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Das Regal ist leer: Apothekerin Iris Hundertmark (2.v.l.) ließ das Regal mit den homöopathischen Präparaten in ihrer „Bahnhof-Apotheke“ in Weilheim leerräumen. Mit ihren Mitarbeiterinnen Adrienn Moldovan (l.), Bianca Taffertshofer und Sabine List (r.) hat sie den Schritt vorher besprochen.

„Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise“

Weilheimer Apothekerin verbannt Homöopathie aus ihrem Sortiment - und will sogar noch weiter gehen

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In der „Bahnhof-Apotheke“ in Weilheim sucht man seit neuestem vergeblich nach dem üblichen Ständer mit homöopathischen Mitteln. Apothekerin Iris Hundertmark will nur noch Präparate empfehlen, deren Wirksamkeit belegt ist.

Weilheim – Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Apothekerin Iris Hundertmark. Im April 2016 übernahm sie die „Bahnhof-Apotheke“ in Weilheim, ein Traditionshaus. Anschließend wurde umgebaut und modernisiert, der Betrieb ging reibungslos weiter. Und ja, da stand auch das Verkaufsregal mit all den homöopathischen Mittelchen. Den Mitteln, die in der Regel keine Krankenkasse zahlt, die die Apotheker aber durchaus gern mitverkaufen. Schadet ja nichts und vielleicht hilft es ja auch. 

„Aus kaufmännischer Sicht ist das verständlich“, sagt Iris Hundertmark. Sie hat zwölf Mitarbeiter, die wollen ihren Lohn pünktlich auf dem Konto haben. „Aber irgendwann bekam ich den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf: Eigentlich hast du ja Pharmazie studiert.“ Pharmazie, die Wissenschaft von den Arzneimitteln, ihrer Herkunft, Herstellung und Überprüfung. Eben jene wissenschaftliche Überprüfbarkeit ist es nun, die Iris Hundertmark dazu bewog, in Zukunft nur noch auf Nachfrage homöopathische Mittel zu verkaufen. 

Lesen Sie hier: So reagieren andere Apotheker und Homöopathen auf Hundertmarks Schritt

Homöopathie gibt‘s in Zukunft nur mit einem Beratungsgespräch

„Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel“, stellt die Apothekerin nüchtern fest. Sie legt wert darauf, „dass ich die Nutzung von homöopathischen Mitteln nicht verteufele, niemandem etwas wegnehmen will“. Verlangt ein Kunde nach einem solchen Präparat, dann besorgt sie es ihm auch. Allerdings bieten Iris Hundertmark und ihre Mitarbeiter vorher auch ein Beratungsgespräch an. „Dabei versuche ich zu erklären, dass die einzelnen Mittel durchaus Abhilfe schaffen können, dass diese Abhilfe aber nicht an den Wirkstoffen liegt“, berichtet sie.

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So erklärt die Apothekerin, dass ein Kleinkind unter Umständen wirklich beruhigt wird, wenn es ein Kügelchen gegen die Zahnungsschmerzen bekommt. Sie führt aber eben auch aus, dass das dann nicht an den homöopathischen Wirkstoffen liegt, sondern daran „dass das Kind durch den Zucker, der sich auf der Zunge auflöst, abgelenkt wird.“ 

Iris Hundertmark hatte nach eigener Aussage damit gerechnet, „dass ein Shitstorm über uns hereinbricht, nachdem bekannt wird, wie wir mit homöopathischen Mitteln umgehen“. Allerdings blieben Beschimpfungsmails und Schmutzkampagnen im Internet bislang aus. „Ganz im Gegenteil: Wir bekommen wahnsinnig viel Zuspruch von unseren Kunden, die unsere Entscheidung unterstützen.“ Die Patienten würden sich darüber freuen, dass sie aufgeklärt werden. 

„Ich will eine ehrliche Apothekerin sein.“

Die Apothekerin fühlt sich dadurch bestätigt und plant nun schon den nächsten Schritt. „Wir werden in absehbarer Zeit unsere Kunden auch bei der so genannten Freiwahl intensiver mit Blick auf evidenzbasierte Mittel beraten“, sagt sie. Will meinen: All die Präparate, die man ohne Rezept in der Apotheke kauft, etwa weil man sich eine Erkältung eingefangen hat. „Da kann man ein Heißgetränk mit jeder Menge Vitamin C und Paracetamol kaufen, was viel Geld kostet. Oder man erwirbt eine Packung Schmerz- und Fiebermittel für einen Bruchteil des Geldes, kocht sich eine heiße Zitrone und erzielt die gleiche Wirkung“, sagt Iris Hundertmark. Für sie ist wichtig: „Ich will eine ehrliche Apothekerin sein.“ 

Für Dr. Karl Breu, Sprecher der Ärzte im Landkreis Weilheim-Schongau, ist die Entscheidung der Apothekerin Iris Hundertmark die logische Konsequenz aus einer Debatte, die derzeit wieder verstärkt geführt wird: „Es gibt Leitlinien der Bundesapothekerkammer, wonach Apotheken nur Medikamente verkaufen dürfen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich bewiesen wurde“, sagt er. Das würde bedeuten, dass keine homöopathischen Mittel abgegeben werden dürften. 

Generell sei zu beobachten, dass die Homöopathie immer stärker in die Kritik gerate. Krankenkassen sollen dahingehend überprüft werden, ob sie die Kosten derartiger Mittel zur Kundenbindung übernehmen, Universitäten, bei denen Homöopathie im Rahmen der Ärzteausbildung gelehrt wird, stünden in der Kritik, berichtet Dr. Breu weiter im Gespräch mit der Heimatzeitung. Er selbst sieht das Thema differenzierter. „Natürlich gibt es Menschen, bei denen nach der Einnahme homöopathischer Mittel eine Besserung eintritt“, sagt Breu. Das liege allerdings nicht an den Mitteln selbst, sondern am Glauben an deren Wirkung: „Bei 98 Prozent der Erkrankungen hilft durchaus der Wille.“

Dessen ungeachtet handele es sich dabei schlicht und ergreifen „um einen Placebo-Effekt“. Insofern begrüße er die Entscheidung von Apothekerin Iris Hundertmark. 

set

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