Seniorin im Pflegeheim
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Das Thema Pflegebedürftigkeit treibt auch immer mehr Hausbesitzer um.

Anbau für Pflegekraft hätte zu heftige Folgen

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Im eigenen Einfamilienhaus eine zusätzliche Wohnung für eine Pflegekraft schaffen: Das ist eigentlich eine gute Idee, wie auch Weilheims Bauausschuss findet. Doch der konkrete Plan für ein Reiheneckhaus im Weilheimer Westen hätte heftige Konsequenzen für die ganze Stadt – und wurde deshalb abgelehnt.

Weilheim – Es geht um ein ganz normales Reiheneckhaus an der Karolingerstraße in Weilheim – und um einen nachvollziehbaren Wunsch: Die Eigentümer würden in ihrem Haus gern eine zusätzliche Wohneinheit für eine Pflegekraft schaffen. Das Dachgeschoss soll als Einliegerwohnung abgetrennt und dafür an der westlichen Giebelfassade eine Außentreppe erstellt werden. Zudem ist geplant, auf der Südseite im Erdgeschoss einen Wintergarten mit drei Metern Tiefe anzubauen.

Gegen letzteren spricht nichts, hieß in der November-Sitzung des Weilheimer Bauausschusses seitens des Stadtbauamtes. Auch die zusätzliche Wohneinheit wäre grundsätzlich in Ordnung – nicht jedoch die Erschließung über eine Außentreppe: Dafür sei die Situation zu beengt, die Baugrenzen würden überschritten, neben dem privaten Vorgarten müsste dafür sogar ein öffentlicher Autostellplatz vor dem Haus entfallen. Zugleich wäre für die neue Wohneinheit ein weiterer Stellplatz nötig, für den auf dem Grundstück aber wohl kein Platz ist.

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Die Lage ist in diesem speziellen Fall also klar, doch bei der Diskussion im Ausschuss ging es rasch um Grundsätzliches. „Wir stellen fest, dass unser Bebauungsplan nicht alterstauglich ist“, befand Grünen-Vertreter Alfred Honisch, der auch Weilheims 3. Bürgermeister ist: Zwar sei es „bebauungsplanmäßig in Ordnung“, die vorliegende Anfrage abzulehnen, inhaltlich aber sei es „widersinnig“, so Honisch weiter: Solche Fälle würden „in den nächsten Jahren zuhauf kommen“, und die Stadt müsse Regelungen dafür finden.

Die zusätzliche Wohnung müsse in diesem Fall über die Innentreppe erschlossen werden, antwortete Manfred Stork, Leiter der Bauverwaltung im Weilheimer Rathaus, und verwies darauf, dass eine Pflegekraft ohnehin im Haus tätig sei. „Eine 24-Stunden-Pflegekraft ist wie ein Familienmitglied“, betonte auch Brigitte Holeczek (BfW): Zwar habe sie als Seniorenreferentin des Stadtrates „vollstes Verständnis für den Antrag“ und sei deshalb „zwiegespalten – aber die städtebauliche Sicht wiegt für mich in diesem Fall mehr“.

Stefan Zirngibl verwies auf den „Rattenschwanz an Folgen“, den eine Zustimmung im aktuellen Fall hätte: „Wir würden unsere Stellplatzsatzung und die Abstandsflächenregelungen aushebeln“, mahnte der CSU-Vertreter, und für Bezugsfälle wäre es dann auch „egal, ob es sich um eine Wohnung für eine Pflegekraft oder um eine ganz normale Einliegerwohnung handelt“. Zirngibls Fazit: „Dieser Antrag ist, so schwer es fällt, abzulehnen.“ Allein in diesem Bebauungsplangebiet gebe es „sechs bis acht Bezugsfälle“ so ergänzte Stefan Kirchmayer seitens des Stadtbauamtes. Was Pflegebedürftigkeit betrifft, ist ihm zufolge nicht nur von der Politik ein Umdenken gefordert, „sondern auch von der Bevölkerung“: Im Hinblick darauf müsse man „die Ansprüche an die Wohnfläche reduzieren“.

Die aktuelle Anfrage für die Karolingerstraße wurde vom Bauausschuss am Ende mehrheitlich abgelehnt (gegen die Stimme von Honisch). Doch dem Bauwerber, so hieß es ausdrücklich, wolle man signalisieren, dass der Wintergarten und auch die Wohnung an sich (ohne Außentreppe) möglich wären.

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