Nicht nur zur Arbeit im Krankenhaus Weilheim fährt Michael Schierlinger mit dem Rad. Auch privat sitzt er gerne auf dem Mountainbike. foto: gronau

Michael Schierlinger im Porträt

Ein Arzt mit Rad und Tat

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Weilheim - Michael Schierlinger ist mit Leib und Seele Gefäßchirurg und überzeugter Weilheimer. Und er fährt gern Mountainbike.

Es war eine große Verletzung, die einen großen Einfluss auf das Leben von Michael Schierlinger hatte. Nachdem er sich als 15-Jähriger an einer Coladose fast den Daumen abgeschnitten hatte, war er von der Kunstfertigkeit des behandelnden Arztes nachhaltig beeindruckt. Und zwar so stark, dass Schierlinger beschloss, ebenfalls Arzt zu werden. Heute, mit 45 Jahren, ist er zweifacher Facharzt – Chirurg und Gefäßchirurg – und seit 1. September leitender Oberarzt der Gefäß- und Endovaskularchirurgie am Krankenhaus Weilheim.

Als „Schlüsselereignis“ für seine berufliche Laufbahn sieht Schierlinger dieses Erlebnis vor 30 Jahren. Dennoch war es nicht selbstverständlich, dass er diese auch einschlug, denn als Jugendlicher hatte er eine Leidenschaft, die wohl nicht viele mit ihm teilen: Mathematik. „Das war das Einzige, was mich neben der Schule interessiert hat“, sagt er. Sein Lehrer legte ihm sogar nahe, Mathematik zu studieren, doch Schierlinger fehlte die soziale Komponente, er wollte etwas machen, bei dem er mit Menschen in Kontakt ist.

Also fiel die Wahl auf die Medizin. Allerdings hatte Michael Schierlinger noch drei Geschwister, und so ein Studium kostet Geld. Was tun? Schierlinger entschied sich für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr. Dazu riet ihm nicht zuletzt Schierlingers Vater, der Soldat war.

Die Schierlingers zogen bei jeder Versetzung seins Vaters um. Michael wurde in Hammelburg geboren, er lebte in der Nähe der Garnisonsstadt Koblenz und auch in Oberstdorf, weil der Vater in Sonthofen seinen Dienst versah. Der Weg war quasi vorgezeichnet, aber so einfach ist die Sache nicht. Bewusst hat sich der 45-Jährige, der seit 16 Jahren mit Frau und zwei Kindern in Weilheim lebt, für das Militär entschieden. Die Vorstellung, vielleicht „in den Einsatz zu gehen“, wie es im Militärjargon heißt, schreckte Michael Schierlinger nicht ab, im Gegenteil. Er sah und sieht das noch immer als selbstverständlich an. Auch, dass er sich unter Umständen mit der Waffe hätte verteidigen müssen. Aber ein Arzt soll doch Menschen helfen, soll Leben retten? „Für mich ist das kein Widerspruch“, sagt der Weilheimer, der vier Auslandseinsätze, in Afghanistan und am Horn von Afrika, absolvierte.

20 Jahre war Schierlinger bei der Bundeswehr, dann hatte er genug. Er erzählt von seinem ersten Einsatz in Afghanistan, als sich ein Auto einem Checkpoint näherte, das trotz Aufforderung und Warnschusses eines Soldaten nicht anhielt. Der Fahrer wurde mit einem tödlichen Schuss gestoppt. „Bei den Amerikanern hätte er einen Orden bekommen“, sagt Schierlinger über den Schützen. Doch die Bundeswehr habe ihm die Waffe abgenommen und er sei umgehend nach Deutschland ausgeflogen worden, wo ein Untersuchungsverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Viele solcher Beispiele kann er nennen. Die Enttäuschung und Frustration über die politische Führung, die solche Bestimmungen veranlasst, ist ihm anzumerken. „Da war mir klar, da möchte ich nicht mehr dabei sein“, sagt Schierlinger. Und die Situation habe sich in den 15 Jahren, seit er Zivilist ist, nicht verändert.

Ohne Probleme gelang ihm der Wechsel vom Tarnfleckanzug in den weißen Arztkittel. Im Tutzinger Krankenhaus heuerte der 45-Jährige damals an, doch als Wohnort kam für seine Familie nur ein Ort in Frage: Weilheim. Die Schierlingers lieben die offene Lage und den weiten Blick genauso wie die offene Mentalität der Bewohner. Hier bekommen sie alles, was sie brauchen, ohne kilometerweit zu fahren. „Im Voralpenland zu sein, ist einfach charmant“, sagt der 45-Jährige. Im Weilheimer Krankenhaus hat er sich schnell eingelebt, lobt die Belegschaft und die tolle Atmosphäre. Er sei keiner, der laut werde, aber er sei dennoch bestimmt in der Formulierung seiner Aufträge, charakterisiert er sich selbst.

Weilheim wurde auch wegen seiner vielfältigen Sportmöglichkeiten als Lebensmittelpunkt gewählt. Die vier Schierlingers sind in der Skiabteilung des TSV aktiv. Aber der Herr im Haus fällt aus der Rolle: „Ich bin der Einzige, der Snowboard fährt“, grinst er. Trainiert ist der 45-Jährige, der um einiges jünger ausschaut. Menschen, die Sport treiben, haben Körperspannung, was bei ihm nicht zu übersehen ist. Als Kind und während des Studiums hat er Eishockey gespielt, heutzutage fährt er Mountainbike. Einmal die Woche trifft er sich mit einer Gruppe Gleichgesinnter, und dann wird die Gegend um Weilheim erkundet. Es dürfen aber auch die Gebirge der Region und der Gardasee mit seinen Trails sein.

Das Mountainbiken betreibt Schierlinger wie seine Arbeit: mit Leidenschaft. Wenn er voller Begeisterung darüber spricht, wie das Kathederverfahren für einen normalen Fluss in zuvor verengten Blutgefäßen sorgt und welche Möglichkeiten sich mit modernen Verfahren für den Patienten eröffnen, ist es nicht zu übersehen: Der Mann hat Spaß an seiner Arbeit. „Das ist mir auch wichtig“, sagt er. „Wenn du deine Arbeit nicht jeden Tag mit Herzblut machst, dann bist du auch nicht gut.“

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