wir auch zum Lernen nutzen können, deshalb war das für uns erstmals kein Problem. Erst als es hieß, das dauert länger, wussten wir nicht mehr, ob wir das noch gut finden sollen. Denn es hat zu dem Zeitpunkt noch viel Stoff fürs Abitur gefehlt.

Es war vermutlich gar nicht so einfach, sich auf die Prüfungen vorzubereiten, auch mental.

Genau. In den ersten zwei, drei Wochen habe ich wirklich gar nichts gemacht, ehe wir Schüler uns untereinander mit der App „Houseparty“ verständigt haben. Immer, wenn man da vormittags draufgegangen ist, hat man gesehen, wer gelernt hat, das hat einen dann motiviert, sich selbst mal hinzusetzen und alles zu organisieren. Mir ist dann klar geworden, dass ich endlich loslegen muss, sonst wird es nichts mit dem Abitur. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich immer zwischen 11 und 15 Uhr eine produktive Phase habe. Vorher bis 9 Uhr ausschlafen, frühstücken und eine Folge meiner Lieblingsserie anschauen, dann ging’s ans Lernen. Das ging wirklich gut.

Der Verlust der persönlichen Kontakte mit Mitschülern und Freunden, mit denen man sonst viel Zeit verbracht hat, war vermutlich richtig schwer.

Das war wirklich blöd. Wir hatten uns immer in den Pausen getroffen, aber da hat die App wirklich geholfen, und man hat auch andere Schüler besser kennengelernt, mit denen man eigentlich nicht so viel Kontakt hatte. Aber es war deutlich schwieriger.

Wie war der Kontakt zu den Lehrern?

Bei mir persönlich eher enttäuschend, weil sich bis auf einen keiner gemeldet hat. Es gab ja die Mebis-Plattform und dann noch eine weitere, aber meine Lehrer haben die nicht genutzt. Nur in Mathe hatte ich per Mail Infos bekommen.

Seit zwei Wochen ist wieder Schule. Wie gewöhnungsbedürftig war die Maskenpflicht?

Das war wie in einem Endzeit-Film, ganz gruselig. Man hat sich daran gewöhnt, aber seitdem die elften Klassen auch wieder in der Schule sind, darf man die Maske auch am Schulhof nicht mehr abnehmen, das ist nervig.

Wie stehen Sie notenmäßig da? Haben Sie Angst vor den Prüfungen?

Ich würde sagen, ich bin in der Mitte, aber Angst habe ich auf jeden Fall. Ich hatte noch nie so eine große Prüfung, das schüchtert wirklich ein. Ich glaube aber, dass ich auch ohne Corona genauso viel Schiss gehabt hätte. Der Endspurt vor dem Start geht bei mir schon ein bisschen auf die Psyche.

Wenn Sie die Prüfung schaffen, wovon wir natürlich ausgehen, gibt es wohl keine Feier.

Ja, das war eine große Erschütterung. Wir hatten uns alle so gefreut und schon große Pläne für die Zeit danach gemacht. Alle Abiturienten aus den Vorjahren haben gesagt, die Zeit nach den Prüfungen ist die beste Zeit des Lebens, und wir haben diese Zeit nicht. Das ist wirklich sehr traurig. Wir hoffen, dass es noch Lockerungen geben wird und wir es irgendwie hinbekommen, eine kleine Feier mit dem nötigen Sicherheitsabstand im Freien machen zu können. Die wird aber sicher nicht von der Schule aus stattfinden.

Was kommt bei Ihnen danach?

Ich werde nächstes Jahr im März in München anfangen zu studieren, Brand-Management, also wie man Marken entwickelt. Vorher habe ich immer noch die Hoffnung, dass wir wieder reisen dürfen. Ich würde wahnsinnig gern nach Australien oder Neuseeland fahren, um dort zwei, drei Monate zu arbeiten.

Die Abiturvorbereitung ist auch für Lehrer heuer eine Herausforderung. Außerdem mussten die Gymnasien im Landkreis Weilheim-Schongau ihre Konzepte für die Prüfungen komplett überarbeiten.

Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Weilheim und Schongau.

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