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Sanierung der alten Berufsschule: Mehr bauen, damit es weniger kostet

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Dringender Sanierungsbedarf besteht an der alten Berufsschule, bevor deren Räumlichkeiten durch die benachbarte FOS/BOS mitgenutzt werden können. Die Kosten dafür steigen allerdings immer weiter.
Dringender Sanierungsbedarf besteht an der alten Berufsschule, bevor deren Räumlichkeiten durch die benachbarte FOS/BOS mitgenutzt werden können. Die Kosten dafür steigen allerdings immer weiter. © RUDER/ARCHIV

Das Gebäude der ehemaligen Berufsschule an der Kerschensteinerstraße in Weilheim soll in Zukunft von der FOS/BOS genutzt werden, die an Raumnot leidet. Allerdings haben sich die nötigen Sanierungsarbeiten bereits vor Beginn massiv verteuert.

Landkreis – Seit einigen Monaten ist die neue Berufsschule am Narbonner Ring schon in Betrieb, parallel dazu wurde geplant, wie es mit dem alten Gebäude weitergehen soll. Sicher ist, dass es perspektivisch von der FOS/BOS genutzt werden soll, die aus allen Nähten platzt.

Das Ergebnis der Vorplanung wurde jetzt im Kreisausschuss vorgestellt. Und es war wieder einmal am Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landratsamtes, Florian Steinbach, die schlechten Nachrichten zu überbringen. Es wird teurer als gedacht. Ursprünglich war man von Kosten ausgegangen, die bei rund sechs Millionen Euro liegen. Doch in den vergangenen Monaten sind die Baupreise massiv gestiegen – um rund zwölf Prozent auf 6,8 Millionen Euro. Bis heute. Setzt sich der Trend fort, müsse man mit Gesamtkosten von rund acht Millionen Euro rechnen, so Steinbach.

Er stellte noch einmal klar, dass die Planung keinesfalls eine Luxussanierung vorsehe: „Wir reden hier nur von einer Minimalvariante, mit der wir das Gebäude für die nächsten Jahre nutzbar machen.“ Bei den Voruntersuchungen im Rahmen der Planungen seien verschiedene Probleme aufgetaucht. So müsse das Gebäude in mehr Brandschutzabschnitte als bisher eingeteilt werden – jeweils voneinander abgetrennt durch teure Brandschutztüren.

Auch die Elektroinstallation sei nicht so ohne Weiteres erweiterbar, wie man eigentlich gedacht hatte, berichtete Florian Steinbach weiter. Sie sei so veraltet, dass teilweise sogar Brandgefahr bestehe. „Wir müssen uns da nichts vormachen“, sagte er: „Das Gebäude braucht eigentlich eine Generalsanierung – vom Dach über die Heizung bis zur Dämmung müsste alles erneuert werden.“ Das würde dann allerdings 25 bis 30 Millionen Euro kosten: „Woher nehmen und nicht stehlen?“

Baut man mehr, gibt es auf einmal auch Geld vom Freistaat

Dennoch habe die Verwaltung einen Plan ersonnen, um die Kosten für die Minimalvariante zu senken: Man baut einfach mehr. „Das klingt erst einmal absurd“, meinte Kreiskämmerer Norbert Merk. Aber der Freistaat mache Fördermittel locker, wenn man eine Generalsanierung beginne. Mindestens 25 Prozent der Gesamtkosten müssten dabei in einem Abschnitt erledigt werden.

In genauen Zahlen: für die geplante Minimalvariante, die acht Millionen Euro kosten würde, gibt es keinen Zuschuss vom Land. Wenn man aber jetzt gleich noch die Sanitäranlagen auf Vordermann bringen würde – „die haben es auch bitter nötig“, sagte Steinbach –, dann würde man über die 25 Prozent der Gesamtkosten einer Generalsanierung kommen und der Freistaat würde ein Drittel der Kosten mitfinanzieren. Der Landkreis zahlt weniger und bekommt wie bei den Marktschreiern noch neue Gratis-Klos obendrauf.

Das gefiel den Mitgliedern des Kreisausschusses. Als „absolut richtigen Weg“ bezeichnete Markus Bader (SPD/Rottenbuch) nicht nur den Kniff, um doch noch an Fördermittel zu kommen, sondern auch die Entscheidung, die FOS/BOS zu stärken. „Dadurch werden flexible Bildungskarrieren ermöglicht und nicht jeder muss nach der vierten Klasse aufs Gymnasium wechseln“, sagte er.

FOS/BOS soll die Werkstätten in der neuen Berufsschule mitbenutzen

Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) kritisierte, dass die Schulleitung der FOS/BOS in einem Schreiben an den Landkreis die Verantwortung für die Betriebssicherheit des Schulgebäudes mit Verweis auf die Baumängel ablehne: „Mal ganz abgesehen davon, dass der Landkreis die Verantwortung für die Betriebssicherheit trägt und nicht die Schulleitung: Wenn es so schlimm ist, sollen sie halt die Arbeiten einstellen und kein Risiko für die Schüler eingehen.“ Steinbach versicherte daraufhin, dass „keine ganz akute Gefahr für die Schüler besteht“.

Grehl regte auch an, dass die Schüler von der FOS/BOS die nagelneuen Werkstätten im Berufsschulzentrum am Narbonner Ring mitbenutzen könnten. Dann könne man sich die Kosten für die Sanierung der alten Berufsschul-Werkstätten sparen. Ganz würde das nicht funktionieren, entgegnete Steinbach. Aber man wolle das Gespräch mit den beiden Schulleitern suchen und schauen, wo sich Synergien finden ließen. „Vielleicht lässt sich so die erste Million Euro sparen“, gab sich der Fachmann zuversichtlich.

Am Ende empfahl der Kreisausschuss einstimmig dem Kreistag, bei seiner Juli-Sitzung die nächsten Schritte der Sanierung der ehemaligen Berufsschule zu planen. Dabei soll besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, die Förderkriterien zu erfüllen und dadurch den Eigenanteil zu senken.

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